Feuchtigkeit im Winter

In Leipzig schimmelt`s

Die Leipziger Altbauwohnungen sind ein beliebtes und bezahlbares Wohndomizil. Doch der Charme verfliegt besonders im Winter, wenn sich Feuchtigkeit in den Wänden breit macht und als Schimmel zeigt. Dann haben Mieter*innen jedoch Rechte.
Schimmel
Schimmel in diesem Ausmaß kann auch im Leipziger Wohnraum ein Problem im Winter sein.

Mit Stuck verzierte Decken, knarzende Holzdielen oder filigran-farbenfrohe Tapeten, welche die Treppenhäuser zieren. Dieser Charme lässt Altbauwohnungen zu beliebten Wohndomizilen werden. Entgegen vieler anderer Studierenden-Städte im Bundesgebiet sind diese in Leipzig auch noch bezahlbar. Wenn sich aber besonders im Winter Feuchtigkeit breit macht, sogar Schimmel entsteht, wird das Wohnen genau dort häufig zum Problem. Oftmals sind daran aber nicht die Mieter selbst schuld.

Vivien Sahre bewohnt mit zwei anderen Studentinnen eine gemütliche Altbauwohnung im Leipziger Stadtteil Reudnitz. Vor knapp zwei Jahren hat sie die WG mitgegründet. Seither breitet sich der Schimmel, ausschließlich in der kalten Jahreszeit, entlang der Balkontür in der Küche aus. Beim ersten Mal hätten die Mieterinnen sofort die Hausverwaltung informiert, welche sich auch umgehend um die Beseitigung des Schimmels gekümmert habe. Doch der Schimmel kam wieder und die Hausverwaltung kümmerte sich nicht mehr, erzählt Vivien:

Beim zweiten Mal haben wir´s leider selber behandelt, da sie sich erst nach drei Wochen gemeldet haben und jetzt ist´s aber leider schon wieder da.

Vivien Sahre, Betroffene aus Reudnitz

Zurzeit sind nur wenige schwarze und grünliche Flecken zu sehen. Doch würden diese nicht behandelt, sei die Wand links neben der Balkontür innerhalb kürzester Zeit von weißem bauschigen Schimmel, gepaart mit noch mehr grünen und schwarzen Flecken übersät. An das Bild aus dem letzten Winter erinnert sich Vivien noch genau. Sie selbst vermutet, dass hinter dem wiederkehrenden Schimmel in der Küche ein nicht-isoliertes Heizungsrohr steckt. Dass der Schimmel auftaucht, weil sie selber zu wenig lüftet, schließt die Studentin aus:

Gerade seitdem wir unsere WG-Katze haben, lüften wir wirklich öfter mal, also die Katze geht öfter raus, die Balkontür immer mal auf und es kommt frische Luft rein,

Vivien Sahre, Betroffene aus Reudnitz

Gesundheitliche Folgen durch Schimmel

Eine weitere Betroffene aus Plagwitz hat ein ganz anderes Problem: Nala hat im letzten Winter durch den Schimmel in ihrem Schlafzimmer gesundheitliche Probleme bekommen:

Ich bin aufgrund von anhaltenden Schnupfen, ohne wirkliche Erkältungssymptome, zum HNO-Arzt gegangen und habe dort einen Allergietest machen lassen, der dann eindeutig auf eine Schimmel-Allergie geschlossen hat

Nala, Betroffene aus Plagwitz

Daraufhin hat sie sofort ihren Vermieter kontaktiert. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Schimmel beseitigt, die Wand komplett aufgeschlagen, neu verputzt und gestrichen. Seither lebt Nala wieder beschwerdefrei. Zwar glaubt sie nicht, dass sie der Auslöser für den Schimmelbefall gewesen sei, klar geworden ist ihr aber trotzdem etwas:

Ich habe daraus gelernt auf jeden Fall regelmäßig zu lüften und zu heizen, was mir damals der Hausmeister auch geraten hat, obwohl ich definitiv nicht der Auslöser für den Schimmelbefall war, sondern eine nasse Wand.

