Film Rezension

Lautes Gebrüll und leise Pfoten

Nach seinem Debüt in "Captain America: Civil War" bekommt Superheroneuling Black Panther nun auch seinen eigenen Film. Ob Marvels Versuch, noch einen weiteren Aspekt in sein bereits reiches Filmuniversum einzufügen, gelingt?
Black Panther
Ein neuer Marvel-Held zeigt seine Krallen

Was bisher geschah...

Der Film setzt direkt nach den Ereignissen von Civil War an. Da hatte der rachsüchtige Helmut Zemo die Avengers so manipuliert, dass sie sich in zwei widerstreitende Lager aufteilten. Zu seinem Plan gehörte auch ein Anschlag, bei dem, der König des fiktiven afrikanischen Staates Wakanda ums Leben kam. Sein Amt fiel somit an seinen Sohn T´Challa, der später auch unter der Geheimidentität Black Panther an der Seite Captain Americas kämpfte.

Entdecker haben danach gesucht. Nannten es Eldorado. Sie suchten danach in Südamerika. Dabei liegt es in Afrika.

Ulysses Klaue

Story

Wieder zurück in Wakanda, bereitet T´Challa gemeinsam mit seiner Familie die Machtübertragung vor. Nach dem Tod seines Vaters ist es nun an ihm, den Thron zu besteigen, was für den jungen Prinzen viele Zweifel mit sich bringt. Dennoch gehen T´Challa und seine königliche Garde ihren gewohnten Aufgaben nach. Sie beschützen gleichzeitig Wakanda vor Menschenhandelnden und sorgen dafür, dass der wahre Reichtum ihres Landes ein Geheimnis bleibt, denn hinter einer großen holografischen Kuppel befindet sich das echte Wakanda.

Dieses ist kein armer Zwergstaat, wie die Öffentlichkeit annimmt, sondern eine reiche und technologisch hochentwickelte Zivilisation. Ihren Stand verdanken sie einem seltenen und höchst vielseitigen Metall namens Vibranium, das vor tausenden Jahren als Meteor auf die Erde fiel. Mit seiner Hilfe entwickelten die Urbevölkerung des Landes Technologien, die alles übertreffen, was es im Rest der Welt gibt.

Stets finden sich neue Anwendungsmöglichkeiten für Vibranium, meist durch T´Challas hochintelligente Schwester Shuri. Neben ihr unterstützen ihn seine Mutter Ramonda, seine frühere Geliebte Nakia und Priester Zuri. Nachdem T´Challa zum König gekrönt wurde, stellt sich ihm hauptsächlich eine Frage. Sollte er die beträchtlichen Ressourcen Wakandas nutzen, um  ärmeren Regionen zu helfen, oder die Sicherheit und Unabhängigkeit seiner Heimat bewahren.

Du musst entscheiden, was für ein König du sein willst.

Nakia

Doch bevor er sich hinreichend damit beschäftigen kann, klopft gleich doppelt Ärger an seine Tür. Einerseits der durchgeknallte Waffenhändler Ulysses Klaue, der das Vibranium für seine Zwecke nutzen möchte und der Sohn des verstoßenen Onkels T´Challas, Erik Killmonger. Dieser reist nun auch nach Wakanda und erhebt Anspruch auf den Thron.

Umsetzung

Wieder einmal führt Marvel eine neue fantastische Welt in sein mittlerweile gigantisches Filmuniversum ein. Wakanda zeigt sich uns als eine Welt, die Futuristisches mit Bekanntem vermischt. Zentralafrikanische Architektur und Tradition treffen auf Hochtechnologie. Was herauskommt funktioniert für den Film überraschend gut. Die unwirkliche Szenerie spiegelt sich auch im Soundtrack, in dem orchestraler Bombast auf exotische Flötentöne trifft.

Chadwick Boseman spielt T´Challa. Sein äußerer und innerer Kampf als Thronfolger von Wakanda ist stets glaubhaft und nachvollziehbar. Ebenso Letitia Wright als Shuri, Angela Basset als T´Challas Mutter Ramonda und Martin Freeman als CIA-Agent Everett Ross gelingt es, sympathische Figuren auf die Leinwand zu bringen. Die größte Überraschung dürfte aber Michael B. Jordans Erik Killmonger sein. Seit Loki hatte Marvel keinen so vielschichtigen und spannenden Bösewicht mehr. T´Challas verfeindeter Cousin befindet sich während des Films auf seiner ganz eigenen Reise und man fiebert mit ihm fast genau so sehr mit, wie mit T´Challa.

Obwohl Marvel hier einmal mehr ein optisches Feuerwerk mit erstklassigen Effekten gelungen ist, gibt es Schwächen bei den Kämpfen. Zwar sind die Massenkämpfe gut choreografiert und sehen auch beeindruckend aus, doch offenbaren sich deutliche Einbrüche sobald es um Nahkampfszenen geht. Diese sind viel zu schnell geschnitten und damit schwer zu verfolgen. Auch der marveltypische Humor wird wahrscheinlich nicht allen gefallen. Viele Szenen, die normalerweise tragisch oder dramatisch wären, werden durch Slapstickhumor aufgeweicht. Das beste Beispiel dafür ist Andy Serkis´ Waffenschieber Klaue. Dieser wirkt in seiner klischeehaften Boshaftigkeit so, als sei er direkt einem Nachmittagscartoon entsprungen.

(Boshaftes Lachen) Ich kann euch sehen. (Boshaftes Lachen)

Ulysses Klaue

Fazit

"Black Panther" ist ein guter Marvel- Film, doch nicht nur das. Er ist auch ein guter Film an sich. Wer das Marvel Cinematic Universe verfolgt, wird sich den Film ohnehin ansehen, doch auch Filmfreunde, die vor ein bisschen Überzeichnung und Absurdität nicht zurückschrecken, sei der Streifen zu empfehlen. Ein spannendes Setting, sympathische Figuren und ein tiefgehender Schurke. Wer sich gern mal einen etwas anderen Superherofilm ansehen will, ist mit "Black Panther" auf jeden Fall gut beraten.

"Black Panther" - eine Filmrezension von Johannes Bundemann

Sprecher: Johannes Bundemann

Ausschnitte: Marvel Studios

Filmrezension: Black Panther - Johannes Bundemann
 

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