Oper Leipzig

Kontinuität und Neues

Gestern präsentierte die Oper Leipzig ihren Spielplan für die kommende Spielzeit. Anlässlich des 325-jährigen Jubiläums schlägt sie musikalisch einen weiten Bogen – von Monteverdi über Dvořák bis hin zu Bartók.
Oper Leipzig, neue Spielzeit
Präsentation der Spielzeit 2017/2018

„Ein Bild hielt uns gefangen“ – mit diesem Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein umschreibt Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer den Schwerpunkt der nächsten Spielzeit. Nicht als Motto, sondern als eine Zusammenfassung soll dieser Ausspruch verstanden werden. Heißt konkret: Das Repertoire weiter ausbauen, um Neues ergänzen, andere Perspektiven schaffen und bestehende Kooperationen weiter vertiefen.

Verdi, Wagner und Dvořák

Die nackten Zahlen geben dieser Ausrichtung Recht: Insgesamt 189.300 Besucher kamen im Kalenderjahr 2016. Die Gesamtauslastung lag bei 77,2 Prozent, das sind gut 4 Prozent mehr als im letzten Jahr. Tendenz: steigend. Als Kontrapunkt zum Reformationsjahr startet die Oper Leipzig die neue Spielzeit mit einer Neuproduktion von Giuseppe Verdis Don Carlo. Mit Antonín Dvořáks wundervoller Märchenoper Rusalka – einer Herzensangelegenheit, wie Operndirektorin Franziska Severin sagt – wird das bestehende Repertoire weiter ausgebaut und ergänzt. Natürlich darf auch eine der wichtigsten Säulen des Spielplans nicht fehlen: Richard Wagner. So wird Katharina Wagner im März 2018 den Tannhäuser inszenieren und damit dem großen Ziel Schirmers näher rücken, eines Tages den gesamten Werkkatalog des Komponisten auf der Leipziger Opernbühne zeigen zu können. Auch Der Ring des Nibelungen wird als Zyklus wieder an vier aufeinanderfolgenden Tagen zu erleben sein.

PK Spielzeit 2017/2018
Präsentieren die Spielzeit 2017/2018: Ballettdirektor und Chefchoreograf Mario Schröder, Operndirektorin Franziska Severin, Intendant und GMD Ulf Schirmer und MuKo-Betriebsdirektor Torsten Rose

Ein Wiedersehen gibt es auch mit Leoncavallos Pagliacci. Diesmal jedoch nicht gekoppelt mit dem ebenfalls veristischen Gegenstück Cavalleria rusticana, sondern Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg.

Die Prinzen

Im November 2017 werden außerdem zum ersten Mal Die Prinzen auf der Leipziger Opernbühne zu hören sein, begleitet vom Gewandhausorchester unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer. Im Mittelpunkt des Festwochenendes „325 Jahre Oper“ stehen zentrale Werke des 20. Jahrhunderts: Eine Neuinszenierung von Alban Bergs Lulu und die Premiere des zweiteiligen Ballettabends mit einer choreografische Uraufführung von Igor Strawinskis Le Sacre du Printemps und Maurice Ravels Boléro.

Neuer Ballettklassiker

Nach dem Erfolg des Nussknackers dürfen sich Ballettfans auf einen weiteren Klassiker freuen: Tschaikowskis Schwanensee wird als weiteres Handlungsballett Eingang in das Repertoire finden. Mit Bachs Johannespassion zeigt Chefchoreograf Mario Schröder im Oktober 2017 seinen ganz eigenen Beitrag zum Reformationsjubiläum. Was die Vertiefung bereits bestehender Kooperationen betrifft, so wird das Leipziger Ballett gemeinsam mit dem Schauspiel Leipzig zum Abschluss der Spielzeit 2017/2018 mit dem Ballettabend TOOT der niederländischen Choreografin Didy Veldman (mit Musik von Schnittke und Schostakowitsch) eine weitere spannende Neuheit präsentieren. Neu ist auch die Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels, die mit Au revoir, Euridice eine Kombination aus Monteverdis L´Orfeo und György Ligetis Aventures zeigen wird. Eine weitere Novität ist das Format „Nachhall“ – eine vom Chefdirigenten der Musikalischen Kommödie, Stefan Klingele, ins Leben gerufene Konzertreihe in Zusammenarbeit mit dem Museum der bildenden Künste. Der Weggang des stellvertretenden Generalmusikdirektors Anthony Bramall an das Münchner Gärtnerplatztheater schafft weiteren Raum, um Neues auszuprobieren. Denn anstatt die Stelle auszuschreiben, bekommen neue wie alte Gastdirigenten die Chance, sich auszuprobieren und zu präsentieren.

Einen Beitrag über den neuen Spielplan der Leipziger Oper können Sie hier nachhören:

Theaterredakteur Dennis Blatt im Gespräch mit Moderator Lars-Hendrik Setz über die neue Spielzeit der Oper Leipzig
Theaterredakteur Dennis Blatt im Gespräch mit Moderator Lars-Hendrik Setz über die neue Spielzeit der Oper Leipzig

Leipzigs Musikalische Kommödie

Nachdem die Musikalische Komödie bereits in der laufenden Spielzeit mit musikalischen Ausgrabungen und Erstaufführungen punktet, führt sie diesen Weg in der kommenden Saison konsequent weiter und knüpft mit Eduard Künnekes Operette Die große Sünderin an die Reihe ihrer bisherigen Entdeckungen an. Auch die Lortzig-Tradition wird weitergepflegt. Als weiteres Highlight gibt es seine 1841 in Leipzig uraufgeführte und seitdem in der Versenkung verschwundene komische Oper Casanova zu sehen. In weiterer Zukunft sei auch ein Zyklus denkbar, so Schirmer,  da ihm neben Wagner und Strauss besonders viel am Œuvre des Komponisten liege.

Doktor Schiwago

Nach LoveMusik ist es der Musikalischen Komödie wieder gelungen, den Zuschlag für eine europäische Erstaufführung zu bekommen: Lucy Simon´s Musical Doktor Schiwago. Doch auch das jüngere Publikum kommt nicht zu kurz, so wird das Ballett Alice im Wunderland gezeigt und (als weitere Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels) die Gruseloper Das Geheimnis der schwarzen Spinne gemeinsam mit dem Kinderchor der Leipziger Oper aufgeführt werden.Man darf also gespannt sein und sich auf einige Neuheiten freuen.

Da müsste für jedes Alter, jeden Geschmack etwas dabei sein.

Torsten Rose, Betriebsdirektor der Musikalischen Komödie 

 

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Übersicht der kompletten Spielzeit 2017/2018 finden Sie hier.