Bundestagswahl

Kritik am Landesbischof

Mit 27 Prozent bekam die AfD die meisten Stimmen zur Bundestagswahl in Sachsen. Daraufhin äußerte sich der Landesbischof Dr. Carsten Rentzing dazu. Doch seine Aussagen führten zu Kritik vom ehemaligen Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff.
Thomaskirche
Christian Wolff war einst Pfarrer in der Thomaskirche Leipzig

Am Montag nach der Wahl wurde eine Stellungsnahme des evangelischen Landesbischofs im Internet veröffentlicht. Darin äußerte er sich über die Wahl und begrüßte vor allem die hohe Wahlbeteiligung. Außerdem verdeutlichte er das Privileg unserer Wahlen, wie sie in Deutschland stattfänden. 

„vernünftigen Umgang aller Bundestagsparteien“

Rentzing bezeichnet den Wiedereinzug der FDP und den Einzug der AfD als Zeichen der politischen Vielfalt in Deutschland. 

Wir können eine solche Vielfalt nicht nur theoretisch wollen, sondern müssen sie auch dann akzeptieren, auch wenn sie nicht den persönlichen Vorstellungen entspricht.

Dr. Carsten Rentzing, Landesbischof der Ev. Luth. Landeskirche

Er erhofft sich außerdem eine Gesprächsbereitschaft aller gewählten Abgeordneten im neuen Bundestag. Ziel solle es sein, dass die Politiker das Gemeinwohl aller im Blick behielten. Das schließe für ihn auch einen angstfreien und vernünftigen Umgang aller Bundestagsparteien ein.

Ist das alles, was Sie zu der Katastrophe zu sagen haben  

Der ehemalige Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff antwortete seinem Kollegen mit einem offenen Brief. Darin drückt er aus, dass er sich für die Ergebnisse der Wahl schäme und sich als Pfarrer der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen davon distanziere.

Des Weiteren hinterfragte er, warum Rentzing sich vor der Wahl nicht deutlicher gegen die AfD positioniert hatte und bemängelte außerdem, dass in Rentzings Stellungnahme die AfD als eine ganz normale Partei behandelt werden würde. 

Ist das alles, was Sie zu der Katastrophe zu sagen haben, dass eine offen rassistische, rechtsradikale Partei wie die AfD in den Bundestag eingezogen ist und dass diese Partei in Sachsen zur stärksten Partei geworden ist?

Christian Wolff, ehemaliger Pfarrer der Leipziger Thomaskirche

Am Ende seines Briefes vergleicht Wolff die heutige Situation noch mal mit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. So verweist er auf eine:  

schleichende Zerstörung der Demokratie durch die, die völkischen Nationalismus als Allheilmittel predigen und dafür alle Grundwerte der Verfassung und des Glaubens zu opfern bereit sind.

Christian Wolff, ehemaliger Pfarrer der Leipziger Thomaskirche

So wirft er zum Abschluss Rentzing vor, dass ihm jegliche historische Sensibilität abhandengekommen sei. 

Das telefonische Interview von Moderatorin Helena Schmidt mit Christian Wolff gibt es hier zum Nachhören:

Moderatorin Helena Schmidt im Interview mit Christian Wolff
 
 

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Philip Fiedler
27.09.2017 - 19:02

Der Brief von Wolff:  wolff-christian.de

Die Stellungnahme von Landesbischoff Rentzing:  www.evlks.de