Frisch Gepresst: Kummer

Macht er Rap wieder weich?

Mit „Kiox“ veröffentlicht Kraftklub Sänger Felix Brummer alias „Kummer“ sein erstes Soloprojekt. Darauf zeigt er sich gewohnt gesellschaftskritisch, aber auch von einer verletzlichen Seite.
Kummer, Kiox
Kummer, Kiox

Ein Plattenladen, der nur ein Album verkauft - das gibt es nicht häufig. Doch genau so ein Laden hat am Wochenende in Chemnitz eröffnet. Als Promo Aktion zum Album „KIOX“ entstand der gleichnamige Pop Up Store. Jetzt ist der Laden schon wieder geschlossen, die angereisten Kraftklub Fans haben Chemnitz verlassen. Aber Felix bleibt und versucht seiner Stadt wieder auf die Beine zu helfen.

Wenn aus dem Loch ein Leck wird 

Chemnitz, das ist der zentrale Ort des Albums - die Heimatstadt des 30-jährigen, die Stadt, aus der er nicht wegkommt, aber auch gar nicht wegwill. Wie so oft in seinen Texten ist die Stadt auch in Kummers Soloprojekt immer wieder Thema. In seinem Song „9010“, der schon vorher als Single veröffentlicht wurde, spricht er von rechter Gewalt in Chemnitz. Davon, dass diese schon seit seiner Kindheit da war, nicht erst seit ein paar Jahren. Der rechte Schläger aus seiner Kindheit taucht in „9010“ wieder auf, jetzt allerdings deutlich heruntergekommen. Aber Kummer verspürt statt Schadenfreude nur Mitleid. Die rechte Gewalt von früher ist nämlich immer noch da, nur ist sie heute präsenter als damals noch. Dass die Probleme in Chemnitz nicht unbeachtet bleiben dürfen, daran will Kummer erinnern, immer wieder. Das tut er auch in „KIOX“, und zwar mit viel Nachdruck. Im Titel „Schiff“ vergleicht er die Stadt mit eben diesem.

Rostbraune Flecken an den Wänden unter Deck
Und wenn man das jahrzehntelang so lässt
Dann geht das später nicht mehr von alleine weg
Irgendwann wird ein Loch zum Leck 

Kummer, in "Schiff" 

Nicht mehr wie früher 

Generell geht der 30-Jährige auf seinem Soloalbum ruhiger an die Dinge heran, als man es von ihm gewohnt ist. Die so oft ironischen Texte der Kraftklub Songs sind vielen Ernsteren gewichen. „KIOX“ ist nicht so leicht zu verarbeiten, Felix sagt einem seine Meinung direkt ins Gesicht. „Ich mach Rap wieder weich, ich mach Rap wieder traurig“, dieses Ziel setzt er sich in „Nicht die Musik“, dem Opener des Albums. Und das erreicht er auf „KIOX“ auch. Unter anderem mit einem überraschenden Feature. Im Song „Der Rest meines Lebens“ kollaboriert er mit dem Lieblingssänger seiner Mutter: Max Raabe. In dem gemeinsamen Titel singen die beiden über’s Älterwerden und das Einsetzen von Spießigkeit. Es gibt einen starken Bruch zwischen Felix Rap und Max Raabes weichem Gesang. Das irritiert beim ersten Hören etwas, trotzdem fügen sich beide Stimmen wunderbar ins Konzept des Songs.

Auch mal anders 

„KIOX“ besteht aber nicht nur aus solchen schweren Liedern. In „Wie viel ist dein Outfit wert“, kritisiert Kummer nicht nur, er macht sich fast schon lächerlich. Grund dafür: Der heutige Fashion-Wahnsinn – wer nicht Designer trägt, wird nicht akzeptiert. Der Song ist ein Ohrwurm, vor allem weil Kummer den einzeiligen Refrain mehrmals wiederholt. Diese Wortwiederholungen lassen sich auch in einigen anderen Titeln finden, wie zum Beispiel in „26“ oder „Aber nein“. Bei solchen Liedern, die musikalisch eher reduziert erscheinen, wird die Aufmerksamkeit noch mehr auf den Text gezogen. Allerdings wirken diese Songs dadurch auch schnell etwas langweilig oder nicht bis zum Ende durchdacht.

Fazit 

Felix Brummer ist wortgewandt, das ist keine Frage. Musikalisch kommt er aber nicht ganz an das heran, was man von ihm mit Kraftklub gewohnt ist. Aber das muss vielleicht auch nicht sein, schließlich ist Kummer ganz allein Felix. Lässt man sich darauf ein, findet man ein diverses Album voller Gesellschaftskritik, schweren Texten aber auch fast lustigen Liedern, die im Ohr bleiben.

 

 

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Kummer: KIOX

Tracklist:
  1. Nicht die Musik 
  2. 9010*
  3. Bei dir*
  4. Schiff*
  5. Der Rest meines Lebens 
  6. 26
  7. Es tut wieder weh 
  8. Wie viel ist dein Outfit wert
  9. Aber nein 
  10. Alle Jahre wieder
  11. Okay 
  12. Ganz genau jetzt

*Anspieltipps 

Erscheinungsdatum: 10.10.2019
KUMMER & EKLAT TONTRÄGER