Festivaltagebuch

Live beim Burg Herzberg Festival 2017

Seit 1968 findet in Hessen das Burg Herzberg Festival statt. Damit ist es älter als Woodstock und will sich auch selbst als "Traditional Hippie Convention" sehen. Wir sind in diesem Jahr dabei und nehmen euch mit!
Jedes Jahr mit dabei: der kunterbunte Herzberg-Truck!
Jedes Jahr mit dabei: der kunterbunte Herzberg-Truck!

29.07.2017, 15:58 Uhr

Mittlerweile sind wir beim Finale des Herzberg Poetry Slams auf der Freakstage und haben einen Platz auf der Decke eines freundlichen Festivalbesuchers aus der Pfalz ergattert. Zusammen schauen wir uns die Auftritte von Sven Hensel und der Leipziger Slam-Poetin Josephine von Blueten Staub an und sind begeistert. Auch die anderen Autoren und ihre mitgebrachten Texte sind super, es fällt schwer sich für einen Gewinner zu entscheiden. Dazu möchte die Sonne noch ihre Abwesenheit in den vergangenen Tagen wettmachen und trocknet den Schlamm mittlerweile auf eine sehr erträgliche Konsistenz. Unser Pfälzer „Gastgeber“ bekommt nach der Hälfte des Slams Besuch von seiner Tochter und dem zugehörigen Schwiegersohn. Gemeinsam bilden wir eine Massagekette und kraulen uns gegenseitig die Haare. Bevor wir uns letztendlich voneinander verabschieden, bemalen wir einander noch mit Wachsmalstift. Es gibt Herzchen, Blumen, Trauben und eine Handynummer.  Dann werden wir noch auf die Party zu ihrem Hochzeitstag nach Pirmasens eingeladen. Auf Festivals gibt es ja meistens viel Liebe, aber so viel habe ich bisher auch noch nicht erlebt!

 

29.07.2017, 11:01 Uhr

Heute verspricht der Tag endlich, sonnig und warm zu werden! Endlich, muss man sagen. Wir machen uns auf den Weg zu unserem heute einzigen Interview: Irie Révoltés! Oder, genauer gesagt, den beiden Brüdern Mal Élevé und Carlito. Sie sind die Leadsänger der Punk-, Hip-Hop-, und Reggaeband, welche sich Ende diesen Jahres leider auflöst. Wir haben zum Glück noch einmal die Gelegenheit, sie zu treffen, bevor es soweit ist. Die beiden begrüßen uns mit Handschlag und dickem Grinsen im Gesicht und wir gehen gemeinsam zum schnacken in ihren Tourbus. Die beiden wirken tiefenentspannt und wir unterhalten uns über ihre Jugend, die letzten Monate von Irie Révoltés und was danach kommt. Die Einstellung der beiden zur Auflösung gefällt mir total: Aufhören, wenn wir noch Freunde sind und es am Schönsten ist! Im Laufe des Interviews entsteht ein Insider über den gerade schlafenden Busfahrer Stefan, den „Boss“ höchstpersönlich. Vielleicht bringen sie ja einen Gag dazu heute Abend, wir würden uns auf jeden Fall freuen. Auf das Konzert freuen wir uns sowieso wahnsinnig.

 

29.07.2017, 00:10 Uhr

Ja, verrückt war das Konzert definitiv! Und geil. Sehr, sehr geil. Live geben die vier Vollblutmusiker alles und zerledern zu meist orientalischen Tunes auch mal ihre Instrumente. Eine Trommel und eine Geigensaite müssen heute dran glauben. Man spürt auf jeden Fall, wie wohl sich die Band auf dem Burg Herzberg Festival fühlt. Leider spüren wir das stundenlange Gestapfe durch den Matsch in den Füßen und jetzt auch das lange Stehen im Rücken. Man wird ja nicht jünger… Die mitternächtliche Goa-Party am Chilloutzelt lassen wir also ausfallen und machen uns auf den Weg ins Nachtlager. Diesmal ist unser Anhalter ein sehr liebenswerter DB-Mitarbeiter, der uns und eine Dritte trotz verschlammter Stiefel mitnimmt und bis zum mephisto-Mobil fährt. Zum Abschied umarmen wir uns und er wirkt sehr glücklich über die Liebe, welche das Festival verbreitet.

