Albenrezension: Dream Wife

Mehr als mein Körper

Zwei Britinnen, eine Isländerin und elf knallige Rocksongs: Dream Wife verzaubern mit ihrem Debüt.
Dream Wife
Das isländisch-britische Trio begeistert mit seinem gleichnamigen Debütalbum.

Die Frau als perfektes Accessoire - so wird das weibliche Geschlecht im Film „Dream Wife“ dargestellt. In der Komödie von 1953 tauscht der Protagonist Clem eine Partnerin gegen die nächste auf der Suche nach der vermeintlichen Traumfrau. Seine „Dream Wife“ soll süß und häuslich sein, aber vor allem immer schön machen, was er sagt.

Die Band Dream Wife trägt zwar denselben Namen wie der Film, repräsentiert sonst aber ein gänzlich anderes Frauenbild. Küche, kehren, Kinderkriegen - den drei Bandmitgliedern von Dream Wife könnte nichts mehr egal sein. Rakel Mjöll, Bella Popadec und Alice Go haben mit dem Heimchen am Herd denkbar wenig zu tun. Das altbackene Traumfrauen-Image wollen sie auf den Kopf stellen. Eine Traumfrau, was ist das schon? Eine perfekte Ergänzung zum Traumhaus und Traumauto? Wohl kaum. Feministisch, sexy und selbstbestimmt trifft es da schon eher. Genau diese Einstellung lebt das Trio auch auf seinem Debütalbum aus.

Gute Laune, starke Botschaft

Dream Wifes Rock ist poppig bis punkig und macht Spaß. „Hey Heartbreaker“ ist ein energiegeladener Gute-Laune-Track, der Lust auf Live-Shows der Band macht. „F.U.U.“ ist rotziger und zeichnet sich durch peitschende Gitarrenriffs aus. Neben prominenten E-Gitarren ist der Gesang von Rakel Mjölls Gesang ausschlaggebend für den Sound der Platte. Statt sanften Popgesangs kreischt sie fast ins Mikrofon. Mit ihrer energischen Haltung wenden sich Dream Wife besonders an junge Frauen. Die wollen sie zu Solidarität untereinander und mehr Selbstbewusstsein aufrufen. Sie verbreiten ihre feministische Botschaft ohne anzuklagen. Dadurch verfallen sie in keinen „Ich-weiß-es-besser-als-ihr“-Tonus. Dadurch sprechen sie auch Hörer an, die von den Themen nicht direkt betroffen sind. Von Objektifizierung zum Beispiel. 

I am not my body, I am somebody.

Das singt Mjöll in „Somebody“ und stellt damit ein klares Statement auf. Sie ist mehr als ihr Körper, mehr als ein Lustobjekt. Im Song verwendet sie verletzende Kommentare, die Opfer von sexuellen Übergriffen immer wieder hören. Zum Beispiel: „Was hast du erwartet, bei dem was du anhattest?“

Unreduzierte Weiblichkeit

Mit 34 Minuten Spieldauer ist „Dream Wife“ ein kurzweiliges Album. An Anfang und Ende knallen und knarzen E-Gitarren und Schlagzeug eindringlich drauf los. In der Mitte hingegen geht es ruhiger zu. In Songs wie „Spend The Night“ oder „Love Without Reason“ zeigt sich Mjöll plötzlich von einer ganz anderen Seite.

Sie zeigt sich als unsicheres, verliebtes Mädchen. Und genau da wird es spannend. Der Kontrast zeigt: Frauen eben nicht ausschließlich süßes Püppchen oder toughe Powerfrau sein müssen. Nicht nur die Texte, sondern auch der Sound des Trios macht beide Seiten deutlich. Zwischen den wuchtigen Songs an Anfang und Ende des Albums liegt ein weicher Kern. So wie starke Frauen eine verletzliche Seite haben dürfen. Damit setzen sich Dream Wife gegen falsch verstandenen Feminismus ein. Dazu gehört auch die Annahme, Feministin ist erst, wer sich nicht schminkt, nicht rasiert und ein „GRL PWR“ Tattoo trägt.

​Geiler Sound mit Nachdruck

Dream Wife erinnern stark an Kolleginnen wie Honeyblood oder Mise En Scene. Was die Frage aufwirft, ob das, was sie da machen innovativ ist. Die Antwort: nein. Dream Wife erfinden weder das Rock-Rad neu, noch verbreiten sie eine nie da gewesene Botschaft. Sie sind auch nicht die Schöpferinnen der Riot Grrrl-Attitüde. Eine Bühne verdienen sie trotzdem. Ihre coole Haltung und ihr dynamischer Sound währen auch fesselnd, wenn sie sich mit belanglosen Themen beschäftigen würden. Ihr Aufruf zu Selbstbestimmtheit und Gleichberechtigung macht Dream Wife nur noch verführerischer.

Die Rezension zum Nachhören gibt's hier:

Dream Wife mit ihrem gleichnamigen Debütalbum - eine Rezension von Ariane Seidl.
 

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Ariane Seidl
06.02.2018 - 11:07
  Kultur

Dream Wife: Dream Wife

Tracklist:

*Anspieltipps

1. Let's Make Out
2. Somebody*
3. Fire
4. Hey Heartbreaker*
5. Love Without Reason
6. Kids*
7. Taste
8. Act My Age
9. Right Now
10. Spend The Night
​11. F.U.U. (feat. Fever Dream)*

Erscheinungsdatum: 26.01.2018
Lucky Number Music

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Dream Wife auf Tour:

​09.03.2018 - Berlin, Badehaus Szimpla
14.03.2018 - Hamburg, Molotow SkyBar
​15.03.2018 - Köln, Blue Shell