Siemens-Werk Plagwitz

Künstlerischer Protest

Um gegen die Schließung ihres Werks zu protestieren, finden die Leipziger Siemens-Mitarbeiter kreative Wege. Am Donnerstag standen sie deshalb Modell und ließen sich fotografieren.
Protestzug
Seit fast einem Monat protestieren die Leipziger Siemens-Mitarbeiter gegen die Schließung ihres Werks.

Im Elipamanoke hat der Plagwitzer Fotograf Jens-Uwe Hülsenbeck mehrere Siemens-Mitarbeiter porträtiert. Um herauszufinden, was hinter der Aktion steckt, hat mephisto 97.6-Redakteurin Anneke Elsner mit dem Betriebsratsvorsitzenden des Plagwitzer Siemens-Werks, Thomas Clauß, gesprochen.

Das Interview können Sie hier nachhören oder nachlesen:

Anneke Elsner im Interview mit Thomas Clauß vom Siemens-Betriebsrat
3011 Siemens

mephisto 97.6: Heute fand im Elipamanoke eine Foto-Aktion statt. Wie sollen Fotos helfen, die Schließung des Werkes zu verhindern?

Thomas Clauß: Es ist eine Aktion, mit uns ein Plagwitzer Fotograf unterstützt, indem wir zeigen: Bei den Plänen geht es nicht um Arbeitsvolumina oder anonyme Arbeitspakete. Es geht hier in Leipzig um Menschen mit Sorgen, mit Nöten und mit einer Familie hintendran. Das wollen wir mit den Fotos zum Ausdruck bringen und als Erinnerung an die Manager verwenden. Dass es genau darum geht, dass sie über Menschen entscheiden.

Was wird auf den Bildern zu sehen sein?

Es sind professionelle Porträtfotos von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es zeigt die Gesichter der Menschen, die gerade bei Siemens betroffen sind.

Der Fotograf Jens-Uwe Hülsenbeck wird sich um das Projekt kümmern. Warum fiel die Wahl auf ihn?

Weil er unsere Aktion klasse findet und uns inhaltlich unterstützt, mit dem Ziel, dass wir in Plagwitz die Mischung erhalten, durch die Plagwitz herausragt und interessant macht. Er ist auf uns zugekommen und hat uns seine Hilfe angeboten. Wir haben das sehr gerne aufgenommen und entwickeln gemeinsam Ideen: Was können wir machen? Wofür können wir es verwenden? Das ist eine tolle und interessante Zusammenarbeit.

Was erhoffen Sie sich von den Fotos?

Konkret kann man nicht eine Aktion mit der Hoffnung auf eine Entscheidung verbinden. Aber wir wollen schon das zeigen, wofür wir und Siemens Plagwitz stehen. Das ist der Blick nach vorn, das ist die Offenheit für Gespräche und Einladungen. Wir sind nicht die, die den Kopf in den Sand stecken. Wir begreifen die Situation als Herausforderung, wir stellen uns mit dem besseren Konzept für die Zukunft des Werkes – und das werden auch die Bilder sagen. Denn das drückt jeder auch im Arbeitsalltag aus, diesen Blick nach vorn. Das ist einerseits die Angst und die Sorge vor der Zukunft. Andererseits die Konzentration auf die Leistung, auf das, womit wir Geld verdienen. Das sind unsere Kunden, unsere Projekte.

Sie setzen auf einen kreativen Widerstand. Warum ist denn die Wahl auf diese Form gefallen anstatt auf eine Petition?

Weil diese Art des kreativen Widerstands für den Werkserhalt das Einzige ist, was zu uns passt. Was zum Werk, zu unseren Mitarbeitern und zu Plagwitz passt. Alles andere ist nicht das, wofür wir stehen. Wir stehen für den Weg nach vorn, für Offenheit, für neue Ideen und Wege – und das soll unser kreativer Widerstand widerspiegeln. Wir haben natürlich auch eine Petition gestartet, das gehört ganz einfach mit dazu. Wir glauben auch, dass das Siemens-Werk in Leipzig eine Sonderrolle spielen kann, weil wir hier besondere Produkte herstellen, weil wir eine besondere Struktur haben. Und weil wir eben hier im Stadtteil seit 120 Jahren verwurzelt sind und dieser Stadtteil zeigt, wie stark Wandel und Umbrüche nutzen lassen, um mit innovativen Konzepten, was ganz Neues zu gestalten.

 

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Anneke Elsner, Isabell Bergner
30.11.2017 - 21:09