Kirchentag

Kritik am Kirchentag-Flop

Der evangelische Kirchentag zum fünfhundertjährige Reformationsjubiläum war ein Verkaufsflop. In Leipzig wurden von den prognostizierten 40.000 Tickets nur 15.000 verkauft. Für ein mögliches Finanzdefizit muss der Veranstalter nun selbst aufkommen.
Evangelischer Kirchentag
Beim Kirchentag auf dem Leipziger Markt kamen kaum Besucher

Im vergangenen Jahr feierten rund 40.000 Besucher den 100. Katholikentag in Leipzig. Das sind Zahlen, von den der evangelische Kirchentag hier in Leipzig in diesem Jahr nur träumen konnte. Zwar wurde für das 500-jährige Reformationsjubiläum die Werbetrommel kräftig gerührt, doch von den angepeilten 50.000 Besuchern sind nur 15.000 gekommen.

Auch bei den anderen regionalen Kirchentagen in Dessau-Roßlau, Erfurt, Halle/Eisleben, Magdeburg und Jena/Weimar kam man insgesamt nur auf 50.000 Besucher. Einzig die Reformationsstadt Wittenberg kann mit 120.000 Besucher von einem erfolgreichen Kirchentag sprechen.

Ein vorhersehbares Dilemma?

Das weniger Besucher nach Leipzig kommen würden, als ursprünglich prognostiziert, wussten die Veranstalter und die Stadt schon Anfang des Jahres. Nachdem beim Vorverkauf kaum Tickets verkauft wurden, bat die Stadt schon einmal zum ersten Gespräch. Laut Peter Matzke, Referent für Großveranstaltungen der Stadt Leipzig wurde die Stadt aber nicht mutwillig getäuscht.

Die Veranstalter haben einfach massiv fehleingeschätzt, was die potentiellen Besucher angeht.

Peter Matzke

Nie zur Debatte stand nach dem schlechten Verkaufsstart, das Programm zu kürzen und einige Veranstaltungen abzusagen. Da die Programmhefte im Januar gedruckt und veröffentlicht wurden, seien viele Besucher nach dem Heft gegangen und hätten sich zielorientiert die Tickets gekauft. Das Programm mit seinen über 500 Veranstaltungen wurde von vielen Seiten als sehr hochwertig eingeschätzt.

Defizite bei den Finanzen

Nachdem der Vorverkauf schon so schlecht gestartet ist, machten die Geldgeber dem Verein druck. Das Budget wurde von 6 auf 5,3 Millionen Euro herabgesenkt. Davon bezahlten der Freistaat Sachsen 2,25 Millionen Euro, die Stadt Leipzig nach eigenen Angaben 500.000 Euro und die Landeskirche Sachsen rund 630.000 Euro. Für das finanzielle Defizit muss nun der Verein selbst aufkommen, so Stadt und Land.

Ullrich Schneider vom Reformationsjubiläum 2017 e.V. rechnet mit keinem so großem Defizit. Seiner Meinung nach, kann der Verein das Ganze selbst stemmen. Mit den finalen Zahlen kann aber erst in ein paar Monaten gerechnet werden. Das Kulturdezernat und Peter Matzke werten aktuell noch aus, wie es zu dem "Desaster Reformationsjubiläum" kommen konnte, und werden das Ergebnis in einigen Wochen dem Stadtrat vorlegen.

Kritik & Konsequenzen

Wie es zu den niedrigen Besucherzahlen kommen konnte, weiß bisher keiner. In der evangelischen Wochenzeitung "Der Sonntag" wurde von Kritik aus staatlicher und kirchlicher Seite am ganzen Veranstaltungskonzept gesprochen.

Zwei Wochen nach dem Kirchentag ziehen der Veranstalter und die Stadt Bilanz. mephisto 97.6 Redaktuerin Peggy Fischer weiß, wer welche Folgen aus dem Kirchentag zieht:

mephisto97.6 Moderator Paul Materne im Gespräch mit Peggy Fischer
0806 SG Kirchentag
 

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Mehr Information über den evangelischen Kirchentag finden Sie auf der Website.