Im Gespräch: Wladimir Kaminer

Mein Russland, was ist aus dir geworden?

Wie geht es weiter? Eine Frage die man sich in Russland schon seit den Neunzigern stellt. Zwischen Oligarchen und extremer Inflation. Zwischen Autokratie und politischer Teilnahmslosigkeit. Von dort stammen die Geschichten Wladimir Kaminers.
Vladimir Kaminer
Der Autor Wladimir Kaminer war auf dem Roten Sofa im Interview

Wenn Wladimir Kaminer spricht, lässt sich seine Herkunft leicht erraten. Sein breiter russischer Akzent ist inzwischen quasi eins seiner Markenzeichen geworden. Sein Herkunftsland ist auch zentrales Thema seines neuen Buchs "Goodbye, Moskau". Hier versucht Kaminer, sich durch viele Anekdoten des neuen Gesichts seiner alten sowjetischen Heimat anzunähern. Das geschieht, wie von Kaminer gewohnt, auf extrem pointierte Art und Weise. Eine Anekdote ist lustiger als die Andere. Die Grenze zwischen Realität und Erdachtem verschwimmt an mancher Stelle. Aber das ist genau das, was man von Erinnerungen an die Sowjetunion erwarten. Kaminer schafft es dabei nicht nur sich jagende Pointen zu schreiben. Nein, er ist sich auch nicht für poetische Passagen zu schade, die nicht selten zum Nachdenken anregen.

Fokus auf Russland im Jahr 2017

Wer jetzt nur Erzählungen einer romantisierten Sowjetvergangenheit erwartet, wird enttäuscht.  Kaminer  stellt in seinem Buch Themen wie Integration von Russen in Deutschland wie auch Darstellungen der aktuellen politischen Lage gekonnt dar. So beschreibt er den russischen Staat anhand eines alten  Sowjetischen-Panzers , der nur durch ein paar Tropfen Nationalismus wieder fahren kann. Oder er spielt auf den wild gewordenen Kapitalismus an, in dem er einen Ort, der durch den Einschlag eines Meteoriten gesegnet wurde, plötzlich zum Touristen-Hotspot wird. Und nicht zuletzt beschreibt er die Saunabesuche seiner russischen Mitbürger, die  ihnen  in Deutschland, trotz Differenzen, zur Integration halfen.

Es gibt noch viel zu erzählen

Wladimir Kaminer  berichtet von einer spannenden Zeit, den letzten 30 Jahren in seiner Heimat Russland. Den Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus, auch wenn er diesen vor allem aus Deutschland mitgekriegt hat. Man merkt schnell, es gibt noch einiges über diese Zeit zu erzählen. Und was er so zu erzählen hat, erfahren  sie  bei uns.

mephisto 97.6 Redakteur Janek Kronsteiner hat Wladimir Kaminer auf der Roten Couch zum Interview getroffen: 

mephisto 97.6 Redakteur Janek Kronsteiner im Gespräch mit Autor Wladimir Kaminer
 
 

Kommentieren

Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren, lebt seit 1990 in Deutschland. Er arbeitet als Autor und Kolumnist für diverse Zeitungen und betrieb kurzzeitig auch einen eigenen Club in Berlin. Bekannt ist er vor allem für sein Buch "Russendisko", das 2012 unter anderem mit Matthias Schweighöfer verfilmt wurde.