Interview mit Jain

Küsschen links, Küsschen rechts

In Frankreich avanciert sie im jungen Alter fast schon zum Superstar: Die Musikerin Jain ist mit ihrem Debütalbum "Zanaka" dieses Jahr durchgestartet. Wir haben die junge Französin nach ihrem Konzert auf dem Sziget Festival getroffen.
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Die Musikerin Jain lässt sich nicht blenden.

Ach, Weltenbummler müsste man sein. Die unterschiedlichsten Kulturen und Eindrücke. Und immer wieder neue, spannende Musik. So muss zumindest die Kindheit der Musikerin Jain gewesen sein. Ihre ersten musikalischen Schritte macht die Französin mit sieben Jahren – im Süden Frankreichs. Ihre Eltern wollen, dass sie ein Instrument lernt. Die Wahl fällt auf das Schlagzeug. Zwei Jahre später zieht Jain mit ihrer Familie nach Dubai – dort erlernt sie das traditionelle Instrument Tabla. Spätestens als die Französin im Jugendalter in Kongo lebt, ist klar: Musik soll ihr Lebensinhalt werden. Mit 23 Jahren veröffentlicht sie in Frankreich ihr erstes Album „Zanaka“. Auf dem bietet Jain Popmusik mit einem orientalischen Touch. Die Platte ist gefällig und doch voller feiner Einzelheiten. Die musikalischen Einflüsse sind dabei divers und klar erkennbar. Die Songs hat Jain dabei allesamt selbst geschrieben – und zwar im Schlafzimmer.

Man kann sagen, dass ich so etwas wie ein Bedroom-Composer bin. Ich habe mein ganzes Material in meinem Zimmer und mache alle Demos bei mir. Wenn ich mit denen zufrieden bin, gehe ich zu meinem Produzenten. Der hilft mir dann beim „Upgraden“ der Songs und spielt ein paar zusätzliche Gitarren ein.

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Eine klassische Popmusikerin ist sie damit nicht. Jain versteckt sich nicht hinter einer Fassade von Songwritern. Die 24-jährige ist down-to-earth und begrüßt jeden Journalisten mit Küsschen links, Küsschen rechts. 

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Die Musik ist für Jain eher ein Gesamtkunstwerk. Für die Live-Shows hat sie extra Visuals produzieren lassen. Sie selbst verzichtet auf krasse Kostüme und trägt immer ein altmodisches, schwarzes Kleid – auf dem Albumcover wie auf der Bühne.

Ich wollte etwas, was im Kontrast zu meiner Musik steht. Etwas Unerwartetes: Mein Sound ist ja schon sehr poppig, aber in die Richtung wollte ich nicht gehen. Das haben wir ja alles schon gesehen. Ich wollte gerne mit dieser klassischen, strikten Seite spielen, die gar nicht zur Musik passt.

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Seit dem Release ist Jain ohne Unterbrechung auf Tour. Vor allem in Frankreich begeistert sie die große Masse. Auf dem Sziget Festival zieht sie am späten Nachmittag eine Menge Leute an. Der Großteil: tanzende Franzosen. Das Live-Set ist deutlich energischer. Jain zieht ihre Songs oft in die Länge und integriert Spring-Passagen. Da hilft es, dass auch auf der Bühne alles ihrer Kontrolle unterliegt. Jain verzichtet auf eine Band – spielt aber trotzdem alles live.

Ich hab eine Maschine und die Software Ableton. Dort sende ich dann verschiedene Loops auf verschiedenen Spuren hin, zum Beispiel eine Schlagzeugspur und eine Bassspur. So kann ich den Song peu-a-peu aufbauen. Und dann habe ich ein Mikrofon, mit dem ich verschiedene Gesangsspuren loopen und Harmonien erzeugen kann.

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Eine sehr gute Entscheidung. So kann Jain ihre musikalische Klasse zeigen. In ihrer Setlist befinden sich auch einige neue Songs. Vor allem ein Song namens „Paris“ wird vom Publikum gefeiert und sorgt für Tränen in den Augen. Jain singt von ihrer Liebe zur französischen Hauptstadt. Im Winter plant sie, ihren ersten französischen Song zu veröffentlichen. Auch wenn dieser eher das heimische Publikum begeistern dürfte: Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Jain auch Deutschland erreicht. Ob als neuen Wohnort oder musikalisch – das wird sich noch zeigen.

 

Das komplette Interview mit Jain gibt es hier im französischen Originalton:

Jain im Interview mit Musikredakteur Till Bärwaldt
 
 

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