Kommentar

MDR Sputnik kürzt Nachrichten

Der Jugendsender MDR Sputnik hat sich entschlossen, seine Nachrichten zu kürzen – und sendet nur noch ausgewählte, übernommene Infos. Da freut sich die Filterblase. Ein Kommentar von mephisto 97.6 Redakteurin Nele Schröder.
Aufnahmestudio mit Microphon und Kopfhörern
Bei Sputnik gibt es tagsüber keine eigenproduzierten Nachrichten mehr.

Wie feiert man ein Jubiläum?

Der Jugendsender MDR Sputnik hat sich zu seinem 25-jährigen Bestehen dazu entschieden, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen: Der Sender streicht einen Großteil seiner Nachrichten. Kein Witz. Ab heute wird Sputnik nur noch zwischen halb sechs und neun Uhr morgens eigenproduzierte Nachrichten senden. Den Rest des Tages und am Wochenende laufen dann keine eigenen Nachrichten mehr. Herzlichen Glückwunsch!

Ein bisschen zum Hintergrund: MDR Sputnik nennt sich selbst „multimediales Radioprogramm für Menschen zwischen 14 und 29 Jahren.“ Kurz gesagt: Ein Sender für junge Leute.

Im Programm stehen bis dato Morgensendungen, Wochenend- und Nachmittagsprogramme und eben Nachrichtenmagazine. Diese Programme werden von Musik unterstützt, außerdem ist der Sender auf diversen Social-Media-Kanälen aktiv.

Nachrichtenkürzung als Sparmaßnahme

Bisher hat Sputnik den ganzen Tag über zwei Mal die Stunde Nachrichten gesendet. Seit dem 17. Dezember 2018 werden tagsüber nur noch ausgewählte Nachrichten von MDR aktuell übernommen.

Der einfachste Grund für diese Kürzung ist naheliegend – Geld. Schließlich ist es laut dem MDR Geschäftsbericht von 2017 weitaus günstiger, Musik zu senden. Diesem Bericht zufolge kostet eine Minute Musik sechs Euro und eine Wortminute 88 Euro.

Da ist es natürlich billiger, dem jungen Publikum den Zugang zu Informationen zu verwehren und sie stattdessen mit modernem Charts-Gedudel zu beschallen. Entspannter ist das natürlich auch – Füße hochlegen anstelle von Faktenchecks und Recherchen.

Dem MDR zufolge sollen fünf Mitarbeitende von der Kürzung betroffen sein. Ein Spareffekt ergibt sich dadurch jedoch nicht, denn diese werden wohl einfach in anderen Ressorts des MDR eingesetzt.

Was das für den Sender bedeuten wird, ist bisher unklar. Kommentare auf Social Media-Plattformen geben jedoch einen Einblick in die Reaktionen der Menschen:

Ich hätte einen weitaus effizienteren und weniger blamablen Einsparungsvorschlag an den MDR: Sputnik endlich komplett abschalten.

Kommentar auf dem Dresdener Blog "Flurfunk"

Sputnik selbst hat bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben, auch auf der offiziellen Website des Senders findet sich nichts dazu.

Der MDR äußerte sich aber in einem verschachtelten PR-Statement gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung:

Im Sinne einer zielgenauen Ansprache der Nutzerinnen und Nutzer verstärken wir hintergründige Inhalte und Einschätzungen im Programm, um unserem Publikum Orientierung zu geben und einzuordnen, was politische und gesellschaftliche Ereignisse für das eigene Leben bedeuten.

PR-Statement des Senders MDR Sputnik

Zusammengefasst bedeutet das: Das Nutzungsverhalten der Zielgruppe hat sich verändert und Sputnik will mehr Hintergrundinformationen liefern. Aber, Hintergrundinformationen dienen ja dazu, Nachrichten aufzuarbeiten. Wenn aber gar keine Nachrichten gesendet werden… Na, Ihr seht schon das Dilemma.

Wilkommen in der Filterblase

Statt vollwertiger Nachrichten zur vollen Stunde bietet MDR Sputnik seinen Zuhörenden nach der Morgenshow nur noch ein stündliches Wetter- und Verkehrs-Update, gespickt mit ein paar wenigen ausgewählten Informationen.

Also so ganz nach dem Motto: In der Welt ist ja ohnehin nichts los, da muss man sich auch nicht mit befassen. Solange man weiß, ob es morgen regnet oder nicht, ist doch alles in bester Ordnung. Was Sputnik-Hörenden mit Informationsdurst bleibt, ist die Morgenshow oder ein geplanter externer Podcast auf der Website des Senders.

„Alles was heute wichtig ist“, der bisherige Slogan der Nachrichten, bekommt da eine ganz neue Bedeutung. Alles, was heute wichtig ist, ist Regen oder kein Regen, Stau oder kein Stau. Und die neue Single von Ed Sheeran. Da freut sich die Filterblase.

Den Kommentar zum Nachhören findet ihr hier:

Ein Kommentar von Nele Schröder.
1912_Nachrichten_Sputnik_Kommentar
 

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