Diabetesstudie

Mehr betroffen als bisher bekannt

Der Versorgungsatlas veröffentlichte gestern eine Studie, der zufolge im Osten Deutschlands mehr Menschen unter Diabetes Typ 2 leiden als im Westen. In Sachsen-Anhalt ist die Anzahl an Erkrankten am höchsten, gefolgt von Sachsen und Brandenburg.
Ein Foto von Cupcakes
Zu viel Zucker führt zu Diabetes Typ 2

In Ostdeutschland sind zwischen 1,85 und 2,65 Prozent mehr der Bevölkerung an Diabetes Typ 2 erkrankt als im westlichen Teil der Bundesrepublik. Dies geht aus der Studie von Benjamin Goffrier hervor. Sie wurde gestern bei Versorgungsatlas veröffentlicht.

In der gesamten Bundesrepublik stieg die Zahl der Erkrankten in den Jahren von 2009 bis 2015 um 0,9 Prozent. Laut dem Robert-Koch-Institut ist Diabetes Platz fünf der Volkskrankheiten. Dieser Anstieg ist zum größten Teil dem hohen Konsum von Fastfood zuzuschreiben. Goffrier nennt weitere mögliche Erklärung für den Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Besonders ein im Schnitt geringeres Einkommen, durchschnittlich höhere Arbeitslosigkeit und ein niedrigeres durchschnittliches Bildungsniveau gelten als Grund für eine höhere Gefährdung an Diabetes zu erkranken.

Die Studie

Datenbasis der Studie waren die anonymisierten Daten von 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten bundesweit. Diese stammen aus den Ärzteversorgungsdaten ab 2007 und deren Abrechnungsdaten gehen immer quartalsweise an die zuständigen kassenärztlichen Vereinigungen. Für Regionen war der Wohnort des Patienten entscheidend. Hier wurden die Kreisdaten mit Stand vom 31.12.2008 verwendet.

Aus der Studie geht hervor, das sowohl die Gefahr an Diabetes zu erkranken als auch die Zahl der tatsächlich erkrankten höher ist. Sachsen-Anhalt ist mit 12,38 Prozent Betroffenen das Bundesland mit der höchsten Zahl. Dicht darauf folgen Sachsen und Brandenburg. In beiden Ländern liegt die Anzahl der Betroffenen bei 12,02 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern sind 11,96 Prozent der Bevölkerung erkrankt. Thüringen hat im Vergleich zu den ostdeutschen Bundesländer die geringste Anzahl Betroffener, sie lautet 11,65 Prozent. In Leipzig liegt die Zahl der Erkrankten bei 11,70 Prozent.

Was ist Diabetes mellitus Typ 2?

Der Typ 2 ist auch bekannt als Altersdiabetes. Allerdings tritt er in den letzten Jahren nicht mehr nur bei Über-65-Jährigen auf sondern auch vermehrt bei jüngeren Leuten.

Diabetes mellitus bedeutet allgemein "honigsüßer Durchfluss". Denn der ausgeschiedene Urin schmeckt bei Betroffenen süßlich. Das liegt daran, dass unser Blut in der Niere gefiltert wird. Bei Erkrankten ist dort zu viel Zucker - zum Teil wird mehr als 200 Milligramm pro Deziliter ausgeschieden und da die Niere überflüssige Stoffe ausscheidet ist der Urin süß.

Also ist Diabetes Typ 2 eine Zuckererkrankung. Das Problem bei dieser Krankheit ist, dass die Bauchspeicheldrüse schnell aufgibt Insulin zu produzieren. Gleichzeitig entwickelt man aber auch eine Insulin Resistenz. Diabetes Typ 2 tritt auf, wenn man über viele Jahre hinweg und vom Kindesalter an zu viele Süßigkeiten gegessen hat. Essen wir zu viel wird Zucker zu fett und setzt an und wird zum Teil in der Leber gespeichert. Da die Bauchspeicheldrüse, der Insulinproduzent, nur eine begrenzte Funktionsdauer hat wird sie durch zu hohen Zuckerkonsum überlastet. Ist sie irgendwann erschöpft gelangt zu viel Zucker nach dem Essen ins Blut. Man bekommt Diabetes. Allerdings wird nur Glukose durch Insulin gespalten um in den Zellen von Muskeln und Gehirn aufgenommen zu werden.

Was kann man tun?

Wichtig ist es, auf ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung zu achten. Denn die aufgenommenen Kalorien werden durch Bewegung verbraucht. Die Menge an Kalorien und die körperliche Bewegung müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Der Mensch ist darauf ausgelegt, mit einem Minimum an Kalorien auszukommen. Gibt es viel zu essen wird für Mangelzeiten angelegt. Jetzt hat sich die Situation größtenteils umgekehrt. Vor circa hundert Jahren liefen die Menschen um die 17 Kilometer pro Tag, heute nur noch knapp 700 Meter. Zusätzlich gibt es jetzt meistens mehr zu Essen.

Beginnt man in einem frühen Stadium der Erkrankung abzunehmen und seine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten umzustellen so kann sich ein*e Diabetiker*in "heilen". Denn die Bauchspeicheldrüse bleibt dennoch fragil.

mephisto 97.6 Redakteur Jonas Junack hat sich mit Benjamin Goffrier und Karsten Müssig unterhalten:

mephisto 97.6 Redakteur Jonas Junack mit einem Beitrag zur Diabetesstudie.
 
 

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Svenja Tschirner
24.02.2017 - 18:21

Der Artikel der Augsburger Allgemeinen Zeitung mit mehr Informationen zu diesem Thema.