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mephisto 97.6 erklärt

mephisto 97.6 beschäftigt sich vom 19. bis zum 23. Juni mit Feminismus. Dabei fallen immer wieder Begriffe, die nicht jedem bekannt sind.
mephisto 97.6 erklärt
mephisto 97.6 erklärt

Care-Arbeit

Als Care-Arbeit bezeichnet man sogenannte Pflege- und Sorgearbeit, zum Beispiel die Betreuung von Kindern oder alten Menschen. Jeder Mensch ist auf die Fürsorge anderer angewiesen. Diese orientiert sich an den Bedürfnissen anderer Personen. Deshalb wird sie auch „other centered work“ genannt. Care-Arbeit wird meist von Frauen geleistet. Im Fall von Krankenpflegerinnen und Kindergärtnerinnen wird sie sehr schlecht bezahlt. Wenn sich die Care-Arbeit auf eigene Angehörige bezieht, bleibt sie meist unentlohnt.  

Cis-, Cisgender, Cissexualität

Vielen Menschen kennen diese Begriffe nicht. Dabei treffen sie auf die meisten von ihnen zu. Cissexualität ist das Gegenteil von Transsexualität. Als Cis-Mann oder Cis-Frau werden Personen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Der größte Teil der Gesellschaft erwartet keine besondere Bezeichnung für Cis-Menschen.

Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch führte den Begriff 1991 ein. Für ihn war es das nichts Selbstverständliches: Nicht jeder Mensch lebt im Einklang mit dem ihm zugewiesenen Geschlecht. Neben dem Begriff Cis- wird umgangssprachlich auch oft Bio- benutzt. Dieser Ausdruck wird jedoch häufig als diskriminierend angesehen.

Gender

Der Begriff „Gender“ wird in der Wissenschaft verwendet, um das soziale Geschlecht einer Person zu beschreiben. Mit dem sozialen Geschlecht sind vermeintlich geschlechterspezifische Eigenschaften gemeint. Also eine Erwartung, die den Menschen aufgrund ihres Geschlechts innerhalb der Gesellschaft zugeschrieben werden. Zum Beispiel, dass Frauen sensibel sind und Männer nicht weinen. Der Begriff „Gender“ ermöglicht es, diese Klischees zu hinterfragen. Als Ergänzung zu „Gender“ gibt es im Englischen auch den Begriff „Sex“. Damit wird das biologische Geschlecht eines Menschen bezeichnet. Im Vergleich zum Begriff „Geschlecht“ können „Gender“ und „Sex“ besser voneinander unterschieden werden. Mittlerweile gelten „Gender“ und „Sex“ allerdings nicht mehr als eindeutige Gegensätze. Denn auch wenn sie verschiedene Dinge bezeichnen, beeinflussen sie sich auch immer gegenseitig.

Gender Mainstreaming

Gender-Mainstreaming ist eine Strategie, um die Gleichstellung von Mann und Frau zu fördern. Dabei sollen auf allen Ebenen die Interessen von Frauen und Männern gleichermaßen berücksichtigt werden. So soll ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen beiden Geschlechtern gewährleistet werden. Seit 1999 ist Gender-Mainstreaming ein erklärtes Ziel der Europäischen Union.

Gender Mainstreaming kommt auch in populärwissenschaftlichen Publikationen vor. Zum Beispiel beim Erforschen der Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Gehirn. Das geht auf die Theorie zurück, dass Mann und Frau von Natur aus unterschiedlich sind. Kritiker behaupten, dass Gender-Mainstreaming die Stereotype der Geschlechter reproduziert.

Gender Pricing

Gender Pricing lässt sich am ehesten mit „geschlechtsspezifische Preisgestaltung“ übersetzen. Da das ein wenig umständlich ist, wird meist die englische Bezeichnung „Gender Pricing“ benutzt. Diese bedeutet, dass sich der Preis eines Produkts oder einer Dienstleistung unterscheidet, je nachdem ob das Angebot für Männer oder Frauen ist. So müssen Frauen zum Beispiel oft mehr für einen Haarschnitt oder einen Rasierer zahlen als Männer. 

Heteronormativität

Der Begriff bezeichnet ein gesellschaftlich etabliertes Konzept zwischen Mann und Frau. Heterosexuellen Beziehungen gelten dabei als allgemeine Norm. Diese sei naturgebunden und unveränderbar. Alle Formen des Zusammenlebens, die von dieser Norm abweichen, werden kritisch betrachtet oder sogar verurteilt. Dazu zählen zum Beispiel bisexuelle, intersexuelle oder transsexuelle Menschen, aber auch Menschen, die in queeren oder polygamen Beziehungen leben.

Intersektionalität

Der Begriff "Intersektionalität" oder Mehrfachdiskriminierung bezeichnet die Überschneidung verschiedener Diskriminierungsformen in einer Person, also zum Beispiel Rassismus, Sexismus, Handicapism und Klassismus. Die Person wird also aufgrund von mehreren Persönlichkeitsmerkmalen diskriminiert.

