Die Kolumne

Leipzig wächst

Die Kolumne. Immer Freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Til Schäbitz über Lokalpolitik und einen großen An- und Verkauf.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Leipzig wächst - Die Kolumne von Til Schäbitz
Leipzig wächst - Die Kolumne von Til Schäbitz

Fast alle sächsischen Städte verlieren an Einwohnern. Wie sieht es da wohl mit Leipzig aus?

Leipzig wächst.

Ha, krass. Hätte ich ja nicht gedacht.

Wieso so zynisch, du hast doch gefragt?

Schon, aber rhetorisch. Leipzig wächst. Jeder weiß das. Wenn man kleine Kinder fragt was so wächst, dann sagen sie wahrscheinlich nicht mehr Haare oder Pflanzen, sondern Leipzig. Leipzig wächst.

Und so wie ein gewissenhafter Hobbygärtner seine Pflanzen nicht einfach ihrem eigenem Wachstum überlassen würde, so wird auch Leipzig nicht einfach sich selbst überlassen. Wachstum will geregelt sein und deswegen gibt es das INSEK Leipzig 2030: Das integrierte Stadtentwicklungskonzept. Das ist eine lange Zusammenfassung von sämtlichen stadtplanerischen Maßnahmen und dazu noch wundervoll schwammig formuliert.

Aber dadurch können eben auch mehr Fördergelder beantragt werden. Und auch so wurde das Konzept ja bisher noch nicht mal vom Stadtrat beschlossen, das soll erst im Laufe des Jahres passieren.

Auch wenn es noch nicht endgültig beschlossen ist, wir haben uns diese Woche ja mit dem aktuellen Stadtentwicklungskonzept beschäftigt. Wir haben es hinterfragt und auch einige konkrete Projekte vorgestellt. Zum Beispiel die Mobilitätsstrategie oder die Kulturförderung.

Unser Kolumnist Til Schäbitz.
Unser Kolumnist Til Schäbitz.

Und, findest du, dass das Konzept eine richtige Revolution darstellt?

Nein, nicht unbedingt. Es ist ja auch nicht das erste Stadtentwicklungskonzept, sondern das aktuellste. Leipzig befindet sich schon seit einiger Zeit im Umbruch. Im Moment, da hat es einen wahnsinnigen Reiz. Auf der einen Seite gibt es noch leerstehenden Altbau, Projekt-Bars und Dönerläden. Auf der anderen Seite ist es eben auch keine Brachfläche mehr, sondern eine gefestigte Stadt mit ganzen Geschäften, in denen nur Socken verkauft werden. Es fahren seltsame Nachtbusse, deren Abfahrtszeiten zwar leicht zu merken aber irgendwie trotzdem völlig bescheuert sind. Momentan ist Leipzig noch richtig vielseitig. Doch zu dieser Vielseitigkeit, zu all den Sachen die man jetzt gut findet, kam es durch Veränderung.   

Nun werden in den nächsten Jahren ja immer mehr Menschen nach Leipzig ziehen.

Und auch das wird eine Veränderung mit sich bringen.

Ich habe ein Lieblingsbeispiel für die Möglichkeiten der Stadtentwicklung: die Wurzener Straße im Osten. Zurzeit gibt es dort ein An- und Verkauf-Geschäft, das ganze fünf Ladenflächen einnimmt. Da dieses Geschäft eigentlich immer leer ist, würde ich jetzt mal mutmaßen, dass der Laden irgendwann zu machen muss. Dadurch würden plötzlich fünf freie Ladenflächen in einem angesagten Viertel entstehen. Und dann, dann läge es an der Stadtplanung, ob sie ein wenig Subkultur fördern oder möglichst viel Geld machen wollen.

Momentan ist „Leipzig wächst“ eine stumpfe Phrase, das „Danke Merkel“ unserer Lokalpolitik. Doch Leipzig wächst wirklich. Und das birgt viele Möglichkeiten.

 

 

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