 

28.07.2017, 19:50 Uhr

Wir stehen wieder am Eingang des Backstage-Bereichs und warten auf den Tourmanager der Folk-Pop-Band Bukahara. Neben einem der Kleinbusse steht ein verwirrt dreinblickender junger Mann, der suchend seinen Blick über die Gesichter der Anwesenden schweifen lässt. Wir sprechen ihn an und er stellt sich als Avi (Manager, Violinist und Backgroundsänger der Band) vor. Angekommen in der Künstlerlounge drückt uns Sänger und Gitarrist Soufian ein gekühltes Bierchen in die Hand, während sich Ahmad, Bassist und Drummer der Band auf der Eckcouch versucht von einem Lachanfall zu erholen. Dabei rettet Posaunist, Sousaphonist und Webdesigner Max das Redbull seines Bandkollegen gerade noch so vor dem Umkippen. Ein lockerer Empfang auf jeden Fall. Sie berichten uns von Ländern in die sie irgendwann touren wollen, vom heutigen Catering (Fisch mit Kartoffelbrei) und von Instrumenten, die sie mal erlernen möchten. Ob das Konzert heute Abend auch so angenehm verrückt sein wird, wie die Stimmung gerade? Verrückt ist auf jeden Fall die kleine Lawine, die im Laufe des Nachmittags den Backstagebereich geflutet hat.

Auch das Backstage muss mit den Schlammmassen kämpfen.
Auch der Backstagebereich muss mit den Schlammmassen kämpfen.

 

28.07.2017, 18:15 Uhr

Das Interview leidet nicht unter unserem Französisch, sondern ein klein wenig an dem unserer Interviewpartnerin. Die lebt nämlich seit acht Jahren in Hamburg und hat die „langue française“ mittlerweile ein wenig verlernt. Bei Verständnisfragen wechseln wir kurzerhand auf Deutsch, das klappt zum Teil sogar besser. Leider kann sie uns nicht besonders viel zur mehr als dreißigjährigen Geschichte von Tinariwen erzählen, da sie erst seit einigen Jahren in der Gruppe mitsingt. So erfahren wir von ihr aber, dass Tinariwen ein generationenübergreifendes Projekt ist und vielleicht gerade deswegen so gut funktioniert.  Über das sprachliche Missverständnis mit dem Management der Band müssen wir im Nachhinein noch mal lachen.

 

28.07.2017, 16:37 Uhr

Wieder vereint entspannen wir uns jetzt auf Bierbänken neben der Main Stage und genießen Uwes legendäre Wagenburger. Diese berühmt-berüchtigten Snacks haben hier schon unzähligen Hippies aus Fressflashs verholfen und bringen uns nun durch die verzögerte Mittagspause. Während wir unsere Mägen mit Falafel und Fladenbrot (verfeinert mit einer hochgeheimen Gewürzmischung) vollschlagen, lauschen wir der nordafrikanischen Bluesrock- und Folkband Tina… Tena… Tiwa… egal, jedenfalls begeistern sie die Menge. Tinariwen, jetzt haben wir‘s doch! Mit den beduinischen Musikern aus dem Maghreb haben wir als nächstes einen kleinen Plausch - unser erstes Interview auf Französisch. Hoffentlich verplappert sich niemand aus Versehen. Seit dem Französischunterricht damals in der Mittelstufe sind die Sprachkenntnisse doch etwas eingerostet.

Auf dem weiteren Weg über das Gelände kommen wir am Kinderland vorbei, wo dutzende Kinder ausgelassen im Schlamm spielen, Klangmassagen ausprobieren oder in Bilderbüchern blättern. Das Burg Herzberg ist ein Dreigenerationen-Festival. Das durften wir bisher bei keinem anderen Musikevent erleben.

