Nachbericht: Melt!

Eine Ode an das Melt!

Der Festivalsommer ist voll im Gange. Jedes Wochenende werden momentan an den verschiedensten Orten Deutschlands die Zelte aufgeschlagen, der Campingkocher ausgepackt und das Tanzbein geschwungen. So auch endlich wieder in Ferropolis für das Melt!.
Melt! Festival
Melt! Festival

Das Melt! gibt es bereits 22 Jahre lang und seit 1999 findet das Elektro-/Popfestival auch schon nahe Gräfenhainichen, genauer gesagt in der „Stadt aus Eisen“ Ferropolis statt. Vom 17. bis zum 19. Juli war es wieder soweit und meine Vorfreude riesig. 3 Tage Festival; Pause vom Alltag und endlich Entspannen nach der nervenaufreibenden Klausurenphase – genau das was ich brauchte! Doch beginnen wir mal ganz am Anfang...

Get ready to Melt!

Nachdem ich die Pre-Party mit Bonobo auf Grund leichter Erkältung leider verpassen musste, ging es für mich mit umso mehr Energie am Freitagnachmittag los zur „Stadt aus Eisen“. Ferropolis ist von Leipzig aus unglaublich einfach zu erreichen – ab in die S-Bahn nach Gräfenhainichen, schnell einen der letzten Plätze im Shuttlebus zum Festivalgelände ergattern und schon ist man da. Das Ganze dauerte nur knapp 1,5h und nach ein bisschen Hin und Her mit dem Standort zum Abholen des Pressebändchen hieß es für mich schnell noch ein bisschen stärken beim Zelt und dann ab aufs Gelände!

Der Weg vom Camping- zum Festivalgelände ist beim Melt! leider etwas länger und kann entweder zu Fuß bewältigt werden oder für die Extrazahlenden mithilfe eines Shuttlebusses. Der Fußweg gehört meiner Meinung nach zur Melt!-Festivalerfahrung dazu und auf dem Hinweg ist der Marsch meistens sowieso deutlich leichter zu meistern als auf dem Rückweg. Am Wasser entlang und vorbei am Sleepless-Floor, welcher die Festivalbesucherinnen und -besucher das ganze Wochenende ununterbrochen mit bunten Lichtern, waberndem Nebel und vor allem einer fetten Ladung Techno versorgt, führte mich mein Weg zuerst zur Melt-Stage für RIN. Früher Fan wollte ich mir seinen Auftritt nicht entgehen lassen. Der Auftritt war nett, die Menge gut drauf und doch hat mich RIN nicht so hundertprozentig abgeholt. Vor zwei Jahren wäre ich wahrscheinlich noch komplett ausgerastet, doch mittlerweile ist für mich der Hype etwas abgeflacht.

Umso mehr begeistert hat mich danach allerdings Flohio. Die gebürtige Nigerianerin lebt in London und macht harten UK-Rap mit flotten Beats und viel Power in der Stimme. Flohios Konzert fand auf der Highsnobiety Soundsystem Stage statt, einer der kleineren Bühnen. Dementsprechend wirkt ihr Auftritt auch wesentlich persönlicher als zum Beispiel der von RIN und war definitiv einer meiner Highlights! Wesentlich entspannter ging es mit Jorja Smith dann weiter. Ich hatte die großartige Künstlerin bereits beim Lollapalooza 2018 gesehen und auf beim Melt dieses Jahr hat mich ihre Stimme wieder komplett begeistert. Wieder psychisch und physisch erholt hieß es für mich: Sleepless Floor und abtanzen zum Beispiel zu Honey Dijon!

