Uraufführung

Make the Zauberland great again!

Er will das Zauberland wieder groß machen! Mit fescher Frisur und lebendigen Holzsoldaten zieht der schlaue Urfin aus, um Alexander Wolkows bekanntes Fantasiereich zu erobern.
Der schlaue Urfin (samt schicker Frisur) gebärt sich als totalitärer Eroberer des Zauberlands.
Der schlaue Urfin (samt schicker Frisur) gebärt sich als totalitärer Eroberer des Zauberlands.

Viele kennen sie noch – die charakteristisch grüne Buchreihe von dem sowjetischen Schriftsteller Alexander Wolkow. Für die Zugezogenen und Nicht-Ex-DDR-Bürger sei kurz erklärt: „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ ist schlicht der Zauberer von Oz. Wolkow hat das berühmte Kinderbuch des amerikanischen Autors Lyman Frank Baum nacherzählt und nur Kleinigkeiten geändert. Seine große Leistung sind aber seine gelungenen Fortsetzungen, die zusammen mit dem ersten Teil der Reihe in keinem Kinderzimmer der DDR nie fehlen durften. Jetzt hat sich das Schauspiel Leipzig nach dem „Zauberer“ im vergangenen Jahr dem nächsten Teil der Reihe gewidmet. „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“ setzt ein, nachdem das Mädchen Elli zusammen mit der Vogelscheuche Scheuch, dem eisernen Holzfäller und dem furchtsamen Löwen die Hexe Gingema besiegt hat. Der Tischler Urfin – bisher in Diensten der Hexe – ist arbeitslos und verbittert. Dann weist ihn die Eule Guamokolatokint (sagen Sie das dreimal schnell hintereinander!) auf ein Zauberkraut hin, dass Dinge lebendig werden lässt. Und schneller als man Guamoko-dings sagen kann, fällt der schlaue und herrschsüchtige Urfin mit einer Armee aus Holzsoldaten und einer schicken Frisur über das Zauberland her.

Das Schauspiel lässt es krachen

Nach dem großen Erfolg des „Zauberers“ und der großen Bekanntheit der Buchreihe waren die Erwartungen an das Schauspiel Leipzig groß. Und das hat mit seinem neuen Prestigestück nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die Kostüme künden von vielen, vielen Stunden Arbeit und versetzen zusammen mit einem gelungenen Bühnenbild direkt in die zauberhaft-schrille Welt, wie man sie schon aus den Oz-Verfilmungen kennt. Es kracht und blitzt, Projektionen fehlen ebenso wenig wie Live-Musik. Umso schöner, dass das Schauspiel bei den Darstellern neben bekannten Hausgrößen auch auf Studenten der Hochschule für Musik und Theater setzt. Eule Gua – na Sie wissen schon – düst auf einem Hoverboard über die Bühne, zu den witzigen Bühnentexten kommen fetzige Lieder mit leichtem 70er Touch.

Besonders die bunt-schrillen Kostüme machen das Stück zu einem Erlebnis.
Besonders die bunt-schrillen Kostüme machen das Stück zu einem Erlebnis.

Als Regisseur hatte sich das Schauspiel Stephan Beer gesichert. Der gilt als Experte für die Bühnenumsetzungen von Märchen- und Kinderbüchern. Und mit dem schlauen Urfin ist er wieder seinem Ruf gerecht geworden. Das Stück ist stimmig, die Texte von Dramaturg Matthias Huber gewitzt und schaffen es Kinder und Erwachsene gleichermaßen zum Lachen zu bringen. Einzig das große Gesangsfinale setzt einen Fuß über die Schnulzengrenze.

Totalitäres Allerlei

Natürlich steckt in all dem Zauber und Witz auch eine ernste Botschaft. Urfin und seine im Stechschritt marschierenden Holzsoldaten lassen viele Assoziationen zu. Von der nationalsozialistischen Diktatur über den Überwachungsstaat der DDR, bis hin zum vielköpfigen Protest mit Flugblättern. Urfin selbst tritt dabei nicht als Militärdiktator auf, sondern schwingt politische Reden. Spricht in bester Trump-Manier davon, das Zauberland „zu alter Größe zurückzuführen“. Aktualität? Check! Gleichzeitig bleibt das Stück spannend und artet nicht in eine langweilige Geschichtsstunde aus. Jung und Alt haben Spaß bis zur letzten Sekunde.  

Die Holzsoldaten sorgen für militärisch-zackige Klänge. Nur sind sie dumm wie...Holz.
Die Holzsoldaten sorgen für militärisch-zackige Klänge. Nur sind sie dumm wie...Holz.

Das neue Prestigestück des Leipziger Schauspiels wird also allen Erwartungen gerecht. Allein die Kostüme rechtfertigen den Eintritt, und Witz und Zauber des Stückes erreichen Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Das Ganze ist also kein Schauspiel, das Eltern ihren Kindern zuliebe geduldig über sich ergehen lassen, sondern ein echtes Erlebnis für alle Altersklassen.

Den gesamten Beitrag zum Nachhören finden Sie hier:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Dennis Blatt
2811_SG_Urfin
 

Kommentare

Kommentieren

Schauspiel Leipzig

Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten

(ab 6 Jahren)

nach Alexander Wolkow

inszeniert von Stephan Beer, für die Bühne bearbeitet von Stephan Beer und Georg Burger

 

Weitere Aufführungstermine finden Sie auf der Internetseite des Schauspiels Leipzig.