Bandportrait: Blossoms

Leute, wir haben die Band gelöscht

Die Fans von Blossoms haben es nicht leicht: Die Songs lassen Herzen höher schlagen, aber bei den Promostreichen bleibt es fast stehen. Was sind das für Männer, die so ein Gefühlschaos verursachen? Wir stellen Ihnen Blossoms im Bandportrait vor.
Blossoms
Blossoms (v.l.): Josh Dewhurst, Myles Kellock, Tom Ogden, Charlie Salt und Joe Donovan.

Sagt mal, wo kommt eigentlich euer Bandname her? Eine Frage, weit oben im Bullshit-Bingo des Musikjournalismus. Im Falle von Blossoms ist die Sache mit der Namensfindung auch nicht besonders spannend. Sie haben sich nach dem „Blossoms Pub“ in ihrer Heimatstadt Stockport benannt. Für ausschweifende Erzählungen gibt das kein Material her, dafür ist der Name knackig und bleibt im Ohr.

Beim ganzen Rest rund um ihre Karriere stellen sich Blossoms weitaus kreativer an. Sänger Tom Ogden, Keyboarder Myles Kellock und Schlagzeuger Joe Donovan arbeiten zu Gründungszeiten in einem Hotel. Ihre Pausen nutzen sie ausnahmslos, um in der Hotelküche die Köpfe zusammenzustecken und über die Band zu sprechen. Dem restlichen Personal wird eine Demoversion nach der anderen vorgespielt und das so oft wie möglich. Kein Wunder, dass ihr damaliger Chef das wenig begrüßt. Seine verständnisvolle, aber deutliche Ansage: Ich wünsche euch und der Band von Herzen viel Erfolg, aber während eurer Arbeitszeit müsst ihr euch auf das Hotel konzentrieren. Zeit für Blossoms, sich anderweitig umzuschauen.

 

Ein Königreich für ein Studio!

Gemeinsam mit Gitarrist Josh Dewhurst und Bassist Charlie Salt suchen sie einen Ort, an dem sie in Ruhe Musik schreiben und aufnehmen können. Die Lösung bringt Salts Großvater. Er ist Gerüstbauer und auf dem Gelände seiner Firma dürfen sich Blossoms ihr Studio einrichten. Hier basteln sie fleißig an ihrem Debütalbum.

Die Platte erscheint 2013 und versetzt Indie-Kreise in Aufregung. Mit ihrem verspielten 80er-Flair, melodischem Keyboard und weichen Gitarren nageln sie bei einem Radiosender nach dem anderen ihren Stein ins Brett. Songs wie „Honey Sweet“ oder „Charlamagne“ entpuppen sich als Ohrwurmgaranten. 

Das Debütalbum überzeugt nicht nur Fans und Fachpresse, sondern auch den Kollegenkreis. Jake Bugg, Noel Gallagher und schließlich die Stone Roses laden Blossoms ein, in ihrem Vorprogramm aufzutreten. Nebenbei touren sie auch alleine um die Welt. In Interviews ist immer wieder vom zweiten Album die Rede, dann wird es vorerst still um Blossoms.

Des einen Streich ist des anderen Krise

Am 2. März 2018 erscheint schließlich ein Lebenszeichen. Ein YouTube-Video namens „Where Are Blossoms“ soll Hinweis über den Verbleib der Band geben. Laut den fünf Engländern sei die Band Geschichte. Salt arbeitet als Maskottchen für das örtliche Fußball-Team, Donovan ist neuerdings Eisverkäufer und Kellock will lieber Rapper sein.

 

Den Promo-Scherz mit deutlichem Augenzwinkern verstehen nicht alle Fans. Auf Twitter werden panische, enttäuschte Stimmen laut. Da schaltet sich das Label ein und twittert: 

Have recent rumoured fractures in @BlossomsBand left you feeling confused? Helpless? We’re here for you. Call the free helpline now: 0808-2812-482

- Virgin EMI Records via Twitter (@VirginEMI)

Am anderen Ende der Leitung wartet Dewhurst mit der Botschaft: Na na, alles halb so schlimm. Mit 50%iger Wahrscheinlichkeit wird alles wieder gut. Wirklich besser macht es das für die angeknacksten Fans nicht, dafür gibt es wenig später die finale Entwarnung: Blossoms sind noch da und kündigen ihr zweites Studioalbum an. „Cool Like You“ erscheint am 26. April und greift deutlich das selbst betitelte Debütalbum und dessen Merkmale auf: Synthies, Keyboard und Ogdens markanter Gesang. Auch die Themen bleiben die gleichen: Frauen, Liebe, Liebeskummer. 

Der Sound ist ein bisschen elektronischer geworden, die Lyrics ein ganz klein wenig plump. Weil sich Songs wie „I Can't Stand It“ aber sofort ins Gedächtnis brennen, verzeiht man das der Band schnell. Die Hooks sitzen und auf Konzerten und Festivals wird die Band auch mit den neuen Tracks verlässlich Menschen glücklich machen.

Vom Tellerwäscher zum Headliner

Der Sprung von der Hotelküche in den Tourbus ist beachtlich. Noch bemerkenswerter ist allerdings die Selbstironie der Band. Blossoms nehmen sich selbst nicht all zu ernst, lassen sich unterhaltsame Werbestreiche einfallen und machen auch sonst jeden Auftritt auf sozialen Netzwerken zum Erlebniss. Die Fanbase dankt es ihnen – wenn Blossoms nicht gerade mit der Auflösung drohen. 

 

Das Bandportrait zum Nachhören gibt's hier:

Musikredakteurin Ariane Seidl stellt Ihnen Blossoms im Bandportrait vor. Moderiert von Peggy Fischer.
 

 

 

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Ariane Seidl
08.05.2018 - 08:27
  Kultur

Blossoms auf Tour: 

03.10.2018 - Hamburg, Terrace Hill
09.10.2018 - Berlin, Bi Nuu
11.10.2018 - München, Strom 

 

Bis zur Tour kann man sich die Zeit auf der Website der Band totschlagen. Blossoms legen Klassiker wie Pong und Pac-Man neu auf. Einfach ein Bandmitglied als Avatar raussuchen und los geht's!