Theater von Asylsuchenden in Leipzig

Leipzig mit anderen Augen sehen

In den Cammerspielen ist nach der Sommerpause ein besonderes Projekt an den Start gegangen. Ein Theaterstück von und mit Asylbewerbern, mit und in einem Bus.
Die Reisegruppe heim-weh unterwegs

Die Zuschauer werden freundlich gebeten jetzt einzusteigen. Die Eintrittskarte zerrissen, den Rucksack verstaut, dreht der Busfahrer den Zündschlüssel und es geht los auf eine Stadtrundfahrt. Natürlich kennt man Leipzig, aber nicht so, wie es Flüchtlinge kennengelernt habe. Leipziger Asylbewerber haben mit den Cammerspielen Leipzig ein Theaterstück auf die Beine gestellt, welches nicht auf einer Bühne, sondern in einem Bus läuft. Ständig hört man über geplante Schließungen von Unterkünften für Flüchtlinge, von Protesten gegen die Unterbringung an anderer Stelle. Julia Lehmann, eine der zwei Projektleiterinnen, sagte es soll, abseits von politischen Debatten über die Asylbewerber, ein Kontakt auf persönlicher Ebene geschaffen werden:

„Für uns war glaub ich das Ziel,dass man einzelne Menschen die aus ihren Ländern geflüchtet sind und hier nach Leipzig gekommen sind […] kennenlernt. Dass es eine Begegnung auf einer anderen Ebene gibt, die eben nicht dem politischen Diskurs entspricht, die nicht eine Debatte über diese Leute ist, […] einfach eine persönliche Begegnung zu schaffen […].“

Ein Konzept geht auf

Hinter den großen Fenstern eines Reisebusses ist man wenigstens im Kopf vor der bösen Welt da draußen sicher. Gucken, aber nicht anfassen. In Leipzig lebten Ende des Jahres 2013 gerade 646 Asylbewerber. Oder auch 0,12% der Leipziger Wohnbevölkerung (Sozialamt der Stadt Leipzig) und in diesem Reisebus ist man nicht am Problem, sondern an den Betroffenen, was das schlagende Argument für das Stück ist.

Reisegruppe heim-weh gibt den Zuschauern Denkanstöße, Geschichten und eine neue Perspektive auf ein Themengebiet, welches die meisten von uns direkt oder indirekt betrifft. 

mephisto97.6-Reporter Lucas Wija über die Reisegruppe Heimweh.
Reisegruppe Heimweh
 

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