Kulturrezension

Lesung über Hexen in der Gegenwart

Unter dem Titel "HxH. Die Stadt (er)wartet fand" am 07.03.2018 eine Lesung im Budde-Haus statt. Es ging um das eigene Ich und Selbst, um das Normale, das Andere und auch ganz viel um Erwartungen an einen und von einem selbst.
Nadja Grasselli & Co Während Musik
Nadja Grasselli, Afina Kontu und Steffi Narr während einer musikalischen Einlage

Das Budde-Haus in Gohlis lud am Vorabend des internationalen Frauentages zu einer musikalisch begleiteten Lesung ein. Nadja Grasselli las aus ihrem 2016 veröffentlichten Buch "HxH. Die Stadt (er)wartet" vor. Dabei wurde sie am Kontrabass von Athina Kontou und an der E-Gitarre von Steffi Narr begleitet.

Nadja Grasselli Während Lesung
HxH. Die Stadt (er)wartet 3

Wer ist heutzutage eine Hexe?

Inhaltlich stand zum Einen die Frage danach, wer in der Gegenwart die Ausgegrenzten sind, also wer heute die Hexe von damals ist, im Mittelpunkt. Daher auch der etwas kryptisch wirkende Titel HxH. Das ist ein Verweis auf den Hexenhammer, ein berüchtigtes Werk, mit dem seit dem 15. Jahrhundert Hexenverfolgungen legitmiert wurden. Aber um Hexenverfolgungen ging es bei der Lesung eigentlich gar nicht. Das Künstlerinnentrio versucht, diese Frage nach den Hexen des 21. Jahrhunderts an das Publikum zurückzugeben. Sie wollen keine Antworten vorgeben, sondern das Publikum zu eigenen Gedankengängen anregen.

Was erwarten wir?

In einem zweiten inhaltlichen Abschnitt ging es um Erwartungen in einem ganz allgemeinen Sinne. Auch hier versuchen die drei Künstlerinnen einen zum Grübeln anzuregen. Was wird von mir erwartet? Was erwarte aber auch ich von den anderen und von der Gesellschaft? Das Stück nimmt einen mit auf eine Reise durch die Gedankengänge eines Stadtbewohnenden. Dabei stellen sich viele Fragen, kommen Wünsche und Forderungen aber auch Ängste und Zweifel auf. Der Weg zum Ich wird dann zum Kampf, mit den Anderen und ihren Erwartungen und mit einem selbst.

Wo es Erwartungen gibt, da sind auch Überraschung und Enttäuschung möglich. Auch ein Publikum hat natürlich gewisse Erwartungen. Nadja meint aber, darüber mache sie sich keine Gedanken.

Es geht ja nicht darum Erwartungen von jemanden gerecht zu werden oder sie zu überraschen. Das ist egal. Wir gucken wer dann im Raum steht und wie wir uns fühlen und was bei dieser Kommunikation dann rauskommt.

Nadja Grasselli - Regisseurin, Dramaturgin und Autorin

Improvisation als musikalische Begleitung

Das Gefühl spielt auch bei den beiden Musikerinnen eine große Rolle. Sie lassen sich nämlich leiten von Nadjas Text und improvisieren auf der Bühne. Somit ist jeder Auftritt irgendwie einzigartig. Die beiden Ebenen und Musik sollen sich dabei in einem Wechselspiel gegenseitig ergänzen.

Es ist einfach eine weitere Ebene, mit der man, denke ich, die Stimmung, die Atmosphäre die der Text erzeugt verstärkt. [...] Da entstehen schon ziemlich starke Bilder und das versuche ich in Klang umzusetzen. Oder auch zu kommunizieren eben dann mit Nadja und mit Steffi.

Athina Kontou, Musikerin

Das Ergebnis ist ein spaciger, teilweise etwas schräger Sound, der das Hin und Her der Gedanken des Textes wiedergibt. Die Musik lockert die Dichte und die Angespanntheit, die der Text vermittelt, deutlich auf. Zeitgleich unterstreicht sie die Unordnung, die der Text versprüht.

Ein Lied zum Frauentag

Zum Abschluss wurde es dann doch nochmal rhytmischer, denn anlässlich des internationalen Frauentags hatte sich das Künsterlinnentrio dazu entschieden, ein Lied der sizilianischen Liedemacherin Rosa Balistreri aufzuführen. Diese hat zu ihrer Zeit die Machenschaften der Mafia und der Kirche in Süditalien angeprangert. Mit einem Gute-Nacht-Lied dieser mutigen Frau wurde das Publikum also in die Nacht entlassen.

Den Beitrag zum Nachhören:

Studiogespräch mit Hannes Berger in der Faustschlag-Sendung vom 08.03.2018
Beitrag in der Faustschlag-Sendung vom 08.03.2018

 

 

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