Besonders am Herzberg: ganz viele Kiddies!
Besonders am Herzberg: ganz viele Kiddies!

 

28.07.2017, 14:08 Uhr

Frisch koffeiniert setze ich mich alleine ins Lesezelt zu einem hochinteressanten Didgeridoo-Workshop bei einem Bandmitglied der Analogue Birds. Seit zwanzig Jahren spielt er das traditionelle Instrument der Aboriginees und hat einiges darüber an das neugierige Publikum weiterzureichen. Bald sitzen alle mit aufgeblasenen Backen da und versuchen parallel durch die Nase einzuatmen, während sie die Luft aus den Backen herauslassen. Zirkulationsatmung wird das genannt, lerne ich. Die Kostproben vom Didgeroo zwischendurch sind ziemlich geil und machen große Lust darauf, es selbst spielen zu lernen. Das geht anscheinend sehr kostengünstig, am Anfang reicht angeblich schon ein PVC-Rohr aus dem Baumarkt mit passendem Mundstück aus Holz. Vielleicht probiere ich das aus, schauen wir mal!

 

28.07.2017, 12:51 Uhr

Der Himmel war heute beim Aufstehen noch vielversprechend blau, aber es hat sich ganz schnell wieder zugezogen. Zumindest sieht es nicht mehr nach weiterem Regen aus. Diesmal ist es schwieriger, für die zwei Kilometer zum Gelände einen „Chauffeur“ zu finden, am Ende klappt es dann aber doch. Auf dem Weg zum Backstage-Bereich ergattern wir ein Paar Blicke auf den ursprünglich ersten Act der Main Stage: Klaus der Geiger. Das Gespräch mit Jesper Munk ist absolut entspannt. Wir haben eine Audienz während seinem verspäteten Frühstück (Kaffee, Kippe, Bierchen) bekommen. Der Bluessänger ist Mitte Zwanzig, hat etwas von einem männlichen Model und trägt einen schweren Edelstahlring am Ohr. Ein wenig erinnert er mephisto-Redakteurin Luise optisch an die Figur Nikolaus aus der Serie Vampire Diaries (vielleicht ist da aber auch nur ihre Fantasie mit ihr durchgegangen). Er erzählt uns von seiner ersten Gitarre, der Arbeit mit seinem Produzenten in New York und einem brandneuen Liveprojekt. Nach dem Treffen mit Jesper Munk geht es fürs Erste zurück an unsere bisher liebste Kaffeequelle, das orientalische Zelt. Frisch gebrüht und mit Kardamomnomnomnom…

Jesper Munk im Gespräch mit unserer Redakteurin Luise
Jesper Munk im Gespräch mit unserer Redakteurin Luise

 

27.07.2017, 21:02 Uhr

Die letzten Paar Kontrahenten beim Poetry Slam können wir uns noch ansehen. Sven Hensel haben wir leider verpasst, aber wir erfahren von ihm, dass er in die nächste Runde gekommen ist. Dann machen wir uns aber auch schon auf den Rückweg zum Auto, denn: der Magen knurrt mittlerweile sehr unangenehm! Wir werden an der Straße von einem netten Pärchen in ihrem Kombi mitgenommen, auf ihrer Schlafmatratze hockend versuchen wir während der Fahrt unsere schlammigen Gummistiefel aus der geöffnet Tür herauszuhalten. Angekommen sehen wir, dass unser am Morgen noch so privater Feldweg mittlerweile auch komplett dicht mit Autos und Zelten ist. Die Festivalleitung hat einen kompletten Anreisestop vorgegeben, man darf jetzt nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Gelände kommen. Ein Glück, dass wir unser Plätzchen sicher haben… Bei ein paar frisch über dem Gaskocher gemachten Nudeln planen wir für morgen. Als erstes steht unser Interview mit dem Newcomer Jesper Munk an. Während es jetzt schon wieder anfängt, in Strömen zu regnen, kuscheln wir uns im mephisto-Mobil ein und wärmen uns erst einmal auf.

