Carsharing

Konkurrenz oder Symbiose zum Nahverkehr?

Carsharing liegt in Leipzig im Trend. Ein paar Klicks und schon hat man für einen begrenzten Zeitraum ein Fahrzeug zur Verfügung. So teilt sich eine große Anzahl an Menschen eine kleine Anzahl an Autos. Dieses Geschäft entwickelt sich rasant.
Franziska Wilhelm auf einem teilAuto Stellplatz
mephisto 97.6 Redakteur Philip Fiedler mit teilAuto Pressesprecherin Franziska Wilhelm auf einem der Stellplätze.

In den mitteldeutschen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der Carsharing-Anbieter teilAuto besonders stark vertreten. 1992 wurde das Unternehmen ursprünglich als ein Verein in Halle gegründet. Eine Gruppe von Autofahrern wollte damals gemeinsam einen Škoda nutzen und so entstand der "teilAuto Halle (Saale) e.V.". 1993 stand dem Verein das erste Auto zur Verfügung. Damals war die Reservierung für das Fahrzeug noch über Anrufbeantworter und Autoschlüssel in einem Rohrtresor geregelt. Nach der Jahrtausendwende expandierte teilAuto nach Leipzig und Erfurt. 2006 wurden Standorte in Dresden installiert. Später folgten Jena und Magdeburg.

Trotz der allgemeinen Expansion des Carsharings galt es lange Zeit als Geheimtipp und wurde auch eher belächelt. Mittlerweile ist das Geschäftsmodell aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Von Autos über Busse bis hin zu Transportern lassen sich alle Arten von Fahrzeugen mieten. Das heißt aber nicht, dass es in Zukunft nicht mit Problemen zu kämpfen haben wird.

Carsharing heute

In Leipzig ist teilAuto mit 290 Fahrzeugen an 150 Stationen vertreten. Im vergangenen Jahr nutzten rund 12.000 Kunden das Angebot. Das sind doppelt so viele Nutzer, wie noch vor vier Jahren. Laut Franziska Wilhelm, Pressesprecherin von teilAuto, wächst der Anbieter vor allem in Leipzig und Dresden besonders dynamisch. In der Landeshauptstadt nutzten im vergangenen Jahr zwar nur rund 9.000 Bürger das Angebot, allerdings ist teilAuto dort auch noch nicht so lange vertreten. teilAuto plant vorerst nicht in andere Bundesländer zu expandieren und möchte Mitteldeutschland als Kernstandort beibehalten. Allerdings führt der Anbieter eine Kooperation mit einem CarSharing-Verbund und die Nutzer können die Fahrzeuge deutschlandweit und auch in Österreich und der Schweiz nutzen.

Probleme mit den Stellplätzen

Zwar gibt es beim Carsharing keinen Nutzermangel, jedoch droht in der stark wachsenden Stadt Leipzig Platzmangel. Für die zu mietenden Fahrzeugen werden Stellplätze benötigt. Dort sollen die Nutzer sie abholen und anschließend auch wieder abstellen. Die Anzahl an frei anmeldbaren Plätzen dafür sinkt laut Wilhelm allerdings:

Durch die wachsende Stadt und durch die unzähligen Bauvorhaben fallen uns jetzt tatsächlich immer mehr Stationen weg. Die Baulücken waren sozusagen unsere Refugien. Und da wird uns schmerzlich bewusst, dass immer mehr davon verschwinden.

Franziska Wilhelm, Pressesprecherin teilAuto

Eine Lösung für das Problem bestünde darin, Stellplätze im öffentlichen Straßenraum als Carsharing-Plätze auszuweisen. Argumente für diese Ausweisung seien laut Wilhelm unter anderem die Tatsache, dass ein Carsharing-Auto um die zehn private Pkw und somit auch zehn Stellplätze ersetze. Außerdem verbessere Carsharing auch die Verkehrslage in der Innenstadt.

Momentan ist ein Gesetz in Entstehung, das die Ausweisungen möglich machen soll. Da es zunächst nur auf Bundesebene automatisch gültig ist, sind Kommunen dazu angehalten, es selbst eigenständig umzusetzen. teilAuto hat dafür einen Standortkatalog mit 60 Vorschlägen für Stellplätze herausgegeben.

Carsharing versus ÖPNV?

Bei Innovationen und neuen Konzepten ist es üblich, dass sie alte Konzepte mit der Zeit ablösen. So war es beispielsweise bei der mp3-Datei, die die CD ablöste, die wiederum die Kassette ersetzte. Daher liegt auch die Vermutung nahe, dass Carsharing und der öffentliche Personennahverkehr in Konkurrenz zueinander stehen und bald vielleicht niemand mehr die Tram, sondern nur noch teilAuto-Wagen nutzt. Tatsächlich sehen das in diesen Fall aber weder die Stadt Leipzig, noch die Betreiber von Carsharing so:

Genau die Leute die Carsharing nutzen, sind diejenigen, die das Auto abschaffen. Damit nutzen sie dann am Ende vermehrt den öffentlichen Nahverkehr. So profitieren beide davon.

Stefan Rausch, Fachbereichsleiter Nahverkehr der Stadt Leipzig 

Wir sehen uns eigentlich als Ergänzung in dem Verbund umweltfreundlicher Verkehrsmittel.

Franziska Wilhelm

So lässt sich sagen, dass Carsharing und der ÖPNV eher in einer Art Symbiose zusammenarbeiten. Bei den beiden Angeboten handelt es sich laut Wilhelm auch um unterschiedliche Konzepte. Ein Carsharing-Wagen muss zurück an die Station, von der er geholt wurde, mit dem ÖPNV geht es meist nur in eine Richtung.

Mehr Informationen zum Thema Carsharing können Sie im Studiogespräch zwischen mephisto 97.6 Redakteur Philip Fiedler und Moderator Yannick Jürgens nachhören:

Ein Studiogespräch von Philip Fiedler
 
 

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Hendrik Zimny
10.07.2017 - 19:37