LGBTTIQ

LGBTTIQ - auch LGBT oder GLBT - ist eine Abkürzung aus dem englischen Sprachraum. Sie steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender sowie transsexuelle, intersexuelle und queere Menschen. Also Menschen, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie stellen die Heterosexualität und Zweigeschlechtigkeit infrage. So weichen Transgender-Menschen in ihrem Verhalten von Geschlechterrolle ab. Transsexuelle Menschen wollen darüber hinaus oft ihre körperlichen (Geschlechts-)Merkmale verändern. Intersexuelle Menschen können genetisch nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden. Als Sammelbegriff dafür wird oft der Begriff "queer" verwendet.

Mansplaining 

Der Begriff „Mansplaining“ entwickelte sich 2008 in den USA und wurde von der Publizistin Rebecca Solnit geprägt. Mansplaining setzt sich aus den englischen Worten „Man“ und „explaining“ zusammen. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem ein Mann eine Frau zu einem bestimmten Thema aufklären will. Seine Gesprächspartnerin besitzt dabei aber wesentlich mehr Fachwissen als er selbst, manche Frauen sind sogar Expertinnen auf dem jeweiligen Fachgebiet. Das Ziel des Mannes ist es in dem Moment, die Frauen zu belehren. Dabei verhält er sich besserwisserisch und herablassend. Mansplaining kann in allen gesellschaftlichen Bereichen vorkommen – vor allem im Beruf äußert es sich häufig.

Mutterschutz

Wie der Name schon sagt: Der Mutterschutz soll besonders Schwangere und stillende Frauen schützen. Er ist im Mutterschutzgesetz geregelt. Wenn eine Arbeit die Gesundheit der Mutter oder des ungeborenen Kindes bedroht, so darf die Frau in der Schwangerschaft nicht beschäftigt werden. Ansonsten greift der Mutterschutz ab sechs Wochen vor dem Geburtstermin. Eine Ausnahme kann vereinbart werden, wenn die Frau von sich aus länger arbeiten möchte.

Nach der Geburt dürfen Mütter acht Wochen lang nicht beschäftigt werden. Hat die Frau Zwillinge bekommen, sind es sogar zwölf Wochen. Seit Mai 2017 gilt auch bei der Geburt eines Kindes mit Behinderung eine Schutzfrist von zwölf Wochen. Auch während der Stillzeit gibt es zusätzliche Pausen. Des Weiteren dürfen die Arbeitgeber eine schwangere Frau nicht kündigen. Dieser Schutz gilt bis vier Monate nach der Geburt, auch nach Fehlgeburten.

Mütterrente

Wer für die Kinder zuhause geblieben ist, hat oft mehrere Jahre nicht in die Rentenversicherung eingezahlt. Die Mütterrente soll diesen Verlust teilweise ausgleichen. Seit 2014 können für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, zwei Jahre Mütterrente angerechnet werden. Damit soll der Unterschied zu später geborenen Kindern verringert werden. Denn für Kinder, die ab 1992 geboren wurden, können sogar drei Jahre angerechnet werden. Die Mütterrente gilt sowohl für Väter als auch für Mütter. Weil aber öfter Mütter Erziehungszeit nehmen, spricht man von „Mütterrente“.

Sexismus

Sexistisch kann etwas aus zwei Gründen sein: Wenn eine Person aufgrund ihres Geschlechts negativ bewertet wird – dazu zählen zum Beispiel Aussagen wie „Männer können keine Gefühle zeigen“ und „Frauen sind schwach“. Oder, wenn der ungleiche Status zwischen Männern und Frauen aufrechterhalten wird. Das betrifft unter anderem die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Sexismus kann sich in Strukturen oder kulturellen Normen zeigen. Frauen haben es zum Beispiel oft schwerer, in Führungspositionen aufzusteigen. Das kann dann an der sexistischen Struktur des Unternehmens liegen. Sexismus gibt es auch im Verhalten und der Einstellung einzelner Personen. Der Begriff zeigt sich also in unterschiedlichen Formen. In den letzten Jahrzehnten gab es dabei einen Wandel. Mittlerweile gibt es weniger offensichtlichen Sexismus und mehr versteckte und subtile Diskriminierung.

 

Kommentare

Wenn die Regierung unter Frau Merkel endlich die Gerechtigkeitlücke schließen würde aber nein, es gehen Miliarden in die Rüstung!! Mütterrente sind keine Almosen
sondern die Frauen vor 1992 hatten keine Möglichkeit ihre Kinder unterzubringen um zu arbeiten.Aber es wir heute so getan als seien diese Mütter Schmarotzer.

"Sie stellen die Heterosexualität und Zweigeschlechtigkeit infrage."

Der Satz ist einer der Vereinfachungen, die zu Missverständnissen führen können.
Weil: a) gibt es heterosexuelle transsexuelle Menschen und
b) ist das grössere Problem nicht die "Zweigeschlechtlichkeit"
(im Sinne dessen, dass überhaupt so etwas wie Binarität existiert), sondern der Glaube
daran, dass es zwischen Mann und Frau nur eine einzige geschlechtliche Ebene gibt. Es sind
aber mehrere. Und die sind sehr wohl binär ausgerichtet, aber mit Zwischen"stufen". Wenn
aber Menschen meinen, dass der Kampf gegen 2 Geschlechter, der Einsatz für 3,4,5 etc.
Geschlechter ist, dann ist das etwas absurd anderes.

Insofern wäre die Frage: Wie meint das Lexikon das?

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Lara Lorenz, Finný Anton
21.06.2017 - 18:57
  Wissen