Medizin

Medikamentenplan als App

Wenn man vom Arzt Medikamente verschrieben bekommt, kann es schnell unübersichtlich werden. Was die Universitätsklinik dagegen tun möchte erzählte Dr. Roberto Frontini unserer Redakteurin Peggy Fischer.
Tabletten
„Patientenzentriertes eMedikationsmanagement als Add-On zum Medikationsplan“ - so heißt das neue Projekt der Universitätsklinik

mephisto 97.6 fragt: Patientenzentriertes eMedikationskonzept ist ja schon ein ziemlich sperriger Begriff. Was genau verbirgt sich jetzt dahinter?

Dr. Roberto Frontini: Sinn von diesem Projekt ist, dass der Patient ein Medikament bekommt und nicht nur der Arzt oder Apotheker von diesem Medikament Bescheid weiß, sondern dass auch der Patient gut informiert ist. Dadurch wird die Therapie viel besser, denn ein informierter Patient versteht, warum er diese Medikation bekommt. Er ist viel motivierter die Medikamente korrekt anzuwenden. Wenn Nebenwirkungen entstehen, ist er auch bereit diese mitzuteilen. Das ist ein Problem was wir sehr oft haben, weil sie nicht informiert sind, dass das unter Umständen normal und auch behandelbar war. Würden Patienten das offener mit einem Arzt oder Apotheker besprechen hätten sie viel bessere Ergebnisse.

Gibt es noch weitere so häufige Probleme, die Sie versuchen mit diesem Projekt zu lösen?

Ja, das Problem der Kommunikation zwischen Krankenhaus und ambulantem Bereich. Mit dem Medikationsplan, einer Liste von Medikamenten ist die Kommunikation auch noch nicht optimal. Sie hat Lücken und ist noch nicht sicher. Was in diesem Projekt versucht werden soll, ist zu sehen wie wir diese Kommunikation elektronisch umfangreicher gestalten können.

Wie genau kann da denn ein Fehler passieren?

Stellen Sie sich mal vor, der Patient kommt mit einem Medikament ins Krankenhaus. Das Krankenhaus ist verpflichtet den Patienten mit diesem Medikament zu versorgen. Aber Krankenhäuser haben limitierte Möglichkeiten der Medikamente. Das heißt sie machen sehr oft eine sogenannte Substitution. Sie geben Arzneien von einer anderen Firma. Da können schon einige Fehler passieren. Dann wird die Medikation für die akute Situation geändert. Wird der Patient entlassen, muss die Medikation wieder geändert werden zu dem, was er vorher hatte. Die Wirklichkeit ist, dass die akute Medikation sehr oft weiter verschrieben wird. Wir sehen Patienten, die dann Jahre lang diese Medikamente nehmen. Dann gibt’s natürlich Übertragungsfehler, wenn die Patienten mit Informationen reinkommen, die ambivalent sind und nicht vollständig. Ein typisches Beispiel, das haben wir auch öfters erlebt: Der Patient kommt rein und wird bei uns mit einem äquivalenten Medikament behandelt, wird entlassen und bekommt die ursprüngliche Medikation und unsere dazu. Das nennt man dann doppelte Medikation.

Wie kann ich mir das Endprodukt aus diesem Projekt vorstellen?

Das ist noch ein bisschen offen. Die Richtung ist tatsächlich sowas wie eine App, wo der Patient die Information aus seinem Medikationsplan bekommen kann, durch scannen oder einloggen. Das ist, glaube ich der entscheidende Punkt. Wir gehen in Richtung Digitalisierung, in die Richtung, die eigentlich jetzt auch unterstützt wird – elektronische Patientenakte, elektronische Patientenkarte.

Sie haben ja jetzt gesagt, dass es den Patienten helfen wird. Wird es denn auch den Mitarbeitern helfen?

Ja, sicher, weil dieser Papierkram, den wir im Moment haben auch eine große Belastung für unser Personal ist. Und wenn das System auch elektronisch funktioniert, sind wir auch schneller.

Hier können Sie das Interview mit Dr. Roberto Frontini nachhören:

mephisto 97.6 Redakteurin Peggy Fischer im Gespräch mit Dr. Roberto Frontini.
2209 eMMA
 

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