Kriminalität

Mehr Sexualdelikte angezeigt

Die Polizei Leipzig hat die Zahlen zur Kriminalstatistik für das Jahr 2017 veröffentlicht. Allgemein ist die Anzahl von Straftaten gesunken. Für Aufregung sorgte aber die deutliche Zunahme von angezeigten Sexualstraftaten.
Frau Gewalt
Sexualdelikte in Leipzig häufiger angezeigt

Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt Leipzig 115 Anzeigen wegen Vergewaltigung, Nötigung oder sexuellem Missbrauch zur Anzeige gebracht. 2016 waren es noch 29 gewesen. Im Landeskreis Leipzig sind die Anzeigen wegen der genannten Tatbestände von vier auf 21 gestiegen. Der kürzlich veröffentlichten Kriminalstatistik für Sachsen zufolge, sind die Anzeigen für den gesamten Freistaat allerdings rückläufig. Damit bewegen sich die Leipziger Zahlen gegen den Trend.

Zahlen nur bedingt vergleichbar

Allerdings zählen seit einer Gesetzesänderung im Herbst 2016 auch deutlich mehr Tatbestände als Sexualdelikt als zuvor. Dementsprechend sind die Zahlen von 2017 nur schwer mit denen des vorherigen Jahres zu vergleichen. Zum Beispiel gibt es jetzt den neuen Tatbestand "sexuelle Belästigung". Darunter fallen nun auch unerwünschte Umarmungen und unerwünschtes Berühren. Auch der Vergewaltigungsparagraf wurde reformiert. Der Grundsatz "Nein heißt Nein" wurde damit in das Sexualstrafrecht integriert. Mit der Gesetzesreform hatte die Bundesregierung damals auf die größer werdende Kritik an der damaligen Gesetzeslage reagiert. Dementsprechend sei es wenig verwunderlich, dass nun auch tatsächlich mehr Sexualdelikte registriert werden. Der Pressesprecher der Leipziger Polizeidirektion Uwe Voigt erklärt aber, die Polizei begrüße, dass:

durch die Gesetzesänderung uns ein besseres Handeln an die Hand gegeben worden ist. Und dementsprechend wir das umsetzen können und auch mehr Tatverdächtige ermitteln können und dann der Justiz halt diese Ermittlungsverfahren übergeben können.

Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig

Gesteigertes Bewusstsein für sexualisierte Gewalt

Außerdem sei eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema für die starke Zunahme verantwortlich, so Voigt. Demnach hätten Debatten wie #metoo dazu geführt, dass Frauen nun etwaige Straftaten häufiger zur Anzeige brachten.

Also nach unseren Recherchen (…) ist der starke Anstieg an Sexualstraftaten hauptsächlich auf die #metoo Debatte über Sexismus und Machtmissbrauch zurückzuführen. Frauen sind dadurch selbstbewusster geworden und brachten auf Anzeigen zu erstatten.

Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig

Auch Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Leipzig Konstanze Morgenroth sieht die Zahlen erstmal als positives Signal, dass Frauen ein Bewusstsein entwickelt hätten, dass diese Taten Unrecht sind und das man was dagegen machen kann.

Große Dunkelziffer der Delikte im sozialem Umfeld

Ein Großteil der 2017 angezeigten Fälle wurden im öffentlichen Raum begangen und nicht im privaten Umfeld. Allerdings habe das auch den Hintergrund, dass Opfer Freunde, Familie oder Bekannte seltener anzeigen. 

Ich denke auch im sozialem Umfeld der Frauen wird sich eine Veränderung einstellen. (...) Wobei es natürlich in dem Bereich ein riesiges Dunkelfeld gibt. Weil viele Opfer Scham haben, oder auch Angst, genau diese Taten von Familienangehörigen oder Bekannten anzuzeigen.

 

Konstanze Morgenroth, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Leipzig

Hoher Anteil der Tatverdächtigen "Nicht-Deutsche"

Für das Jahr 2017 weist die Kriminalstatistik für Leipzig außerdem aus, dass fast die Hälfte aller Sexualstraftaten Tatverdächtige von "Nicht-Deutschen" begangen worden sei, so Voigt. Allerdings ließe sich daraus nicht die Zunahme der angezeigten Sexualdelikte erklären.

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Ein Beitrag von Redakteurin Nicole Collignon
2803 Nicole
 

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