Albumrezension:The Prodigy - No Tourists

London bleibt dreckig

The Prodigys siebtes Studio-Album nennt sich "No Tourists". Wendet sich die Band damit gegen Berghain und Tommorowland, die von Touris dominiert werden? Man könnte meinen, The Prodigy will zurück in die Keller der 90er. Doch der Schein trügt.
Teh Prodigy - Gucken gerne wütend
Teh Prodigy - Gucken gerne wütend

Vielleicht gehen Touristen der Band The Prodigy einfach nur auf die Nerven. Die Londoner taufen ihr neues Album „No Tourist“ und veröffentlichen gleichzeitig mit der Single "Need Some1" eine Single, die sich mit einem Sample als Hook genügt. Das klingt verdächtig nach The Prodigy der 90er. Selbst das Video erinnert an das Absturzvideo vom Klassiker "Smack my Bitch up" (Siehe Unten). Versuchen The Prodigy also ihren alten Sound wieder zu finden? Mit Nichten.

Beats neu zusammengesteckt

Die meisten anderen Songs klingen ähnlich der neuer Alben Invaders Must Die und Nasty. Gerade die zweite Single "Light Up the Sky" klingt von der Beatstruktur ähnlich der Songs auf der letzten Platte. Die meisten anderen Songs sind innovativer. Mal gibt es einen durchgehenden Grummelbass, mal gepitchte Stimmen. Alles Soundelemente, die unverkennbar nach The Prodigy klingen. Auf No Tourtists sind sie aber so elegant arrangiert, dass kein Song dem anderen gleicht.

Drums machen den Unterschied

Durch Break Beats animiert No Tourists bewusst zum Zucken und Tanzen. Die Beats bleiben abwechslungsreich, da unglaublich viele dynamische Drum-Strukturen aufeinanderfolgen. The Prodigy lassen die Drummachine meist im Schrank, ein Mensch muss die Drums einspielen. Daher klingen viele Beats herrlich unsauber.

Auf der zweiten Hälfte des Albums wagt The Prodigy mehr. Neben der Trap-Parodie Boom Boom Tap, ist eine Kollaboration mit dem amerikanischen Rap-Kollektiv Ho99o9 zu hören. Im Song "Fight fire with Fire" kocht die Wut über und sprudelt aus jeder einzelnen Note heraus. Die Kollaboration ist definitiv ein Highlight des Albums.

DJ im Scheinwerferlicht

Das Gesicht von Keith Flint ist auch gleichzeitig das Gesicht von The Prodigy. Mir übergroßem Septum, buntem Haarkranz und irrem Blick ist er in den meisten Musikvideos der Band im Fokus. Auch viele Songs erhalten durch seine Lyrics eine Hook. Auf No Tourist rücken Flint und sein MC-Kollege Maxim aus dem Scheinwerferlicht und lassen DJ Liam Howlett die wohlverdienten Lorbeeren einfahren. Und das kommt dem Sound des Albums zugute. Howlett zeigt, wie vielseitig er Beats basteln kann.

Fazit

No Tourists ist ein stabiles Album, auf dem jeder Track unverwechselbar nach The Prodigy klingt, gleichzeitig aber auch frisch und einzigartig. Liam Howlett schlängelt sich gekonnt zwischen klassischen Sounds und neuen Arrangements.

Lauschen Sie Musikredakteur Janek Kronsteiner im Gespräch mit Moderatorin Sophie Rauch über das Album No Tourists von The Prodigy.

The Prodigy - No Tourists: Studiogespräch von Musikredakteur Janek Kronsteiner mit Moderatorin Sophie Rauch
The Prodigy - No Tourists: Studiogespräch von Musikredakteur Janek Kronsteiner mit Moderatorin Sophie Rauch
 

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Janek Kronsteiner
13.11.2018 - 12:09
  Kultur