Bundesverfassungsgericht

Lockerung des NC für Medizin?

Die Vergabe des Studienplatzes im Fach Medizin muss zukünftig anders geregelt werden. So entschied das Bundesverfassungsgericht Dienstagvormittag in Karlsruhe. Auch die Universität Leipzig wird diese Regelung betreffen.
Uni Leipzig
Auch Leipzig ist von der Entscheidung zum Numerus Clausus betroffen.

Selbst mit einem Abiturdurchschnitt von 1,2 ist ein Studienplatz in Medizin nicht sofort gesichert. Das derzeitige Verfahren verletze dem Bundesverfassungsgericht zufolge die Chancengleichheit der Studierenden. Die Vergabe nach besten Abiturnoten, die Wartezeit und die Auswahl durch die Universitäten widersprächen aber im Grunde nicht der Verfassung. Auslöser dieses jahrelang kritisierten Vergabeverfahrens war die Klage zweier Studienbewerber für das Fach Humanmedizin vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Die Richter legten die Verfahren dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vor, da sie die Regelungen in Teilen für verfassungswidrig hielten.

Entscheidung bis Ende 2019

Bund und Länder müssen bis zum 31. Dezember 2019 die Auswahlkriterien neben der Abiturnote neu regeln. Denn die Chancen für Abiturienten auf einen Studienplatz in Deutschland sinken von Jahr zu Jahr. Das Zulassungssystem in Deutschland setzt sich bis jetzt aus 20 Prozent der besten Abiturnote, 20 Prozent Wartesemestern und 60 Prozent aus der Entscheidung der Universität zusammen.

Das Urteil der Richter wird mehrere Bereiche der Vergabe betreffen. Bis jetzt müssen sich die Bewerber für sechs mögliche Studienorte entscheiden. Wer seinen präferierten Ort nicht bekommt, obwohl er alle Bedingungen erfüllt, hat Pech gehabt. Die Richter fordern außerdem, dass im Auswahlverfahren die Vergleichbarkeit der Abiturnoten über die Landesgrenzen hinweg sichergestellt werden müssen. Des Weiteren muss die Wartezeit, die aktuell zwischen 14 und 15 Semestern liegt, durch den Gesetzgeber angemessen begrenzt werden. Eine genaue Semesterzahl wurde aber noch offengelassen. Außerdem fordern die Richter, dass neben der Abiturnotenvergabe ein weiteres Kriterium herangezogen wird. So müssen Eignungsgespräche  an den Universitäten in „standardisierter und strukturierter“ Form stattfinden.

Die Sächsische Sozialministerin, Barbara Klepsch, begrüßte den Karlsruher Richterspruch.

Gute Medizin ist keine Frage des Abiturdurchschnitts, sondern eine Frage der Nähe zum Menschen.

Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz

Auch aus der Links-Fraktion im sächsischen Landtag kam Zustimmung. Die Fraktion betonte, dass der Handlungsdruck bei der Humanmedizin in Sachsen besonders groß sei. Es gäbe zu wenige Absolventen, um ärztliche Versorgung zu sichern und auch zu wenige Studienplätze. Zusätzliche Qualifikationen wie eine Ausbildung in der Pflege oder im Rettungsdienst sowie soziale Faktoren müssen zukünftig eine größere Rolle spielen. Auch dieses Problem muss der Links-Fraktion zufolge im Zuge der Neuregelung bundesweit einheitlich geregelt werden.

Situation in Leipzig

Auch die Universität Leipzig ist von der Neuregelung betroffen. Hier erfolgt die Vergabe bislang nach dem allgemeinen Zulassungssystem in Deutschland. Peggy Darius, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, sagte dazu:

Das Urteil kräftigt die Chancengleichheit für Studierende und Bewerber, was wir hier auch sehr begrüßen

Peggy Darius von der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig

Die Regelung wird Anpassungen nach sich ziehen, wenn das Urteil auf Bundes- und Länderebene gesetzlich umgesetzt wird. Bis dahin bleibt erstmal alles so, wie es ist. Aber auch wenn es die Neuregelung gibt, besteht weiterhin das Problem, dass zu wenig Medizin-Studienplätze vorhanden sind. In Leipzig kommen auf einen Studienplatz im Schnitt fünf bis sieben Bewerber, die Wartezeit liegt bei zwölf Semestern. Der Fachschaftsrat der Medizin an der Uni Leipzig begrüßt das Urteil im Großen und Ganzen. Der NC sei einerseits ein Indikator, aber kein Garant als Mediziner erfolgreich zu sein. Vielmehr sollen zukünftig die medizinische Vorerfahrung und soziale Fähigkeiten besser berücksichtigt werden.

Den Beitrag zum Nachhören gibt es hier:

Moderator Lukas Raschke im Gespräch mit Thomas Tasler
1912 SG NC
 

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