Stadtratswahl 2019

Was beschäftigt Wahlkreis 5?

Leipzig rühmt sich als Fahrradstadt, doch die Realität sieht oft anders aus. Im Leipziger Südwesten beschweren sich die Anwohnenden über mangelnde und kaputte Fahrradwege und fühlen sich von der Stadt vernachlässigt.
Stadtratswahl Leipzig 2019 - Wahlkreis 5
Stadtratswahl Leipzig 2019 - Wahlkreis 5

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Ein Beitrag von Emma Lübbert und Nele Rebmann
0103 Radwege

Fakt ist: Fahrradfahrer und -fahrerinnen leben statistisch gesehen länger, denn Rad fahren ist gesund. Außerdem schont es die Umwelt und hält die Luft rein. Aber beim Blick auf Leipzigs Straßen fehlt oft der Radstreifen. Auch im Gespräch mit Anwohnenden fällt auf, dass viele mit der aktuellen Situation unzufrieden sind. Im Angesicht der anstehenden Stadtratswahlen stellt der Radverkehr Leipzigs ein wichtiges Thema dar, denn Verbesserung soll her.

Mehr Sicherheit für Radfahrende

Sebastian Billhardt vom Plagwitzer Radshop Rotor Bikes kennt die Anliegen der Fahrradfahrer und -fahrerinnen. Auch wenn die existierenden Radwege oftmals in einem schlechten Zustand sind, wünscht er sich mehr Radwege, anstatt einer Verbesserung der bestehenden. Damit erhofft er sich mehr Sicherheit auf den Straßen für die Leute. Mit einem guten Rad komme man auch mit Schlaglöchern zurecht, so Billhardt.

Auch Martin Lohner, Vorstandsmitglied beim ADFC schätzt die aktuelle Lage in Leipzig als deutlich verbesserungswürdig ein. Vor allem die oftmals zugeparkten Radstreifen stellen ein Problem dar, sagt Lohner.

Es gibt den klassischen Verteilungskampf um die Fläche, ganz konkret Parkplatz gegen Radweg.

Martin Lohner, Vorstandsmitglied des ADFC

Die Entscheidung der Stadt falle hierbei immer öfter zugunsten der Autofahrer und -fahrerinnen aus. Beispiel hierfür sind die letzten Umbaumaßnahmen an der Käthe-Kollwitz-Straße im Zentrum West. Die Anwohnenden wollen ihre Parkplätze erhalten, folglich müssen Radfahrende und zu Fuß gehende sich eine Fläche teilen. Konflikte sind vorgeschrieben. Doch der ADFC sieht noch ein anderes Problem. Die bestehenden Fahrradwege werden oftmals durch Autos zugeparkt, die Fahrzeuge jedoch nicht abgeschleppt. Grund hierfür sei der damit verbundene Zeit- und Arbeitsaufwand, so Michael Jana vom Verkehrs- und Tiefbauamt Leipzig.

Außerdem würde es zu mehr Bahnausfällen kommen, wenn Abschleppfahrzeuge die Schienen blockieren. Die Links-Fraktion hat bereits einen Antrag im Stadtrat gestellt, in solchen Fällen härter durchzugreifen. Doch der Stadtrat sieht sich nicht in der Verantwortung und verweist auf das Ordnungsamt.

Problemstelle Plagwitz

Unabhängig davon, wer denn nun verantwortlich ist, stellen die blockierenden Autos eine Unfallquelle für Radfahrende dar. Das zeigt auch die Statistik der Stadt Leipzig. Pro Jahr sterben im Schnitt drei Radfahrende bei Verkehrsunfällen. In Plagwitz fallen zwei Stellen besonders auf. Im Bereich Felsenkeller kam es immer wieder zum gleichen Problem: Radfahrende gerieten mit ihren Rädern in die Schienen und stürzten. Die Stadt reagierte mit Umbauarbeiten an den Gleisen. Auf verschiedenen Schienenabschnitten füllte man die Rillen mit einem Spezialgummi, was das Hereinrutschen der Räder verhindern soll. Eine weitere Problemstelle ist die Kreuzung Karl-Heine/Gießerstraße. Aufgrund von Vorfahrtskonflikten kam es hier immer wieder zu Unfällen. Nun soll eine Ampel her. Problem gelöst? Nicht ganz.

Die mangelnden Radwege stellen trotz der Minimierung von Unfallquellen weiterhin eine Schwierigkeit dar. Michael Jana versteht die Anliegen der Radfahrenden.

Man könnte noch viel mehr für den Radverkehr tun. Die Frage ist, wie sich das insgesamt im Straßenraum einordnet.

Michael Jana, Amtsleiter Verkehrs- und Tiefbauamt

Es sei nicht immer leicht die Balance zwischen allen Verkehrsteilnehmenden zu halten.

Was die Zukunft bringt

Wie es mit den Radwegen weitergeht, wird die Stadtratswahl zeigen. Die Umsetzung der vom ADFC vorgelegten Pläne liegt in der Hand der Abgeordneten und der Leipziger Bevölkerung. Sebastian Billhardt von Rotor Bikes fasst es gut zusammen: 

So sagt die Stadt: "Wenn ihr mehr Fahrrad fahrt, bauen wir mehr Radwege."

Die Radfahrer sagen: "Baut ihr mehr Radwege, fahren wir mehr Fahrrad." Irgendeiner muss jetzt anfangen.

Sebastian Billhardt

 

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