Interview

Liberty Spikes and LA Hardcore

Am 02.02. spielte die Post-Hardcore Band Touché Amoré im Conne Island. Vorher hatten wir die Gelegenheit mit dem Gitarristen Clayton Stevens zu sprechen. Er erzählt von ihrem Album "Stage Four", dem neuesten Musikvideo und von modischen Jugendsünden.
Clayton Stevens im Interview
Clayton erzählt von der Arbeit an Stage Four

Touché Amoré spielen seit 2007 melodischen Post-Hardcore. Dabei werden sie häufig im Zusammenhang mit der Bewegung "The Wave" genannt. Bis heute haben sie vier Alben veröffentlicht. Das vierte, namens Stage Four, wurde im Spetember 2016 herausgebracht. Mit diesem Album sind Touché Amoré gerade auf Tour.

 

Stage Four war ein sehr persönliches Album für Jeremy – wie war das für euch als Band?

Der Zyklus unseres letzten Albums endete quasi mit dem Tod seiner Mutter. Sie ist gestorben während wir die letzte Show mit diesem Album gespielt haben. Ich wusste also, er würde wahrscheinlich darüber schreiben wollen. Ich habe mich nicht bemüht es zu etwas bestimmtem zu machen. Ich wollte aber natürlich nicht, dass es total fröhlich klingt oder so. Es hat uns also schon alle beeinflusst, aber vor allem sind wir einfach wie eine Familie. Wir sind füreinander da und unsere Musik hilft uns die Dinge zu verarbeiten, die uns passieren.

 

Ihr habt gerade das Musikvideo zu Benediction veröffentlicht. Da sieht man Jeremy im Heimatort seiner Mutter. Wart ihr mit ihm beim Videodreh?

Die erste Show unserer Tour war zufällig in Nebraska, nicht weit von ihrem Heimatort. Er ist dann einige Tage früher dorthin geflogen, zusammen mit dem, der unser Skyscraper Video gemacht hat. Die Videos sind eine Art Trilogie über sie. Palm Dreams steht für ihren Umzug nach Los Angeles. Jeremy ist nie dazu gekommen sie zu fragen, wieso sie das gemacht hat. Und Skyscraper erinnert daran, wie er ihr zum ersten Mal New York gezeigt hat. Und dieses jetzt beendet die Trilogie. Man kann sehen wo sie herkam. Für Jeremy war das wie eine Art Entdeckung, weil er nie richtig die Gelegenheit hatte mit ihr drüber zu reden.

 

Ihr wohnt ja auch in Los Angeles. Wie nimmst du denn so allgemein die Post-Hardcore oder Hardcore Punk Szene dort wahr?

Es gab auf jeden Fall immer eine gute Punk Rock Szene in LA. Vor allem junge Leute aus sozial schwachen Regionen machen großartige Musik. Die Szene lebt und es geht ihr gut. Mit der Ausnahme, dass Los Angeles die Hardcore Szene nie richtig akzeptiert hat. Und das, obwohl die Geschichte der Szene hier zu Bands wie Black Flag zurückgeht. Aber damals wie heute wurde die Szene nie wirklich gesellschaftlich anerkannt. Viele der Konzertclubs werden deswegen leider schnell wieder geschlossen.

 

Und wie fühlt sich die Hardcore Szene in Deutschland für dich an?

Für mich ist sie großartig. Ich bin natürlich nicht wirklich verbunden mit der Szene, aber unsere Shows hier waren immer sehr gut und wir wurden auch wirklich akzeptiert. Ich glaube, hier sind wir mehr auch in dieser traditionellen Hardcore Szene akzeptiert. Das ist in den USA und auch an anderen Orten nicht unbedingt der Fall.

 

Okay, wir sind fast durch. Aber, wie hättet ihr euch denn genannt, wenn nicht Touché Amoré?

Oh das weiß ich wirklich nicht. Das war einfach der Name, den Jeremy sich schon überlegt hatte, bevor es die Band überhaupt gab. Das haben wir dann gemacht. Mal ehrlich, all die wirklich guten Bandnamen sind doch sowieso schon vergeben.

 

Was ist denn ein wirklich guter Bandname für dich?

Oh, da gibt es so viele. Zum Beispiel Crass – das ist einfach ein perfekter Name für eine Punk Band.

 

Okay, eine Frage hab ich noch. In einem eurer Songs singt ihr "it was possibly my loudest clichee" – was war denn dein 'lautestes Klischee'?

Oh, da gibt es eine Menge. Ich meine, angefangen mit dem Irokesen den ich als Jugendlicher hatte. Ich habe so ziemlich alle Klischees mitgemacht, die es gab. Hauptsache ich habe mich damit meiner Musik näher gefühlt.

 

Das Interview in voller Länge kann man hier auf Englisch nachhören: 

Musikredakteurin Gesa Koy im Interview mit Clayton Stevens von Touché Amoré
 
 

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Gesa Koy, Conrad Rethfeld
07.02.2017 - 10:48
  Kultur

Weitere Informationen zur Band findet man hier.

Eine Rezension zu Stage Four kann man hier lesen.