Konzertbericht: Editors im Haus Auensee

Krachen, Beben, Bariton

Egal, ob auf Festivals oder ihren eigenen Konzerten, die Editors genießen einen Ruf als hervorragender Live-Act. Am 2. April waren sie im Haus Auensee und haben dort jenem Ruf alle Ehre gemacht. Bei den Engländern sitzt jeder Handgriff.
Editors im Haus Auensee
Bebender Bariton und krachende Melodien: die Editors überzeugen im Haus Auensee.

Das Wettrennen um einen Platz in der ersten Reihe - Standard auf Konzerten von One Direction oder Bastille. Es sind hauptsächlich Bands mit einer Fangemeinde Ende Zehn, Anfang Zwanzig, wegen denen auf Konzerten hektisch gedrängelt wird. Menschen jenseits dieser Altersgrenze lassen die Sache mit der Platzwahl meist entspannter angehen. Und doch, auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn als sich am Ostermontag, um 18:30 Uhr die Tore des Haus Auensee öffnen, nehmen plötzlich Mitdreißiger*innen die Beine in die Hand, um sich an den Zaun des Bühnegrabens zu krallen.  

Was ist das für eine Band, die in Menschen jenseits der 15 das verkappte, jugendliche Fangirl zum Vorschein bringt? Fakt ist, dass sich die Editors einen festen Stand in der Musikbranche erarbeitet haben. Seit über 15 Jahren verbinden sie Indie-Rock mit New Wave, gewinnen Herzen und ziehen harsche Kritik auf sich. Seit März steht mit „Violence“ ihr sechstes Album in Plattenläden und den Regalen ihrer Fans. (Oder wenigstens in der Spotify Bibliothek, weil 2018.) Die dazugehörige Tour durch Europa und das Vereinigte Königreich ist zu großen Teilen ausverkauft. 

Editors (von links): Edward Lay (Schlagzeug), Justin Lockey (Gitarre), Tom Smith (Gesang), Elliott Williams (Keyboard) und Russell Leetch (Bass).

Auf den Punkt

Irgendwann geht das Licht aus. Ein Bandmitglied nach dem anderen nimmt seinen Platz ein. Sänger Tom Smith betritt zwar als letzter die Bühne, lässt sich aber nur wenig zurückfallen. Die Editors sind da, um abzuliefern. Sie eröffnen mit „Hallelujah“ und bieten damit Ausblick auf den restlichen Verlauf des Konzerts. Die neuen Songs sind drastischer - brutal, wie sie es selbst bezeichnen. Auf dem neuen Album knallen klassische Rockelemente auf splitternde Elektronik; harte Kontraste umwoben von großflächigen, einnehmenden Melodien. 

Als erfahrene Musiker lassen die Editors keinen Zweifel daran, dass sie gut sind in dem, was sie tun. Die Setlist ist durchdacht - neue und alte Songs ( „Formaldehyde“, „Violence“, „Munich“, „Nothingness“, „Sugar“, „The Racing Rats“) wechseln sich ab, das Auftreten fokussiert und die Fans hin und weg.


Ein pumpendes Herz

Die Editors sind eine eingespielte Band, bestens ausgerichtet auf die jeweils anderen. Jeder wirkt, als wäre er genau da, wo er hingehört. Das Zusammenspiel erinnert an einen lebenden, atmenden Organismus mit Tom Smith als pumpendes Herz in der Mitte. 

Egal, ob er sein Gesicht zu Grimassen verzieht und die Zähne fletscht, die Hände durch die Luft fliegen lässt oder leichtfüßig über die Bühne tanzt und gleitet, das Publikum heftet seine ganze Aufmerksamkeit auf ihn. Besonders gesprächig ist er nicht. Außer den gewohnten  „Hallo Leipzig, wie geht's euch und danke schön!“-Phrasen spricht er kaum. Das stört aber auch keinen. Wenn er seine Augen weit aufreißt, die langen Finger emporstreckt und seinen seidigen Bariton plötzlich in die Höhe fahren lässt, ist auch ohne Worte alles gesagt.

 

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