Oper Leipzig

La Cenerentola - Märchenhafte Premiere

Am Samstag feierte Gioacchino Rossinis Aschenputtel - Vertonung "La Cenerentola" ihre Premiere an der Oper Leipzig. Das Stück ist eine Koproduktion mit der Opera Queensland und der New Zealand Opera
Der Prinz bittet Cenerentola um ihr Hand
„Darf ich um Eure Hand bitten?“ Angelina (Wallis Giunta) und Don Ramiro (Matteo Macchioni)

Die Verwandlung vom grauen, hässlichen Entlein zur schwanengleichen Schönheit ist eines der beliebtesten Märchenmotive. Denn wer träumt nicht insgeheim davon, einmal aus dem grauen Leben in eine schillernde und glamouröse Welt zu entfliehen?  Doch geht es hierbei nicht um die rein äußerliche Metamorphose, sondern vielmehr um das Sichtbarwerden der unter Staub und Asche verborgenen inneren Schönheit. Nicht umsonst gibt es von dem Märchen zahllose Varianten, die hierzulande bekannteste ist sicherlich die der Gebrüder Grimm. Doch anders als bei den Gebrüdern Grimm gibt es bei Rossinis halbernstem "dramma giocoso" keine märchenhaften Elemente wie Feen oder Zaubereien, auch verliert Aschenputtel keinen Schuh, sondern ergreift selbst die Initiative und gibt dem Prinzen Don Ramiro einen Armreif als Erkennungszeichen. Dafür wird das Stück um zahlreiche komische Elemente erweitert. Rossinis Librettist Jacopo Ferretti lässt Herr und Diener die Rollen tauschen, um durch diese Verkleidung die richtige Braut zu finden. Den Stiefvater Don Magnifico skizziert Ferretti als abgehalfterten, fetten Trunkenbold, dessen eitle Töchter, im vergeblichen Bemühen dem vermeintlichen Prinzen gegenüber möglichst damenhaft zu erscheinen, sich ebenso wie ihr Vater lächerlich machen. Doch natürlich erkennt der Prinz in der rußverschmierten Angelina seine Frau fürs Leben und dem Happy-End steht nichts mehr im Weg. 

Don Magnifico und seine Töchter
 
Eva Hauk im Gespräch mit Moderator Yannick Jürgens über die Premiere von "La Cenerentola"
Eva Hauk im Gespräch mit Moderator Yannick Jürgens über die Premiere von "La Cenerentola"
Regisseurin Lindy Hume versetzt das Stück in die Zeit um 1830 nach Großbritannien. Das prächtige und detailverliebte Bühnenbild von Dan Potra spielt mit vielen optischen Motiven, die zum Teil auch an Charles Dickens erinnern. Das Schloss des Prinzen wird, wie um dem Märchenhaften des Stücks den Kitsch zu nehmen, als Miniatur im Hintergrund vor künstlich aufgerolltem Rasen mit großen Büschen dargestellt. Die Inszenierung ist schwungvoll und witzig wie die Vorlage: als Gag treten zum Beispiel Teile des Männerchors als Frauen verkleidet auf und bei der Selbstinszenierung der narzisstischen Stiefschwestern Clorinde und Tisbe fehlt nur noch der Selfie-Stick, um das perfekte Bild zu schießen und sogleich bei Instagram hochzuladen. Auch Anspielungen auf die britische Monarchie gibt es: Als das Brautpaar sich auf dem königlichen Balkon zeigt und vom Fähnchen schwenkenden Volk bejubelt wird, denkt man unweigerlich an die Hochzeit von Herzogin Kate und Prinz William, ebenfalls eine Heirat über die soziale Kluft hinweg.

Brillante Koloraturen und lyrische Kantilenen

Die virtuose Titelrolle von Rossinis Belcanto-Märchen wurde von Neuzugang Wallis Giunta gesungen, die sich als absolute Idealbesetzung erweist. Die Mezzosopranistin meistert sowohl die anspruchsvollen Koloraturen als auch die Legato- Passagen mit wundervoller Leichtigkeit und Gefühl und haucht so der liebenswerten Heldin musikalisches Leben ein. Da bleiben sowohl sängerisch als auch darstellerisch keine Wünsche offen und man darf darauf gespannt sein, die Sängerin in weiteren Rossini-Rollen zu hören. Bei den Männern stach vor allem Bariton José Fardilha mit herrlich komödiantischem Spiel als abgewirtschafteter und aufgeblasener Don Magnifico hervor, aber auch Matteo Macchioni als Don Ramiro wurde der schwierigen Partie, für die ein leichter und wendiger Tenor notwendig ist, absolut gerecht. Das Ensemble wurde komplettiert von Matthias Hausmann, der mit warmem Bariton den Kammerdiener Dandini gibt, der es sichtlich genießt, mal den Herren spielen zu dürfen. Sejong Chang singt den noblen Berater und Philosophen Alidoro und Jennifer Porto und Sandra Janke dürfen sich als zickige Stiefschwestern schauspielerisch schön austoben. Anthony Bramall entzündete ein musikalisches Belcanto-Feuerwerk und dirigierte flott aber dennoch exakt, was bei Rossinis sprudelnden Parlandi und virtuosen Verzierungen ungemein wichtig ist.

Das Premierenpublikum war restlos begeistert und spendete allen Beteiligten viel Applaus und Bravorufe. Fazit: Ein zeitloses Märchen nicht nur für Kinder.

Ensemble

 

 

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Eva Hauk
23.03.2016 - 17:03
  Kultur

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