Panometer

Leipziger Künstler exportiert Panometer

Rom, Amazonas, Mount Everest oder das barocke Dresden: All das waren schon Themen des Leipziger Künstlers Yadegar Asisi. Er lädt die Besucher im "Panometer" auf eine Reise in die unterschiedlichsten Welten ein – und das nicht mehr nur in Deutschland.
Yadegar Asisi mit einer Bahn seines neuesten Panoramas

Yadegar Asisi lächelt. Der Leipziger Künstler ist froh über die Stoffbahn, die neben ihm hängt. Sie ist drei Meter breit und circa 32 Meter hoch. Darauf zu sehen ist der Teil eines römischen Tempels. Die Stoffbahn ist ein kleiner Teil des Panoramas "Rom 312".

Neue Stoffbahn liegt zum Testen in Leipzig

Dieses Panorama hing von 2005 bis 2009 in Leipzig, später für zwei Jahre in Dresden. Wirklich neu ist das Werk also nicht und trotzdem ist es anders. Die Panoramen werden von Asisi nach jeder Ausstellung abgenommen, zerschnitten, mit Farbe beschmiert oder durch den Reißwolf gejagt. Das passierte auch 2009 mit "Rom 312" in Leipzig (mephisto 97.6 berichtete). Jede neue Ausstellung eines Panoramas nutzt Yadegar Asisi, um Veränderungen daran vorzunehmen. Auch bei "Rom 312" wurden architektonische Details und Lichtverhältnisse geändert. Damit es eher nach "Süditalien und nicht mehr so nach Brandenburg aussieht", erzählt Asisi lachend.

Neue Stoffbahn liegt zum Testen in Leipzig

Panorama als Exportprodukt

Die Stoffbahn, die heute im Gasometer in Leipzig hing, wird aber nicht mehr lange dort sein. Das Panorama ist bestimmt für den Gasometer in Pforzheim, nahe Karlsruhe, Asisis neuestem Panometer. Ab November 2014 wird "Rom 312" dort zu sehen sein. Pforzheim hat etwas, was Rouen in Nordfrankreich noch nicht hat: ein Gasometer. Doch die französische Stadt wollte dennoch nicht auf das Panorama verzichten und baute kurzerhand ein neues. Darüber freut sich Yadegar Asisi ganz besonders.

Panorama-Produktion als Regiearbeit

"Das ist wirklich toll. Ich habe immer gesagt: Baut die Kinos, ich bringe euch die Filme."

Asisi vergleicht seine Arbeit oft mit der Arbeit eines Regisseurs. Für ihn ist die Produktion eines Panoramas eher wie ein Filmdreh, als das Malen eines Bildes. Recherche, Reisen, Fotos: Das alles entsteht oft Jahre vor der wirklichen Produktion eines Werkes. Jedes seiner Panoramen ist bis ins letzte Detail geplant und trotzdem ist der Künstler nie wirklich zufrieden. Ein Lieblingspanorama? So etwas gibt es für ihn nicht. Sonst wäre ja seine Motivation für das Nächste geringer. Asisi ist froh, dass er immer wieder die Möglichkeit hat, sein Werk zu verändern und zu verbessern.

Trotz Rouen in Nordfrankreich und Gesprächen mit Museen in Brasilien und Australien: Yadegar Asisi bleibt Leipzig treu. Für ihn ist die Stadt seiner Kindheit seine Werkstatt. Leipzigs Gasometer ist der Maßstab für alle weiteren Ausstellungsorte. Was da passt, passt überall. Licht- und Größenverhältnisse müssen zuallererst dort stimmen. Deshalb werden alle neuen Projekte dort zuerst zur Probe aufgehangen. Aber nicht nur als Werkstatt, sondern auch als Ausstellungsort ist Leipzig für Asisi wichtig. Nicht zuletzt deswegen, weil die Leipziger Besucher ihn von Anfang an motiviert haben.

"Ich bin sehr dankbar für die Neugier der Leipziger. Die besondere Faszination von den Bildern habe ich wirklich den Leipzigern zu verdanken. Wenn sie nicht gewesen wären, wäre das erste Panorama in Leipzig auch das letzte gewesen."

Unterwasserwelt kommt nach Leipzig

Über geplante Projekte möchte er nichts erzählen, aber das nächste Panorama für Leipzig verrät er dann doch:

"Leipzig wird im nächsten Jahr das Great Barrier Reef bekommen. Die Völkerschlacht wird auf alle Fälle noch bis Ende 2014 hier hängen, aber im Laufe des nächsten Jahres dann ersetzt werden. Das genaue Eröffnungsdatum der neuen Ausstellung wird aber erst in den kommenden Monaten festgelegt. Dann werden wir mal abtauchen ins Korallenriff."

Nach dem Mount Everest und dem Regenwald kommt nun also erneut eine Landschaft. Doch Yadegar Asisi lässt sich nicht in Schubladen stecken. Die Besucher dürften demnächst auf etwas ganz anderes gespannt sein. Vielleicht also kein historisches Ereignis sondern etwas ganz anderes? Eine Marslandschaft oder New York an einem Dienstagmorgen? Wir dürfen gespannt sein. 

Ein Beitrag über das Panometer von Anna Fischer.
 
 

Kommentieren

Anna Fischer
25.08.2014 - 20:05
  Kultur

Yadegar Asisi
1955 geboren in Wien/Österreich
Kindheit und Schulzeit in Leipzig
1973-1978 Architekturstudium an der Fachhochschule Dresden
1978-1984 Malerei-Studium an der Hochschule der Künste Berlin
1987-1994 Lehrauftrag an der Hochschule der Künste Berlin
seit 1996 Professor an der Technischen Hochschule Berlin
2003 Erstes Panometer in Leipzig eröffnet
2006 Panometer in Dresden eröffnet                                                                                                                                     2011 Panometer in Berlin eröffnet

Panometer
Wortschöpfung aus  Panorama und Gasometer.                                                                                                       Yadegar Asisi erfand sowohl Namen als auch Nutzung.

Neuigkeiten finden Sie auf der Panometer-Homepage.