Politik

Lehrerverbeamtung - das Allheilmittel?

1600 Lehrkräfte fehlen an Sachsens Schulen pro Jahr. Die Politik will dieses Problem jetzt mit der vorübergehenden Verbeamtung lösen. Aber wer wird überhaupt verbeamtet und löst das tatsächlich das Problem des Lehrkräftemangels?
ab 01.01.2019 wird in Sachsen die Lehrerverbeamtung vorübergehend eingeführt

In fast allen Bundesländern werden Lehrkräfte verbeamtet. Nur in Berlin und Sachsen ist das nicht der Fall. Hier sind alle Lehrkräfte Angestellte einer Schule, nicht Beamte eines Staates. Die Zuständigen in der Politik glauben, dass der Beruf in Sachsen dadurch weniger attraktiv auf junge Menschen wirkt. Damit begründen sie auch den akuten Lehrermangel in Sachsen und die Abwanderung von Studierenden in andere Bundesländer. Lehramtsstudentin Eva gibt ihnen da Recht.

Aber nicht nur wegen des Geldes, sondern weil ich auch die Möglichkeit haben will mich zu entscheiden, möchte ich verbeamtet werden oder nicht. Und wenn ich die Möglichkeit habe zu wählen, dann gehe ich fürs Referendariat in ein Bundesland wo es beide Möglichkeiten gibt.

Eva Schotters, Lehramtsstudentin in Leipzig

orübergehende Lehrkraftverbeamtung in Sachsen

Jetzt wird in Sachsen die vorübergehende Verbeamtung eingeführt. Ab 2019 erhalten neue, grundständig ausgebildete Lehrkräfte das Angebot sich verbeamten zu lassen. Das gilt auch für Lehrkräfte, die bereits länger im Dienst sind. Für die gilt aber ein Kriterium, nämlich das Alter. Lehrkräfte, die älter als 42 Jahre sind, können nicht verbeamtet werden. Für die sieht der Staat aber eine Ausgleichszahlung vor, damit sie sich nicht benachteiligt fühlen.

Von den 33.600 Lehrkräften in Sachsen kommen aber ohnehin nur rund 20% für eine Verbeamtung in Frage. Die Linke sieht das als Problem:

Wir haben bereits die Situation, wir haben die grundständig ausgebildeten Lehrer, die seit Jahren den Schuldienst sichern, unter schlechter werdenden Bedingungen. Wir haben das massive Zuströmen von Seiteneinsteigern, wir haben Gymnasiallehrer mit einer besseren Bezahlung als vergleichbare grundständig ausgebildete Grundschullehrer an den Grundschulen. Und jetzt kommt die Lehrerverbeamtung dazu. 

​Thomas Dudzak, Landesgeschäftsführer der Linken

Im vergangenen Jahr waren ein Drittel der Neueinstellungen in Sachsen Quereinsteigende – also Lehrkräfte, die keinen Pädagogik-Abschluss, sondern ein Fachstudium vorweisen können. Mit der Verbeamtung soll es in Zukunft wieder weniger Quereinsteigende geben. Stattdessen sollen die Stellen wieder mit mehr Lehramtsstudenten besetzt werden. Dafür will man Sachsens Schulen attraktiver machen, damit die Lehramtsstudenten nach ihrem Studium nicht in ein anderes Bundesland ziehen. Eva wäre darüber glücklich.

Ich würde mich über die Möglichkeit freuen verbeamtet zu werden. Um in dem Land in dem ich jetzt 5 Jahre studiert habe auch weiter Leben zu können.

Eva Schotter, Lehramtsstudentin aus Leipzig

Der Schlüssel ist das Lehramtsstudium

 

Der sächsische Landesschülerrat hingegen sagt, das größte Problem liege genau bei den Lehramtsstudierenden. Von denen gebe es zu wenig und das müsse sich ändern.

Aus unserer Sicht ist ein erster Schritt an das Studium heranzugehen, ein paar Inhalte zu entschlacken. Wir haben immer noch Unterrichtsstoff der zwar sicherlich zu Bildung der Lehramtsstudenten beiträgt, aber ihnen in ihrem Berufsleben nicht ´s helfen wird. Deshalb sollten dort etwas mehr Methoden vermittelt werden, damit das Lehramtsstudium attraktiver wird.

Erik Bußmann, Geschäftsführer des Landesschülerrates

Lehrkräfte werden nicht eingestellt

 

Ein attraktiveres Lehramtsstudium soll mehr Studierende in Sachsen gewinnen. Die haben laut der Linkspartei aber eher schlechte Chancen, in Sachsen eine Arbeitsstelle zu finden.

Die Lehrer bewerben sich hier als Angestellte in Sachsen und bekommen keine Anstellung. Die Verbeamtung ist der Versuch einer politischen Lösung für ein verwaltungstechnisches Problem. Wir sind immer noch in der Situation: die Lehrer sind da, sie werden aber nicht eingestellt.

Thomas Dudzak, Landesgeschäftsführer der Linken

 

Die Verbeamtung in Sachen ist vorerst auf 4 Jahre beschränkt. Kosten wird das knapp 2 Milliarden Euro. Der Geschäftsführer des sächsischen Landesschülerrates Erik Bußmann sieht das aber nicht als Zukunftslösung.

Ich glaube das die Verbeamtung keine Zukunftsfeste Lösung ist, am Ende müssen es die Leute zahlen die jetzt in der Schule sind. Das heißt die Schüler werden dafür bezahlen das ihre Lehrer ein bisschen mehr Geld verdienen. Und wir glauben für eine Zukunftsfeste Lösung, und bei Bildung geht es immer um Zukunft, ist die Verbeamtung nicht der richtige Weg.

Erik Bußmann, Geschäftsführer des Landesschülerrates

 

Die Verbeamtung von Lehrkräften in Sachsen bleibt umstritten. Sie allein wird den Lehrermangel nicht lösen. Aber vielleicht ist das ein erster Schritt um im Wettkampf mit anderen Bundesländern zu bestehen.

 

Den Beitrag gibt es hier zum Nachhören:

Ein Bericht von Josephine Kahnt
Lehrerverbeamtung - das Allheilmittel?

 

 

 

 

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Josephine Kahnt
19.04.2018 - 13:17