 

27.07.2017, 20:10 Uhr

Simon und Jan machen ja mal richtig Spaß! Für uns ist es das bisher erste Konzert. Die Singer-Songwriter bringen mit ihren zynischen, gesellschaftskritischen Liedern immer wieder die (im Verhältnis zur kleinen Bühne) beachtliche Menge ordentlich zum Lachen und Mitwippen. Simon trägt eine lange Mähne aus Dreadlocks und passt damit perfekt in den Querschnitt der Festivalbesucher. Er arbeitet viel mit Loops und holt dabei richtig Fülle aus den klanglichen Möglichkeiten des Duos. Zwischen den Songs ist er dafür eher still, das Reden überlässt er dem schlagfertigen Jan, einem drahtigen Typen mit Schiebermütze und einem ziemlich unterhaltsamen Spektrum gequälter Grimassen.

Simon und Jan machen Stimmung im Publikum.
Simon und Jan machen Stimmung im Publikum.

Im Interview mit den beiden erfahren wir, dass das Publikum heute weit jünger war als sie es sonst so gewohnt sind, meistens stehen sie mit ihren teils politischen Texten nämlich auf Kabarettbühnen. Nach unserem Schnack tauschen wir noch aus, was die nächsten Tage für uns so an Programm auf dem Plan steht. Simon und Jan haben anscheinend großen Bock auf Bukahara, mit denen werden wir morgen Abend auch noch sprechen. Zufrieden gehen wir zurück zum Lesezelt.

 

27.07.2017, 17:35 Uhr

Bei einer späteren Lesung treffen wir auf Sven Hensel, einen jungen Autoren aus Dortmund, der dort regelmäßig den Wohnzimmerslam moderiert. Daher kenne ich ihn auch schon, wir haben im Pott viele gemeinsame Freunde. Er lädt uns zur heutigen Vorrunde des Herzberg Poetry Slams ein, an dem er mit einem Text teilnimmt. Mal sehen ob wir das schaffen, zuerst statten wir nämlich Simon und Jan bei der Freakstage noch einen kleinen Besuch ab. Auf dem Weg zu deren Konzert werden wir beinahe Teil einer Schlammschlacht. Ein Pärchen scheint das beste aus der aktuellen Wetterlage machen zu wollen und suhlt sich lachend in der Pampe. Ob die wissen, dass hier den Rest des Jahres Pferde weiden und dabei ordentlich den Boden düngen?

Bei den Szenen im Schlamm fühlt man sich ein wenig an Wacken erinnert.
So macht man das Beste aus der Situation. Bei den Szenen im Schlamm fühlt man sich ein wenig an Wacken erinnert.

 

27.07.2017, 15:20 Uhr

Während wir auf volle Akkus warten, erleben wir den unplanmäßigen ersten Act diesen Jahres. Seit 2010 gibt es das Lesezelt als vierte Bühne des zuvor reinen Musikfestivals. Zum siebenjährigen Jubiläum bieten uns die Organisatoren einen Rückblick der abwechslungsreich vergangenen Jahre. Das tun sie mit Hilfe von Texten, deren Verfasser allesamt Gäste, Künstler und auch Festivalhelfer des Burg Herzbergs waren. Als von dem in der Geschichte des Lesezelts wohl verregnetesten Festivaljahr berichtet wird, ergießt sich auf den Planen über uns passenderweise ein sintflutartiger Regenschauer und wir zucken bei einem überraschenden Donnergrollen zusammen. Noch ironischer wird die Situation, als sich die Sanitäter langsam am Zelt vorbei durch das Schlammmeer kämpfen, während auf der Bühne der Satz „Nicht mal die Rettungskräfte hatten mehr Zugang zum Gelände“ vorgelesen wird. Mal sehen, ob das Burg Herzberg 2012 an diesem Wochenende noch überboten werden kann. Wir hoffen vor allem, dass es nicht ins Wasser fällt. Nach dem nostalgischen Rückblick gibt es ein Konzert des Duos Lauscher. Das erste Mal überhaupt sehe ich, wie eine Säge als Musikinstrument benutzt wird.