Melt! Festival
 

Von Hype und Hitze

Samstag und somit Tag 2 auf dem Melt!. Geweckt durch die unglaubliche Hitze im Zelt, ging es erst einmal direkt in den See. Die Wassernähe ist ein weiterer Vorteil des Elektro-/Popfestivals. Das Festivalgelände Ferropolis ist nämlich eine Halbinsel und auch auf dem Campingplatz gibt es mehrere Zugänge zum Gremminer See. So vergeht der Tag trotz Hitze sehr schnell und das hin und her zwischen baden, auf dem Campingplatz entspannen und so weiter fühlt sich das alles sehr nach Urlaub an.

Musikalisch wurde am Samstagabend auch wieder einiges geboten. Los ging es für mich um 19.00 Uhr (beim Melt! beginnen die Konzerte immer erst recht spät) mit Mahalia auf der Gremmin Beach Stage, einer Bühne, welche sich, wie der Name bereits verraten lässt, direkt am Wasser befindet. Man tanzt auf dem Sandstrand und wer will, kann auch hier noch einmal zum Abkühlen die Füße ins Wasser stellen. Entspannte Klänge, eine super Stimmung und insgesamt also ein toller Start in den Festivalabend.

Weiter ging es für mich mit meinem absolutem Festivalhighlight: dem Auftritt von Yung Lean. Seit Jahren bin ich absoluter Fan und hab den schwedischen Künstler auch schon mehrmals vorher live gesehen, allerdings noch nie bei einem Festival. Knapp eine Stunde ging das Konzert und war für mich ein absolutes Wechselbad der Gefühle. Von Moshpits über die Lyrics raus schreien zusammen mit den anderen Fans um mich herum bis hin zur höchsten Emotionalität war alles dabei. Yung Lean performte dabei Songs von allen möglichen Alben - Zeitreise durch die Phasen seiner musikalischen Aktivität. Wer sich nun den Auftritt gerne nachträglich einmal anschauen möchte, kann dies auch gerne tun. Bei Arte gibt es nämlich einige gefilmte Konzerte vom Melt! zu sehen.

Highlight after Highlight ging es spannend weiter. Und zwar mit den Bremer Jungs von Erotic Toy Records, wieder auf der Highsnobiety Soundsystem Stage. Das 6köpfige Kollektiv um Doubtboy, Tightill, Yung Meyerlack, Skinnyblackboy, Florida Juicy und Jay Pop bezeichnet sich als „the most sensitive rap crew alive“ und verbreitet live vor allem eines: gute Laune! Leider musste ihr Auftritt verkürzt werden, denn was folgte war etwas weniger spaßig – die Evakuierung des Festivalgeländes auf Grund eines starken Unwetters.

Was zuerst wie ein Witz der Bremer Boys von Erotic Toy Records wirkte, war leider kein Scherz. Das Gelände wurde zeitweilig geschlossen und wer nicht so schlau gewesen war, direkt nach der Durchsage das Gelände fluchtartig zu verlassen, wurde auf dem Rückweg oder beim Hoffen auf Shuttlebusse ordentlich durchnässt. Die ließen nämlich recht lange auf sich warten. Werden jetzt alle Konzerte abgesagt? Wird mein Zelt den Sturm überleben? Das waren wohl die Fragen die am Samstagabend in Ferropolis die meisten Festivalbesucherinnen und -besucher beschäftigten. Letztendlich ging jedoch alles gut aus. Circa 3h später war das Festivalgelände wieder offen und die meisten Konzerte wurden nachgeholt. Zum Glück!

Leider hatte ich von der Wiedereröffnung des Geländes erst etwas spät gehört. Doch ein paar Sprints später konnte ich doch noch einiges vom Jimothy Auftritt mitbekommen, das Bilderbuch Konzert hingegen größtenteils verpasst. Jimothy Lacoste passte dann auch perfekt zu meiner Mood, bereits ausgesprochen glücklich über das Nachholen der Konzerte, sorgte der Londoner dafür, dass meine Stimmung nur noch besser wurde. Mit seinen signifikanten Dancemoves und den einprägsamen Lyrics brachte er so einige in der Menge zum mitsingen und mittanzen. Nach einem kurzen Ausflug zur Gremmin Beach Stage für den Rapper Octavian, ging es weiter mit dem Headliner Stormzy, der als Ersatz für ASAP Rocky für einen coolen Auftritt sorgte. Unglaublich motiviert animierte der Brite die Menge und wirkte dabei so ausgesprochen sympathisch, dass man ihn einfach mögen muss. Und das zusätzlich zu seinen eindeutigen musikalischen Qualitäten.

