Konzertbericht: Parcels

It's Time For The Parcels

Am 12. Dezember spielte die australische Band Parcels in der Columbiahalle in Berlin. Eine rasch aufsteigende Newcomer-Band in Concert.
Albumcover Parcels
Albumcover Parcels

Parcels waren diesen Sommer einer meiner großen Festival- Entdeckungen. Mit ihrem 70er- Jahre Indie-Pop, der mit Einflüssen aus Funk, Pop und Elektro jongliert, konnten die fünf Musiker mich an die australische Küste entführen. Nachdem ich aber zu Hause den letzten Staub abgewaschen und das letzte Dosenbier für schwere Zeiten versteckt hatte, habe ich die Band wieder aus den Augen verloren. Für eine tägliche musikalische Begleitung waren die Songs mir doch etwas zu poppig. Schade eigentlich. Umso besser also, dass ich die Jungs vergangenen Mittwoch wieder live sehen konnte. Ob sie mich wohl wieder teleportieren können?
Vor der Columbiahalle stieß ich auf eine Girls-Clique. Sie skandierten schon laut „Parcels! Parcels! Parcels!...“. Solch ein Enthusiasmus ist ansteckend, und so ließ ich mich von den vieren durch den Abend leiten.

Hauptsache tanzbar

Aufgrund mehrerer Taschenkontrollen und einer Europapark-ähnlichen Warteschlange für die Garderobe, erlebt das Gespann die Vorband Kommode eher als Hintergrundmusik. Die vier Norweger bringen ihr Album „Analog Dance Music“ auf die Bühne, mit dem sie die Ambition haben, ein gleichnamiges Genre zu etablieren. Dabei stehen die Instrumente im Mittelpunkt, die Dogmatik von Bridge und Refrain soll aufgebrochen werden und bei jeder Wiederholung eines Musters wird dieses leicht verändert. Diese Absichten fallen wohl nur einem aufmerksamen Publikum wirklich auf, die optimistische Kernaussage, die sie mit ihrer Musik vermitteln wollen, kommt aber auf jeden Fall rüber.

Attention

Pünktlich mit verstummen des Supports finden sich die Mädels endlich inmitten der Menge der ausverkauften Columbiahalle wieder. Ihre Vorfreude ist noch immer ungebrochen. Zunächst müssen aber noch ABBA und Co aus dem Songspeicher der Halle herhalten, bis zu den ersten Klängen von Parcels. Tanzend strecken sie ihre Hälse in Richtung Bühne, um ja den Auftakt nicht zu verpassen. Die Gefahr dafür stellt sich aber als denkbar klein heraus, denn statt mit den fluffigen Tönen Parcels startet das Konzert mit einem Hip-Hopper in weißem Frack und schwarzen Zylinder.

Attention! It’s time for the Parcels! Parcels!

übertönt die tiefe Stimme den tosenden Applaus und Jubel. Die Aufmerksamkeit der ausverkauften Halle ist nun garantiert auf die Bühne geballt, wo nun auch endlich die fünf Musiker ihre Plätze einnehmen. Während Parcels sich von „Comedown“ über „Lightenup” zu “Hideout” spielen, entlädt sich die angesammelte Vorfreude der Mädels, es wird getanzt, gejubelt und sich vorgedrängelt.

Engelsgesang

Fast schon hypnotisch wirkt darauffolgend „Withorwithout“; die engelsgleich beleuchtete Band bringt das Publikum zum Schweigen und Träumen. Für „Exotica“ wird ein erstes Mal Verstärkung für die Gruppe auf die Bühne gebeten: Ein Streichquartett begleitet ein paar der Songs.

Leider wirkt es so, als wäre die Akustik nicht perfekt abgestimmt, denn die Ansagen sind teils kaum verständlich und auch die ein oder andere Songzeile wird von der Menge verschluckt. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch, schnipsend stehen die Musiker auf der Bühne, während das Publikum ihnen zu „Bemyself“ ihre Arme emporstreckt.

Pogo in der light- Version

Lange Instrumentals führen durch den Abend, die Menge tanzt, eine wohlabgestimmte Lichtshow begleitet die Musik. Dies findet einen vorläufigen Höhepunkt in „Everyroad“ als eine langsame Einleitung in einen starken Beat übergeht, unterstützt durch eine epische Beleuchtung. Als die ersten Menschen zu den anfänglichen Takten von „Tieduprightnow“ einen leichten Pogo beginnen, werden sie noch irritiert angesehen. Doch tatsächlich formt sich spätestens zum Refrain ein Moshpit (zugegeben, in der Indie-Pop light- Version). Wenig später verlässt die Band die Bühne, nachdem der werte Herr mit Zylinder sie noch in einer Showeinlage vorgestellt hatte.

Nach der Verbeugung der fünf geht der tosende Applaus weiter und weiter und weiter; immer wieder wird ein Chor angestimmt, der nach Zugabe verlangt; nach circa 15 Minuten wird der Menge und auch den vier Mädels klar, dass es das wohl wirklich gewesen ist. Nachdem das Adrenalin etwas nachgelassen hat, steht der einzige Kritikpunkt der Gruppe fest: Sie wollen mehr! „Das war ein perfekter Abschluss des Konzertjahres“ stimmen sie einander zu und bei einem Gang durch die sich langsam auflösende Menge hört man diese und ähnliche Aussagen aus allen Richtungen. 

Fazit

Aber wie ist es mir mit meinem Experiment bei den Parcels ergangen, erneut das Raum-Zeit-Kontinuum zu durchqueren? Ich hatte einen guten Abend- das verfrorene Berlin im Jahr 2018 habe ich allerdings zu keinem Zeitpunkt verlassen. Die Leichtigkeit der Songs, die ich diesen Sommer so genossen habe, wurde teils zugunsten der Show aufgegeben. So bleiben ein treibender Beat und eine spektakuläre Lichtshow natürlich in Erinnerung, wirkt für meinen Geschmack aber etwas zu gewollt. Die fünf Australier wirken, als wüssten sie genau was sie tun, alles passt zusammen: das Image, die Musik, das Aussehen, die Show. Vermutlich werden die Newcomer auch genau deswegen weiter auf der Überholspur auf dem Weg nach oben bleiben- und das hoffe ich auch für sie, denn die Jungs haben es drauf. Für mich funktionieren sie aber einfach am besten bei Sommer, Sonne, Sonnenschein und so wird man sie in der nächsten Festivalsaison bestimmt wieder bewundern können (vermutlich in wesentlich beliebteren Slots als noch letztes Jahr).

 

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Kurz und Knapp

Wer? Die Parcels

Wann? 12.12. 2018

Wo? Columbiahalle in Berlin

 

Bei unseren Top Alben 2018: 

Platz 5. Parcels - Parcels