Nala, Betroffene aus Plagwitz

Der Mieterverein berät über die Rechte bei Schimmel 

Dass die Vermieter*in in einem solchen Fall meist die Schuld bei den Mietern sucht, kann Anke Matejka, Vorsitzende des Mieterverein Leipzig e.V., bestätigen. Der Ableger des Deutschen Mietbundes in Leipzig berät Mieterinnen und Mieter über deren Rechte und Pflichten, auch im Fall von Feuchtigkeitsschäden in der Wohnung. Auch mit den gesundheitlichen Folgen, wie denen im Falle von Nala, ist die Rechtsberaterin vertraut und bekräftigt:

Es ist unbestritten, dass Schimmel gesundheitsgefährdend ist.

Anke Matejka, Vorsitzende des Mieterverein Leipzig e.V.

Jedoch müsse man sich auch im Klaren darüber sein, dass Schimmelsporen nahezu überall in der Luft seien. Die Beraterin des Leipziger Mieterbunds pointiert daher, man müsse genau schauen, inwieweit das Recht zur fristlosen Kündigung greifen kann, wenn die Vermieter*in seiner Beseitigungspflicht nicht nachkomme. Das ist jedoch der Extremfall. Anke Matejka erklärt, welche Pflichten davor sowohl Mieter*innen, als auch Vermieter*innen haben:  

Wenn ich als Mieter feststelle, dass ich in der Wohnung Schimmel habe, dann bin ich als Mieter auch verpflichtet, den Vermieter darüber in Kenntnis zu setzen, damit er auch die Möglichkeit hat, gegen diesen Mangel etwas zu unternehmen.

Anke Matejka, Vorsitzende des Mieterverein Leipzig e.V.

Währenddessen sei die Vermieter*in in der Beweispflicht. Man müsse darlegen, dass nicht Baumängel ursächlich für den Schimmelbefall seien. Um das zu beweisen, muss die Vermieter*in einen speziellen Gutachter einschalten. Erst wenn dieser bestätigt, dass keine Baumängel vorliegen, können die Mieter in die Pflicht genommen werden. Die Vermieter*in müsse im nächsten Schritt dem Mieter oder der Mieterin dann nachweisen, dass diese falsch geheizt oder gelüftet habe. 

Der Mieterverein macht deutlich, dass Baumängel Grund für die zunehmenden Feuchtigkeitsschäden im Leipziger Wohnraum sind. Besonders bei den ersten großen Modernisierungsmaßnahmen nach der Wende seien viele Fehler gemacht worden: Neue Fenster wurden eingebaut, die nicht zur alten Bausubstanz passten, Kältebrücken entstanden, weil etwa Balkone falsch angebaut wurden. Die Folge: Feuchtigkeit und Schimmel zeigen sich besonders im Winter, bestätigt auch dessen Vorsitzende Anke Matejka.

Die fürs Stadtbild typischen Altbauten sind nach wie vor ein beliebter Wohnraum der Leipziger und Leipzigerinnen.Trotzdem rächen sich nach Einschätzung des Mietvereins auch heute noch die Fehler, die bei der Modernisierung nach der Wende gemacht wurden. 

Den ganzen Beitrag können Sie hier Nachhören: 

Der Bericht von Chiara Kempers und Theresia Lutz über Feuchtigkeitsschäden im Winter im Leipziger Wohnraum
 
 

Kommentare

Zitat: Sie selbst vermutet, dass hinter dem wiederkehrenden Schimmel in der Küche ein nicht-isoliertes Heizungsrohr steckt. Dass der Schimmel auftaucht, weil sie selber zu wenig lüftet, schließt die Studentin aus.
:
Schimmel entsteht an der warmen Innenseite ausgekühlter Außenwände. Die in der warmen Raumluft enthaltene Feuchte kondensiert an der kalten Außenwand. Hier hilft nur Heizen und ( bei trockener Außenluft ) lüften. Ein Heizluft-Gebläse hilft auch sehr gut. Das nicht isolierte Heizungsrohr hilft zusätzlich. Die Wand muss einfach mit Luftwechsel trocken gehalten werden. Es ist Sache des Mieters ausreichend zu heizen.

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