Melt! Festival
 

Dance, dance, dance!

Sonntags ließ ich den letzten Festivaltag tagsüber erst einmal etwas ruhiger angehen. Zwischen See und Mittagsschlaf verging der Nachmittag unglaublich schnell und so war es um kurz nach 19.00 Uhr auch schon Zeit für Boy Pablo. Boy Pablo ist eine norwegische Dream-Pop Band um den Sänger Pablo Muñoz. Die Truppe war definitiv der perfekte Start in den Konzerteabend – mit ihren entspannten Klängen konnte ich so richtig loslassen und hab mich in dem Moment so befreit gefühlt wie länger nicht mehr. Danach: Kontrastprogramm von Skepta. Beide Acts fanden kurz nacheinander auf der Melt-Stage statt und hätten doch unterschiedlicher kaum sein können. Während bei Boy Pablo seicht hin und her getanzt wurde, dominierten bei Skepta die Moshpits. Der Grime-Musiker performte Songs verschiedenster Album und brachte vor allem mit Klassikern wie „Shutdown“ die Menge zum beben.

Anschließend dominierte für mich am restlichen Abend die elektronische Musik, angefangen bei Ross From Friends. Ross From Friends ist der Künstlername des britischen Produzenten und DJ Felix Clary Weatherall sowie zweier weiterer Mitglieder. Tanzen mit Sand unter den Füßen, umgeben von fröhlichen Menschen und dazu die House-Musik von Ross From Friends: besser kann es kaum sein. Im Anschluss wurde mein Techno-dominierter Abend dann noch kurz unterbrochen vom Auftritt von Bon Iver. Die Band um Front-man Justin Vernon vereint verschiedenste Mmusikrichtungen. Folk, elektronische Musik, Pop, Rock, Soul – all jene Musikrichtungen schafft Bon Iver zu einem harmonischen Klang zu vereinen.

Die Stunden danach hieß es für mich: tanzen bis es nicht mehr geht und bis die Füße streiken weiterzumachen. Besonders gut ging das bei Denis Sulta und Eclair Fifi, zwei DJs aus Glasgow und Edinburgh. Mit den beiden vergehen die 2,5h DJ-Set in was sich anfühlt wie höchstens eine halbe Stunde. Kann man nur hoffen, dass es die beiden bald wieder nach Deutschland verschlägt! Auch die Kulisse der Forest Stage: mega. Beim Melt kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Um 3Uhr morgens machte das Hauptgelände dann erst einmal zu und für die noch immer Feierwütigen ging es dann also auf den Sleepless Floor, wo die Berliner Techno- und Electro-DJane bis nach Sonnenaufgang für scheppernde Beats sorgte.

Fazit

Abschließend lässt sich also sagen: 3 Tage Melt! waren 3 Tage voll toller Musik und generell eine wunderschöne Erfahrung. In der Welt von Ferropolis lebt es sich teilweise wie in einem Traum. Alles ist schön (außer vielleicht das Unwetter am Samstag), (fast) alle Leute sind nett und die Harmonie dominiert. Die Abfahrt zurück nach Leipzig fällt mir schwer, doch vielleicht bin ich ja nächstes Jahr wieder dabei!

 

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Nele Rebmann
16.08.2019 - 10:02
  Kultur

Wann? 17. bis 19.Juli

Wo? Ferropolis bei Gräfenhainichen

Wer? Bon Iver, Jorja Smith, Yung Lean, Ross from Friends, Skepta, Stormzy, Jimothy und viele mehr