Theaterrezension

Kult des Selbst

Auf der Bühne liegen Steine. Sie werden geworfen, auf sie wird getreten, sie werden ins Publikum gegeben, und Steine sind Handwerk und Handwerk kann man lernen - "Kult"
Kult.
Der Theaterclub "Sorry, eh!" bei der Premiere des Stücks "KULT."

Donnerstagabend 18:30 Uhr: In der Diskothek, auf der Bühne des Schauspiels Leipzig, stehen die Darstellenden nicht alleine, sondern im Chor. Und doch tritt am Anfang des Stückes eine Einzelne hervor und beginnt ihren Monolog, spricht das Publikum direkt an. Wer soll ich sein? Und: Wie wollt ihr mich?

Die gespielte Person - es gibt sie noch gar nicht.

Das Stück "Kult" von Falk Richter befasst sich mit Selbstinszenierung und Repräsentationen in den Medien sowie der Suche nach den wahren Gefühlen.
Der Theaterjugendclub „Sorry eh!“ inszeniert das in Fragmenten. Szenen und Monologe sind durch Themen verbunden und werden aneinandergereiht – witzig ausgelassen und energiegeladen springen, tanzen und stürmen sie die Bühne, brüllen und krächzen und singen.
Dabei werden auch das Publikum in das Stück mit eingebunden, halten Steine für die Darstellenden oder werden direkt angesprochen. Auch geht es um die Beziehung zu Anderen und Emotionen.

Ist das die Stelle mit dem wahren Gefühl?

Das Auseinandersetzen mit Emotionen, die in der Medienwelt zu kurz kommen, setzen die jungen Darstellenden mit viel Elan in Monologen und Dialogen um:

Oder wie man das jetzt so nennen soll, und irgendwie vage, wie so die vage Idee von einer Sache, die hinter einem liegt, weil man bereits daran vorbeigejagt ist.

Wenn 'auf dem Klo hinsetzen' in der WG als laminiertes Schild hängt

Das Zwischenmenschliche steht auch im Fokus der Auseinandersetzung, während Beziehungsprobleme und WG-Streits in Monologen und Dialogen werden. Dabei wirken manche Szenen geradezu entwaffnend und anrührend.
Die Schauspiler und Schauspielerinnen nutzen während ihrer Inszenierung das simpel gehaltene Bühnenbild aus – sie hantieren, drohen mit Backsteinen und lassen sie lauthals fallen. Auch die glänzenden Kostüme werden kommentiert und zum Teil der Inszenierung, als ein quietschendes Mädchen die Zuschauenden darauf hinweißt, dass sie im Dunkeln sitzen, während sie im Licht scheint - damit setzt sich auch die Kritik des Mediums Theater fort, das sich selbst hinterfragt.

Das Stück, das mit einem Ruck anfängt, klingt dann langsam mit den Akteuren, die auf der Suche nach dem wahren Gefühl die fabrizierte Welt kurz hinter sich lassen, aus.
Diese Szene ist sogar erst vor Kurzem gebaut worden – die Arbeit an dem Stück verlief bis in den Tagen vor der Premiere intensiv. Das Thema des Stücks haben die jungen Schauspielenden und der Regisseur sich zusammen erarbeitet. Anstatt von einem Stück auszugehen, setzte sich die Gruppe zusammen, besprach Themen, Romane und Dramen, die sie interessierten und entschlossen sich letztendlich für "Kult" von Frank Richter:

Das lag dann auch irgendwann auf dem Stapel von dem, was wir so gelesen haben.

Yves Hinrichs

Bei diesem Stück bot sich die Arbeit in Fragmentform an – ein großer Vorteil für die Akteure, denn nach Yves haben somit alle 22 Darstellenden auch die Chance, außerhalb des Chors ihr Können zu zeigen. Den talentierten Schauspielenden konnte man gebannt folgen.

Sie feierten diesen ersten Durchgang mit Sekt, draußen an den runden Tischen knapp am Regen vorbei.  
Empfehlenswert ist das Stück für alle, die keine Angst vor Interaktion mit den Darstellenden haben, die sich auf ein fragmenthaftes Stück mit vielfältigen Szenen einlassen wollen.

 

Die Rezension zu "Kult" finden Sie hier zum Nachhören:

Theaterrezension Kult von Nicole Collignon

Manuel Anhut

Theaterrezension Kult
 

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