Frisch gepresst: Neufundland

Kopf in den Wolken

Schon 2015 gab’s ihre erste EP. Jetzt steht das Debüt von Neufundland in den Plattenläden. Mit „Wir werden niemals fertig sein“ liefern die Kölner Jungs ein deutschsprachiges Album, das nichts mit den Deutschpoeten á la Tim Bendzko zu tun hat.
Neufundland haben mit "Wir werden niemals fertig sein" ihr Debütalbum veröffentlicht.
Neufundland haben mit "Wir werden niemals fertig sein" ihr Debütalbum veröffentlicht.

„Indierock mit elektronischem Gefrickel und Elementen der Hamburger Schule.“ So beschreiben Neufundland selbst ihre Musik. Die machen die fünf Wahlkölner jetzt seit vier Jahren. In der Zeit haben die Jungs auch genau das gemacht, was man als Band eben mal so machen muss: eine EP veröffentlichen oder Bands, wie Von Wegen Lisbeth, OK KID oder AnnenMayKantereit supporten. Jetzt können sie aber auch an einen anderen wichtigen Punkt einen Haken machen: Ein Album veröffentlichen. Produziert wurde es von Tim Tautorat, der auch an Platten von Olli Schulz oder Turbostaat gewerkelt hat, und auf den Namen „Wir werden niemals fertig sein“ getauft.

Fertig sein? Nö.

Der Titel kann im ersten Moment etwas in die Irre führen. „Wir werden niemals fertig sein.“ Was soll das heißen? Präsentieren Neufundland uns ein nicht ganz ausgefeiltes Album, das Ansprüchen ohnehin nicht gerecht werden kann? Nein. Ganz im Gegenteil. Neufundland wollen mit ihrem Debüt das Unfertige und Unperfekte feiern; das unangepasste und unsichere Leben hinnehmen und die ständige Suche nach dem Besseren feiern.

„Wenn die Eiskugel fällt, sag ich Hoppla“

Neufundland feiern das Leben in zwölf neuen Songs. Keinen davon kennt man von der vorausgegangenen EP. Zusammen mit ihrem Produzenten wollten sie auf der Platte einen eigenständigen Sound kreieren, der eingängig ist, sich der Hörerschaft aber nicht anbiedert. Dass Neufundland das gelingt, zeigte schon die erste Singleauskopplung „Eiskugel“. Die beginnt mit monotonem Gesang und regelmäßig tönenden elektronischen Beats, die im Laufe des Songs aber von immer mehr Instrumenten unterstützt werden. Obwohl die Nummer nicht die eingängigste der Platte ist, ist sie trotzdem nicht sperrig genug um abzuschrecken.

 

 

Neufundland halten die Balance. Sie übertreiben es nicht mit elektronischen Spielereien, eifern aber auch den großen Bands des Hamburger Schule nicht zu sehr nach. Das beste Beispiel dafür ist der Titeltrack. „Wir werden niemals fertig sein“ überzeugt mit Synthies die Hand in Hand mit einem tollen Basslauf gehen. Generell tragen die Synthies bzw. leichte Klavierklänge dazu bei, dass Neufundland nie ganz in die Punk-Schublade fallen. Stattdessen wirkt ihre Musik an manchen Stellen eher etwas verträumt. „Das was wir verdienen“ beginnt beispielsweise leise mit Klavier, wird später aber zu einer eindringlichen Nummer, was nicht zuletzt der Stimme von Sänger Fabian zu verdanken ist. Die kann, muss aber nicht immer laut sein, was gut in dem Song mit der größten Ohrwurmwahrscheinlichkeit – „Oase aus Beton“ – zum Ausdruck kommt.

 

 

Schon vor dem Release des Debüts wurden einige Singles veröffentlicht und mit jeder neuen wurde die Messlatte gefühlt immer ein Stück höher gelegt. Zu recht wie Neufundland mit "Wir werden niemals fertig sein" unter Beweis stellen. Den Jungs aus Köln gelingt es, sich der deutschen Sprache sinnvoll zu bedienen, ohne auch nur ein kitschiges Liebeslied zu machen. Neufundland liefern mit zwölf Songs und einer Gesamtspielzeit von gut 45 Minuten ein deutschsprachiges Debüt, das nicht nur in voller Länge gehört werden kann, sondern viel mehr sollte.

 

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Lucie Herrmann
21.11.2017 - 11:34
  Kultur

Neufundland: Wir werden niemals fertig sein

Tracklist:
  1. Alles was bleibt
  2. Oase aus Beton*
  3. Sag was du willst:
  4. Eiskugel
  5. Ich sehe was*
  6. Das was wir verdienen*
  7. Bis es stimmt
  8. Das Ende vom Lied
  9. Wir werden niemals fertig sein*
  10. Kopf in den Wolken
  11. Tschüss

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 10.11.2017
Rough Trade

Mehr über Neufundland erfahrt ihr hier.

Tourenplan der Kölner Band:

01.12.2017 // BERLIN // Festsaal Kreuzberg
03.12.2017 // LEIPZIG // Naumanns
14.12.2017 // JENA // Kassablanca
16.12.2017 // DRESDEN // Groovestation