 

27.07.2017, 12:30 Uhr

Uiuiui, ein Glück, dass wir uns zum Stehenbleiben entschieden haben! Die Schlange zum Campingplatz ist wirklich endlos, viele der Wartenden haben das Warten sogar ganz aufgegeben und ihre Zelte und Pavillons abseits der Zufahrtsstraße aufgeschlagen. Auf dem Festivalgelände selbst ist Schlammcatchen à la Wacken angesagt, bloß, dass das herumlaufende Klientel hier weit bunter angezogen ist. Wir rutschen, schlittern und schlorzen (um es mal lautmalerisch zu beschreiben) uns unseren Weg bis zum orientalischen Zelt und begrüßen den Tag endgültig mit einer herrlichen (und erstaunlich günstigen) Tasse Kaffee. Weiter geht’s zum zweiten Wohnwagen der Organisatoren, wo uns Internet und eine Steckdose für unsere Geräte versprochen wurde. Natürlich hat das Pressezentrum noch keinen Stromanschluss gesehen, aktuell haben die Veranstalter noch alle Hände voll damit zu tun, im Schlamm die letzten Aufbauarbeiten an der Hauptbühne zu erledigen. Der erste Act heute, Klaus der Geiger, verzögert sich jetzt schon und fällt vielleicht sogar ganz aus. Stattdessen setzen wir uns ins Lesezelt und ergaunern uns ein wenig Elektrizität. Das kann ja was werden…

 

27.07.2017, 11:11 Uhr

Naja, der schöne Ausblick hat sich auf jeden Fall hinter dichten Regenschleiern versteckt und dementsprechend hält sich auch die Motivation gerade in Grenzen. Seit den frühen Morgenstunden hämmert schon der Regen aufs Autodach und lässt erahnen: die Situation für den Anreiseverkehr wird sich auch nicht zum Positiven verändert haben… bleiben wir also fürs Erste hier stehen, statt uns im Wald bei den anderen Autos einzureihen. Erst mal ein gemütliches Bettfrühstück auf unserem improvisierten Tisch, der Kofferraumabdeckung. Gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Gelände.

 

26.07.2017, 22:55

Auf dem Weg zur Buckelpiste mit der versprochenen Schlange haben wir uns spontan entschieden, unser Lager am Rand der Hauptstraße bei einem tiefenentspannten Freundeskreis mit zwei rostigen Bullies aufzuschlagen. Mit dabei ist Henning, der uns ein bisschen über die aktuelle Lage auf dem Campingplatz informiert. Die Truppe ist sehr sympathisch und wir fühlen uns direkt wohl. Wir setzen uns zu siebt entspannt um ein frisch entfachtes Lagerfeuer und genießen den Sonnenuntergang. Von hier hat man einen wundervollen Blick ins Tal, der wird uns morgen früh bestimmt zum Aufstehen animieren.

Vor einem wunderschönen Sonnenuntergang wartet das Mikrofon auf seinen Einsatz.
Vor einem wunderschönen Sonnenuntergang wartet das Mikrofon auf seinen Einsatz.

 

26.07.2017, 20:20

Im Pressezentrum (übrigens ein alter Wohnwagen, ausgestattet mit einer fast historischen DSL-Leitung und einem gut gefüllten Aschenbecher) werden wir überraschenderweise von einer ehemaligen Mephisto-Redakteurin begrüßt. Während uns die Stoffbändchen umgelegt werden, berichtet sie uns aus „ganz internen Interna“, dass die Anfahrt mit dem PKW auf das Festivalgelände heute wegen der Wetterlage kaum noch möglich ist und wir gezwungen sind, in der Warteschlange zu campieren. Klingt ja vielversprechend…

