Schulalltag

Lehrkräftemangel - ein riesiges Problem

In vielen Grundschulen starteten die Kinder bereits in das neue Schuljahr. Rund 38600 Erstklässler_Innen gab es in diesem Jahr in ganz Sachsen. Das ist natürlich eine gute Nachricht. Andererseits bedeutet das auch einen verstärkten Lehrkräftemangel.
Beispielbild Klassenzimmer
Klassenzimmer

Das Problem ist kein neues. Jedoch fehlen zur Zeit 40 000 Lehrer_Innen in ganz Deutschland. Das ist so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr. 10 000 Stellen sind komplett unbesetzt und 30 000 weitere Stellen werden durch Quereinsteigende, Studierende oder Pensionisten besetzt.

In Sachsen fehlen ganz konkret rund 250 Lehrkräfte. Besonders betroffen sind im Freistaat Ostsachsen und Chemnitz. Aber auch Leipzig konnte nicht alle Stellen besetzen. An Oberschulen und Förderschulen sei das Problem am größten. Dort ist zum Einen ein höheres Fachwissen gefragt, aber auch die pädagogische Ausbildung spielt eine große Rolle.

 

Junge Lehrkräfte ziehen weg aus Sachsen

Gründe für den Lehrkräftemangel sind zum Einen, dass rund 27000 von insgesamt 33000 sächsischen Lehrer_Innen über 42 Jahren sind. Das bedeutet auch, dass viele in Rente gegangen sind. Zum Anderen haben sich in den letzten Jahren immer weniger Menschen für ein Lehramts- oder Sonderpädagogikstudium entschieden. Außerdem seien Sachsens Schulen nicht attraktiv genug. Somit ziehen viele junge Menschen in andere Bundesländer um, um dort in den Beruf zu starten.

 

Versäumung bereits in den letzten Jahren

Die Ursachen für den Mangel sind jedoch nicht ganz so einfach und liegen weiter zurück. Besonders die Jahre 2009 bis 2014 seien für die Deckung des Lehrkräftebedarfs verheerend gewesen.

Die damalige Koalition aus CDU und FPD hat personalpolitisch im Schulbereich versagt.

Ursula Kruse, Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Bildung

Insgesamt wurden in der Vergangenheit viel zu wenig Lehrerkräfte eingestellt.

 

Oft langwieriger Unterrichtsausfall

Im Schulalltag spüren alle Beteiligte den Mangel deutlich. Vor allem in den Nebenfächern oder Kreativfächern wie Musik und Kunst kommt es immer häufiger zu Ausfällen. Dieser Ausfall beschränkt sich in einigen Fällen zwar nur auf ein paar Stunden, aber immer häufiger fällt ein Fach auch für ein halbes Jahr aus. Das sagt Noah Wehn, der Vorsitzende des Landesschülerverbandes aus eigener Erfahrung. Laut Noah leiden darunter vor allem Fächer, die als eher nebensächlich abgetan werden. Das Fehlen von Ersatz ist jedoch ein echtes Problem, denn die Schüler_Innen seien dann nicht in der Lage die Prüfungen abzulegen. Auch Quereinsteigende könnten keine Dauerlösung sein. Das Fachwissen sei zwar meist vorhanden, aber oft könne es nicht richtig vermittelt werden.

 

Maßnahmenprogramm soll helfen

Eine Maßnahme um dem Ganzen entgegen zu wirken ist ein Maßnahmenprogramm, das durch das Kultusministerium im März 2018 verhandelt wurde. Es wird in den nächsten Landtag eingebracht und soll ab 2019 in Kraft treten. Mit dem Programm sollen 1,7 Milliarden Euro investiert werden. Eine hohe Summe soll in die Verbeamtung von Lehrkräften unter 42 Jahren fließen. Damit sollen vor allem junge Menschen für den Lehrerberuf angeworben werden. Auch die Bezahlung soll insgesamt angehoben werden.

Wir dürfen von dem Handlungsprogramm keine kurzfristigen Wunder erwarten, da muss man realistisch bleiben. Die Situation wird sich erst in den nächsten 2-3 Jahren verbessern.

Dirk Reelfs, Pressesprecher des Kultusministeriums

Dirk Reelfs hofft jedoch, dass nicht mehr so viele junge Lehrkräfte die auch in Sachsen ausgebildet wurden, nicht mehr den Freistaat verlassen.  Das war auf Grund von besseren Konditionen in anderen Bundesländern meist der Fall.

 

Die Schüler_Innen und Eltern können sich also vorerst auf weiteren Unterrichtsausfall einstellen und die Lehrkräfte auf mehr Überstunden.

Unseren Beitrag zum Lehrkräftemangel von Johanna Honsberg gibt es auch hier zum Nachhören:

 

 

 

Der Bericht von Johanna Honsberg
 
 

Kommentieren