Telekom Electronic Beats im IfZ

Kommt das Telekom-Institut für Zukunft?

Das Institut für Zukunft lud zum fünften Mal zur Telekom Electronic Beats Clubnight. Das hat nicht allen gefallen. Ein DAX-Konzern im IfZ? Warum ist das so? Und ist das die Zukunft der Underground-Clubszene?
Kommt das Telekom-Institut für Zukunft?
Kommt das Telekom-Institut für Zukunft?

Ich muss mich gleich mal für die Überschrift entschuldigen, die ist echt reißerisch. Wir sind hier ja nicht beim Springer-Verlag. Obwohl, da wär die Überschrift:

Kommt das Telekom-Institut für Zukunft?
 

Das Doofe ist, dass es das eigentlich ganz gut trifft. Denn Angst, oder zumindest Besorgnis, kann man schon haben.

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Um den Anteil der Telekom bei dieser Telekom-Party gab es auf den ersten Blick erstmal kein großes Bohei. Es wurden weder Magenta-Lufthände zum Mitklatschen verteilt, noch lagen Infobroschüren über Tarife aus. Ich hab nur eine kleine Anzeige vorm DJ-Pult mit dem Hinweis auf die Telekom Electronic Beats wahrgenommen. Also: Alles normal. Und das hab nicht nur ich so gesehen: Bar, Tür, Garderobe, DJs, alle sagen: Ein ganz normaler Abend. Auch das Line-up war klassisch IfZ – kein Wunder, denn hier hatte der Club freie Hand. Man hatte es vorher mal “zur Kenntnis” an die Telekom geschickt, die Antwort könnte man aber mit “Läuft.” zusammenfassen. Eigentlich doch ganz cool.

Und es geht weiter: die Telekom Electronic Beats-Reihe ist ja auch wirklich keine Unbekannte, sie hat in vielen Ländern, in vielen Städten viel für den Techno getan. Es eröffnet Clubs, oder – viel wichtiger – vielen Clubgängern Abende, die so nicht möglich wären – oder man müsste 20 € Eintritt nehmen bzw. zahlen. Das IfZ “würds nicht mit jedem machen” – hier scheint der Technoverkehr aber einvernehmlich. Und im Prinzip ist das die Frage, die sich so viele stellen müssen: Ab wann ist der Verkehr mit Sponsoren einvernehmlich? Die Frage müssen auch wir uns stellen.

Danke auch von uns!

Wir haben zum Beispiel eine Kooperation mit der Sparkasse. Oder dem Kreuzer. Und hey, hier gehts immerhin um Journalismus. Sogar wir haben von Telekom Electronic Beats profitiert. Fälschlicherweise spreche ich die ganze Zeit von der Telekom, in Wirklichkeit steckt dahinter ein Promo-Unternehmen. Das hat uns nicht nur Gästelistenplätze zum Verschenken bereitgestellt, auch konnten wir Kopfhörer und eine Powerbank verschenken. Da dieses Promo-Unternehmen natürlich screent, was bei den Aktionen rauskommt, einfach an dieser Stelle nochmal: Danke dafür! Und schlecht ist das vielleicht erstmal nicht.

Back to topic: Das "Telekom-Institut für Zukunft". Ist das die Zukunft? Wird Techno mit immer mehr Geld gebuttert, sodass Acts immer teurer werden, und man mehr Geld benötigt, and so on? Und wird das so weitergehen? Ja und ja! Ich denke, man kann hier ruhig auf den Fußball schauen. Es braucht immer größere Sponsoren (gut, was soll nach der Telekom, dem acht-größten DAX-Konzern nach Marktkapitalisierung – was ist das überhaupt?! – noch kommen), und für immer mehr Geld wird immer mehr Identität verkauft. Mich als Gladbach-Fan nervt das Postbank-Logo auf dem Trikot enorm.

Trinkt ein Bier mehr!

Ich wage mal die nicht so steile These, dass es in Zukunft auch im IfZ, egal ob Telekom oder Schwäbisch Hall (Auf-diesen-Beat-können-Sie-bauen-Tour 2020), nicht mit einer kleinen Leuchtreklame am DJ-Pult getan ist. Und mich nerven diese Totschlag-Argumente à la “wehret den Anfängen” selbst. Aber ich glaube, dass es zur Verlangsamung dieses Prozesses nur gut sein kann, sich das ab und zu mal wieder in den Kopf zu rufen, bei Sponsoring immer kritisch zu sein, und vor allem: In 'nem Club mal 'n Bier mehr zu trinken. Denn ohne den Zwang wünscht sich so eine Kooperation kein Underground-Club. Oder Zeitung. Oder Radiosender.

Aber vielleicht, oder wahrscheinlich, ist das auch egal, wahrscheinlich musste man schon immer Kompromisse machen, wahrscheinlich ist der hier nicht der Schlechteste, und sowieso: Der Bass macht eh keine Kompromisse.

 
 

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Nico van Capelle
30.11.2017 - 11:33