Theater

Kosename: Frosch

Zwei junge Erwachsene lernen sich übers Internet kennen. Das ist erstmal nichts ungewöhnliches. Dass sie zusammen nach Norwegen fahren um sich umzubringen, ist es dann doch. Im Stück "norway.today" des Theater der Jungen Welt geht es genau darum.
"norway.today" im Theater der jungen Welt Leipzig
"norway.today" im Theater der jungen Welt Leipzig

Zwei junge Leute lernen sich in einem Chatroom kennen. Es sind die beiden Hauptdarsteller des Stückes "norway.today". Sie heißen Julie und August. Julie schreibt im Chatforum, dass sie sich umbringen möchte, da sie auch einmal „Nichts“ fühlen will und ihr das so keiner geben kann. August antwortet auf diesen Post und teilt Julie mit, ihm ginge es ähnlich. Da Julie nicht alleine Selbstmord begehen will, bittet August mitkommen zu können. Nach anfänglichem Zögern willigt Julie ein. So fahren die beiden nach Norwegen, um von den Klippen zu Springen.

Clash of Characters

Da sich die zwei kaum kennen wird schnell offenbart, dass sie ziemlich verschiedene Charaktere sind. Ihre unterschiedliche Art sorgt auch für Streit zwischen den Beiden. Denn Julie wirkt wie eine sehr ernste, entschlossene junge Frau, August hingegen wie eine Quasselstrippe. Durch diese Charakterkonstellation gibt es allerdings auch einiges an Unterhaltung im Stück.

Es gibt recht oft Stellen, an denen man lachen und schmunzeln muss. Zum Beispiel wenn Julie August sagt, er solle einfach mal die Klappe halten und er daraufhin laut über das Schweigen philosophiert. Oder als er ihr den Kosenamen Frosch gibt. Zur Unterhaltung trägt zusätzlich ein Widder bei, der immer wieder als DJ in Erscheinung tritt.

Fragen und Gedanken

Durch den Todeswunsch von Julie und August stellen sie sich und auch dem Publikum verschiedene Fragen zu Tod und Sterben. Zum Beispiel was tue ich, oder was kann ich tun kurz bevor ich sterbe? Was denke ich dabei? Und ganz besonders auch, warum begehen Menschen Selbstmord?

Es ist insgesamt eine sehr große Themenvielfalt, die im Stück aufgegriffen wird. Denn es geht  im Verlauf des Stückes nicht mehr nur um Tod, sondern auch um Dinge wie Liebe, Glück, Freundschaft, Scheu oder Verlangen. Und im Laufe dieser Zeit merkt man auch, dass sich die Charaktere ändern. Diese Darstellung eines Wechselbades von Gefühlen sowie die Veränderungen während der Zeit ist den Schauspielern sehr gut gelungen.

Schade nur, dass einige der von Julie angesprochenen ernsten Themen schnell wieder durch komische Einwürfe von August unterbrochen werden.

Es ist im Allgemeinen eine gute, interessante Inszenierung und auch ein gelungenes Regiedebut von Phillip Oehme.  Auch wegen des DJ-Widders und besonders des Bühnenbildes. Das ist nämlich ein 3D-Boden, der sich je nach Tag oder Nacht verändern kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, das Stück "norway.today" bietet einen interessanten und unterhaltenden Theaterabend, der gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

"norway.today"-Rezension von Svenja Tschirner

Moderation: Lukas Raschke

Rezension zum Theaterstück "norway.today"
 

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