Regelstudienzeit

Mehr Sanktionsinstrument als Regel

Ursprünglich als rechtliche Garantie für die Studierenden gedacht, dass der Abschluss des Studiums in einer gewissen Zeit zu schaffen sei, scheint die Regelstudienzeit nun eher ein Saktionsinstrument zu sein.
Viele Studierenden schaffen es nicht, innerhalb der Regelstudienzeit zu bleiben

Laut aktuellen Untersuchungen des statistischen Bundesamtes schaffen 60% der Studenten ihren Abschluss nicht in Regelstudienzeit.

Reporterin Helena Schmitt über die Regelstudienzeit und warum sie so problematisch ist:

Reporterin Helena Schmitt über das Studium in Regelstudienzeit
0106 regelstudienzeit

Ist das verpflichtend, "Regelstudienzeit"?

Ursprünglich sollte die festgelegte Studienzeit den Studenten rechtlich garantieren, dass der Studiengang in der genannten Zeit zu studieren sei. In diesem Zeitraum muss es für den Studenten möglich sein, sein Studium abschließen zu können - in dem er Zugang zu den Seminaren oder Pflichtveranstaltungen bekommt.

Aus diesem Recht, einer Absicherung dür Studierende, wurde jedoch eine Pflicht.

Die Regelstudienzeit wird von den jeweiligen Studiengängen individuell festgelegt, jedoch gibt die Bologna-Reform einen grundsätzlichen Standard vor: Bachelorstudiengänge haben eine Regelstudienzeit von sechs Semestern, also drei Jahre. Insgesamt sind für Bachelor- und Masterstudium zehn Semester vorgesehen. Doch nicht nur der zeitliche Aspekt spielt bei der Bemessungsgrundlage der Regelstudienzeit eine Rolle, auch die Leistung pro Semester, die über Creditpoints bewertet wird.

Dieser grundsätzliche Standard ermöglicht beispielsweise Hochschulwechsel nach dem Bachelorabschluss oder die Vergleichbarkeit von Studiengängen.

Wer länger braucht, muss sich rechtfertigen

Inzwischen ist das Einhalten der Regelstudienzeit ein Qualitätskriterium für Leistung geworden. Braucht man deutlich länger für sein Studium, braucht man eine gute Begründung. Nicht nur hinsichtlich der fachlichen Bewertung, auch in Zusammenhang mit Studienförderungen wie BAföG, was an entsprechende Leistungsnachweise gekoppelt ist. Diese besziehen sich auf die in der Regelstudienzeit erreichten Creditpoints.

Wie die Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen, ist die Regelstudienzeit für den Großteil der Studenten unrealistisch.

Der fzs e.V., freier zusammenschluss von studentInnenschaften, kritisiert das.

Mit den aktuellen Zahlen kann von Regel keine Rede sein, wenn 60 % der Studierenden mehr als die offiziell ausgewiesene Regelstudienzeit brauchen.

Ben Seel, Mitglied im Vorstand des fsz

Da die Studienfinanzierung so eng an die Einhaltung der Regelstudienzeit gekoppelt ist, entstehe gegen Ende des Studiums bei vielen ein großes finanzielles Loch, so dass die Verbindung aus Regelstudienzeit und BAföG zum Studienabbruchprogramm werde. Studierende, die finanziell weniger gut aufgstellt sind, aufgrund unzureichender staatlicher Subvention arbeiten müssen oder Kindererziehung zu leisten haben, wären besonders hart betroffen. Damit begünstige die Regelsstudienzeit, so Seel, eine soziale Selektion im Studium.

Nicht nur hinsichtlich der Studienfinanzierung kann die Vorgabe durch Bologna zum Problem werden: Wenn Universitäten versuchen, sehr viel Stoff in kurzer zeit zu unterrichten, um die Semestervorgaben einhalten zu können, kann die Qualität der Lehre darunter leiden.

 

 

 

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Paula Kittelmann
01.06.2016 - 19:28