 

26.07.2017, 19:50

Nach einer entspannten Fahrt, untermalt von unserer Burg-Herzberg-Playlist, wurden wir schon einige Kilometer vor unserem eigentlichen Ziel auf eine kleine Willkommensparty eingeladen. Seit zehn Jahren begrüßt das hessische Örtchen Niederaula die anreisenden Festivalbesucher am Straßenrand mit Grill, Bier und Livemusik. Uwe und seine Schwester Ursula haben das Event ins am Leben gerufen. Aus Anfangs nur zwei Freunden, die in einem Lexikon die vorbeifahrenden Kennzeichen nachgeschlagen haben, ist mittlerweile eine Gruppe von ungefähr dreißig Herzberg-Begeisterten geworden. Bei jedem ankommenden Auto wird gejubelt – die Antwort ist meistens ein Hupen. Nächstes Jahr wollen die Niederaulaer sogar ein Partyzelt an der Straße aufstellen. Auf den festivaltypischen Bluesrock können wir uns auch schon einstimmen. Aus dem Carport schallen CCR und Elvis Presley, während wir uns beim ersten Bierchen und Pizzaschnecken in Festivalstimmung bringen.

WIr haben uns in Niederaula verewigt.
WIr haben uns in Niederaula verewigt.
In Niederaula wird man wenige Kilometer vor dem Ziel jubelnd in Empfang genommen.
In Niederaula wird man wenige Kilometer vor dem Ziel jubelnd in Empfang genommen.

 

26.07.2017, 15:45

Es ist soweit, der Motor läuft und das regennasse mephisto-Mobil macht sich auf den Weg zum diesjährigen Burg Herzberg Festival! Die Erwartungen sind groß, letztes Jahr hat uns das Event schon privat mit seinem Flair begeistert.

Auch wenn das "Herzberg" als ein Musikfestival der alten Schule gilt, ist es für die allermeisten Besucher ein Fest der Begegnungen. Ob vor der Mainstage, in der Chilloutlounge, im Lesezelt oder vor dem Gaskocher auf dem Zeltplatz - der Zauber der Hippie-Convention geht von seinen Besuchern aus. Einige von ihnen waren von der ersten Stunde an dabei, andere wie zum Beispiel wir schlagen erst zum dritten Mal hier ihre Zelte auf, aber alle haben Geschichten zu erzählen: von nächtlichen Privat-Goa-Parties, Nickerchen vor dem Hängemattenstand oder Bands, deren Namen man noch nie gehört hat, die aber seit der Entdeckung auf der Freakstage Teil der ganz persönlichen Lieblingsplaylist sind, von Unterhaltungen in der Schlange vor dem Burgerwagen, Harmonie, Liebe und, und, und...

Das diesjährige Burg Herzberg Festival läuft unter dem Motto "Fools on the Hill" und ist zum ersten Mal seit Jahren ausverkauft. Wir freuen uns auf Headliner wie Jethro Tull's Ian Anderson, alte Herzberg-Hasen wie Klaus der Geiger, vielversprechende Newcomer wie Bukahara und selbstverständlich viele spannende Interviews. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Aber erst mal gehts ab auf die A4, vor uns liegen 270 km Strecke. Auf, auf.

Das regennasse mephisto-Mobil macht sich wieder auf den Weg!
Das regennasse mephisto-Mobil macht sich wieder auf den Weg!
 

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Maximilian Enderling
26.07.2017 - 19:21
  Kultur

Datum: 27. bis 30. Juli 2017

Ort: Breitenbach am Herzberg

Besucher: ca. 12.000

Acts: Patti Smith,

Jethro Tull's Ian Anderson,

Gong,

Irie Révoltés,

Bukahara,

Joanne Shaw Taylor,

Ryley Walker,

Yvonne Mwale Quintett,

Jesper Munk,

Tinariwen, uvm.

Website: hier entlang

Tickets: ausverkauft (Ticket für den Sonntag ist noch ab 66€ zu haben)