CD der Woche

Macht euch schon mal heiße Gedanken

Die texanische Band „Spoon“ ist seit 1993 unterwegs. Bis heute lässt sie sich kaum in eine Schublade einordnen. Mit dem neuen Album „Hot Thoughts“ geben sie sich vielseitiger als je zuvor.
Spoon

Die Musik von „Spoon“ ließ sich schon immer schwer in Worte fassen. Der Sammelbegriff Indierock entspricht zwar ihrer unabhängigen Herangehensweise, passt aber kaum zu ihrem Stil. Nach „Strokes“ oder „Arctic Monkeys“ klingen die Texaner eher nicht. Auch als Art-Rock werden sie in der Presse gerne bezeichnet. Kunst steckt auf jeden Fall in dem was „Spoon“ machen. Ihre Musik ist aber keinesfalls verkopft und unzugänglich, sondern oft poppig und melodieverliebt. Mit Songs wie „The Way We Get By“ schafften sie es immerhin auch auf die Soundtracks von US-Serien wie „O.C. California“. Das Label Art-Rock blieb also nicht haften, weil „Spoon“ eine besonders prätentiöse Band sei. Ihre Musik klingt vielleicht deshalb nach Kunst, weil sie wie wenige andere gegenwärtige Rockbands um Perfektion bemüht sind. Andere Indie-Bands setzen auf Authentizität und Lo-Fi-Sound, um sich vom Pop-Mainstream abzusetzen. Spoon hingegen setzen auf einen vollen Klang, bei dem jedes noch so kleine Detail durchgeplant ist. Auf dem neuen Album „Hot Thoughts“ treiben sie diesen Ansatz noch weiter als bisher. Schon der Opener und Titeltrack sind vollgepackt mit verschiedensten Instrumenten und unerwarteten Umbrüchen.

 

Hier zeigt sich auch eine weitere Stärke der Amerikaner: „Spoon“ verstehen es wie wenige andere Bands, Rockinstrumente und Elektronik miteinander verschmelzen zu lassen. Keyboards und Synthesizer stehen wie selbstverständlich neben verzerrten Gitarren und trockenem Schlagzeug. Was bei anderen Bands oft kitschig und überproduziert klingt, wirkt bei „Spoon“ wie ein essenzieller Teil des Ganzen. Mit Produktion kennt sich die Band bestens aus. Drummer Jim Eno produzierte schon viel gefeierte Alben anderer Bands. So beispielsweise das Debüt von „Polica“. Auch bei „Spoon“ macht seine Produktion aus ansonsten simplen Popsongs komplexe Stücke, bei denen sich viele Details erst später erschließen. „Do I have to talk you into it“ beispielsweise, würde ohne die elektronischen Elemente auch als ein alter Rolling-Stones Song durchgehen.

Bunte Stilmischung

Vielseitigkeit ist eine weitere Stärke von „Spoon“ im Allgemeinen, bei „Hot Thoughts“ im Speziellen. Auf einen einzigen Stil will sich die Band nicht festlegen. Im Titeltrack erinnern die flirrenden Gitarren an die deutsche Krautrock-Gruppe Can. Nach deren Song „Spoon“ haben sich die Texaner außerdem benannt. Der Song „Shotgun“ dagegen wirkt wie die Rock-Version eines 70er-Disko-Songs. Zur Vielseitigkeit trägt auch die Stimme von Sänger Britt Daniel bei. Diese ist mal rau und verrucht, mal total sanft. Damit trägt er sogar eine Funknummer, wie „Can I sit next to you“.

Fazit

Ein Album wie „Hot Thoughts“ kann nur von einer Gruppe extrem erfahrener Musiker produziert werden. „Spoon“ machen schon seit 1993 gemeinsam Musik und haben sich über neun Alben hinweg zu großartigen Songschreibern und raffinierten Sound-Tüftlern entwickelt. Songideen, die für andere Bands experimentell wären, sind bei Spoon perfekt kalkulierte Strategie. „Hot Thoughts“ klingt gleichermaßen groß und intim, verspielt und routiniert. Während andere Indiebands in ihrer Garage vergammeln und „Radiohead“ nur noch Balladen aufnehmen, ist „Spoon“ mit „Hot Thoughts“ ein seltenes Kunststück gelungen: Komplexe Rock-Musik, die trotzdem Spaß macht.

 

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Martin Pfingstl
20.03.2017 - 14:57
  Kultur

Spoon: Hot Thoughts

Tracklist:

1.            "Hot Thoughts" *

2.            "WhisperI'lllistentohearit"

3.            "Do I Have to Talk You Into It"

4.            "First Caress" *

5.            "Pink Up"

6.            "Can I Sit Next to You" *

7.            "I Ain't the One"

8.            "Tear It Down"

9.            "Shotgun" *

10.          "Us"     

Erscheinungsdatum: 17.03.2017
Matador/beggars Group (Indigo)