Themensendung Queer Pop

Let's Talk About Gender, Baby

„Queer“ als das neue In? Nach Disco und House hat der Begriff inzwischen auch im Hip-Hop und kommerziellem Pop Einzug gehalten. Doch woher kommt „Queer Pop“ überhaupt und vor allem: Wofür steht der Begriff?
Feldforschung oder: Meet Us In A House of (Queer) Love

George Michael ist schwul. Doch macht er deshalb automatisch auch Queer Pop? Abba liefern mit „Dancing Queen“ einen Evergreen der lesbischwulen Partyszene – eine queere Band? Gloria Gaynors “I Will Survive” ist zur Gay Pride-Hymne geworden – ist das nun Queer Pop?

Wenn wir über Queer Pop sprechen, sprechen wir dann über „schwulen Pop“? Oder „Gender Pop“? Nein, so einfach lässt sich das Wörtchen „Queer“ natürlich in keine Schublade stecken. Früher wurde es vor allem als Schimpfwort gebraucht. In den 80ern wurde das Wort im Zuge der AIDS-Debatte positiv neubewertet, in den 90er Jahren kam es dann aus den Vereinigten Staaten in Form von queer theory nach Europa, welche die "Hetero-Normativität" in Frage stellte. Heute ist „Queer“ eine Art Sammelbegriff für das von der Norm Abweichende, das Andersartige und das Schräge. Heute ist „Queer“ ein Begriff, dem man kaum noch entgehen kann: Wir sprechen von Queerem Kino, Queeren Partys und eben auch Queerer Musik.

Doch wer oder was steckt hinter diesem ominösen "Queer Pop"?

In seinen Texten und Sendungen befasst sich Klaus Walter, Radiomoderator, DJ und Journalist, immer wieder mit dem Begriff oder den Ausprägungen des Queeren. Gerade verhandelte er in seinem Artikel „Geschminkte Stimmen“ das Potential der getunten Stimme als Instrument der Genderpolitik.

Klaus Walter im Gespräch mit Isabelle Klein über Queer Pop
Klaus Walter über Queer Pop

"Queer Pop" als Mittel zur Auflösung der Heteronorm!

Die aus Großbritannien stammende Künstlerin planningtorock nutzt ihre Person und Musik, um das Geschlechtsspezifische vom Tisch zu wischen. Bereits ihr Auftreten lässt Janine Rostron, die sich inzwischen Jam nennt, zwiegeschlechtlich erscheinen – egal, ob sie sich nun mit oder ohne Maske zeigt. Darüber hinaus ist es aber vor allem ihre Stimme, die sie als Instrument zur Aufhebung der geschlechtlichen Zuordnungt nutzt. Mithilfe von Autotunes führt sie ihren Gesang in Sphären, die sich abseits von Frau und Mann bewegen. Ein neues Level erreicht ihr Spiel ums Geschlecht auf ihrem neuen Album "All Love's Legal".

Redakteurin Vivian Roth über das neue planningtorock-Album

Im Beitrag besprochene und verwendete Songs:

"Welcome", "Human Drama", "Purple Love", "Public Love", "Misogyny Drop Dead", "Patriarchy Over & Out", "Beyond Binary Binds"

 

"All Love's Legal" ist am 14. Februar 2014 bei Human Level erschienen.

Album-Rezension Planningtorock

Um auf Homophobie zu stoßen, muss mann nicht unbedingt über den Rande des europäischen Kontinents – aktuell nach Russland oder Uganda – schauen, manchmal reicht auch ein Blick ins Schwabenland, um die Kontroversen und Absurditäten um das Thema offenzulegen.

Aber kann Popmusik da überhaupt irgendwas zur Debatte beitragen?

Thomas Meinecke, Autor, Musiker und DJ, beschäftigt sich schon seit den 80ern mit den Themen Sexualität, Queerness und Gender, beispielsweise immer wieder in den gerade unter dem Titel „Analog“ veröffentlichten, gesammelten Kolumnen aus der Musikzeitschrift Groove.

Thomas Meinecke im Gespräch mit Isabelle Klein über Queer Pop
Interview Thomas Meinecke

 

 

 

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Isabelle Klein, Daniel Roß
20.03.2014 - 18:40
  Kultur

Playlist

Peaches – Gay Bar
Le1f – Boom
CocoRosie – God Has A Voice, She Speaks Through Me
Planningtorock – Patriarchy Over & Out
The Julie Ruin – Girls Like Us
Mykki Blanco – Haze.Boogie.Life
Hercules and Love Affair – Do You Feel The Same?
Bernadette LaHengst – Ein Mädchen namens Gerd
Die Goldenen Zitronen – Daniel
Daniel Johnston – True Love Will Find You In The End