Armut

Leipzig ist Armutshauptstadt

Die Armutsquote in Leipzig liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. So ist jeder vierte Bürger in Leipzig von Armut betroffen, muss also von weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens leben. Woran liegt das? Und was kann man dagegen tun?
Jeder fünfte Leipziger ist arm.

Von den 15 deutschen Großstädten ist Leipzig die Stadt mit der höchsten Armutsquote – die Armut liegt hier bei 25,1 Prozent. Das geht aus einer neuen Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor. Dafür gibt es vor allem drei Ursachen, weiß Joachim Ragnitz vom ifo-Institut in Dresden: Zum einen werden die Armutsquoten am gesamtdeutschen Durchschnittseinkommen gemessen, welches in Sachsen insgesamt schon gering ist. Zusätzlich dazu fußt die Wirtschaftsstruktur in Leipzig eher auf den Niedriglohnsektor, was dazu führt, dass dort auch nur niedrigere Einkommen erzielt werden. Und nicht zuletzt sollte man bedenken, dass zehn Prozent der Einwohner Leipzigs Studenten sind, die typischerweise ein geringes Einkommen haben.

Ganz wichtig bei der Bekämpfung dieser hohen Armut sei es, die Wirtschaftspolitik stärker daraufhin auszurichten, höherwertige Arbeitsplätze anzusiedeln, so Joachim Ragnitz:

Man muss versuchen, noch mehr Industrie ins Land zu holen, oder in die Region zu holen, und da Industrie dann eben nicht mehr so im Niedriglohnbereich, sondern welche, die auch wirklich eine hohe Wertschätzung erlauben. Das heißt, da muss man stark auf Forschung, Entwicklung dann aufbauen, um auf diese Art und Weise dann auch forschungsintensive Unternehmen hierher zu kriegen.

Joachim Ragnitz, ifo-Institut

Auch könnte man solche höherwertigen Arbeitsplätze über mehr Ausgründungen aus der Uni schaffen, schlägt Ragnitz vor. Er weist aber ebenso darauf hin, dass die Armutsquoten in Großstädten generell relativ hoch seien, das heißt zwischen 20 und 25 Prozent. Das liegt vor allem daran, dass Großstädte eine "enorme Anziehungskraft auf Leute ausüben, die nicht so ein hohes Qualifikationsniveau haben", also von Hartz IV oder Arbeitslosengeld leben. Deshalb könne man in Leipzig  letztendlich relativ wenig tun.

 

mephisto 97.6-Redakteurin Nora Toaspern im Gespräch mit Joachim Ragnitz vom ifo-Institut.
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Pauline Bombeck
20.02.2015 - 20:11