Westwerk

Kommerz statt Kultur?

Bunte Graffiti, baumelnde Turnschuhe und fröhliche Menschenmengen vor alten Fabrikfenstern – alternative Kunsträume wie das Westwerk gehören wie selbstverständlich zum kreativen Charakter von Plagwitz. Doch wie lange noch?
Westwerk Frontsicht
Das Westwerk in Plagwitz ist ein kultureller Begegnungsort.

Billard statt Kunst

Die Mieten rund um die Karl-Heine-Straße in Plagwitz steigen immer weiter an, kleine Läden und Gastronomien müssen wegziehen. Seit Oktober gibt es nun auch Gerüchte über geplante Veränderungen im Westwerk. Einige haben schon stattgefunden. Nach Quellen der Leipziger Internet Zeitung gab es im Westwerk, das sich in privatem Besitz befindet, Nebenkostenerhöhungen von teilweise 100 Prozent und mehr, welche die Mietparteien bedroht. Dem Kunstraum Westpol wurde der Mietvertrag gekündigt. Am Wochenende folgte der Hackerspace SubLab. In die freien Räume sollen wohl ein Billardclub und ein Supermarkt einziehen. Es gibt zudem Angaben über den geplanten Bau eines Parkhauses. Die Initiative „Westwerk retten“ – ein Zusammenschluss von Freunden des alternativen Westens – ruft nun zu Protest auf. Kommerzialisierung lautet ihr Vorwurf auf dem zugehörigen Blog „westenwehrtsich“.

Kritik an Zusammenarbeit

Peter Sterzing, Geschäftsführer des Westwerks dementiert diesen Vorwurf. Das alte Industrieamarturenwerk habe sich schon immer im Wandel befunden. Außerdem habe es gute Gründe für die Kündigung von Westpol gegeben: Westpol habe es in fünf Jahren nicht geschafft, sich eine Struktur für eine geeignete Zusammenarbeit zu geben, beispielsweise in Form eines Vereins. Zudem habe Westpol, so Sterzing, die Angebote bekommen, in einen alternativen Raum oder nach der Sanierung wieder ins Westwerk zu ziehen. Beide Angebote seien laut Sterzing abgelehnt worden. Dies sei aber nur geschehen, weil Westpol die Miete nach der Sanierung nicht aufbringen könne, denn in der Vergangenheit habe der Kunstraum nur eine Symbolmiete gezahlt. Mit dem Gegenprotest, den Westpol nach seiner Kündigung anstieß, wollten sie auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam machen, so Pressesprecher Moritz Arand.  

Die immer wiederkehrende Situation, dass Pioniere in ihrem Kiez etwas tun, ihren Kiez dadurch aufwerten und am Ende Opfer ihrer eigenen Kinder werden, ist etwas, was immer wiederkehrt und auch immer wieder diskutiert wird, aber es ändert sich daran nichts.

Moritz Arand, Pressesprecher von Westpol

Drastische Mieterhöhungen

Der Hackerspace SubLab wird das Westwerk im Sommer ebenfalls verlassen. Sie könnten die Miete nicht mehr zahlen, erklärt der Pressearbeiter Olf von SubLab. Die Mieterhöhung liege über 60 Prozent und entspräche nicht den Mietbedingungen. Nach einem anschließenden Widerspruch gegen die Forderungen des Vermieters erhielt SubLab, so der Pressesprecher, eine Kündigung des Mietvertrags. Er sehe, genau wie „westenwehrtsich“ ganz klar eine Kommerzialisierung.

Das ist ganz klar, dass Kunst und Kultur dort für Kommerz und Konsum verdrängt werden und das ist eine Entwicklung, die auf jeden Fall zu kritisieren ist.

Olf, Pressearbeiter von SubLab

Was mit den Räumen passieren wird, ist bisher unklar. Ein Billardclub sei eine Möglichkeit zur Nutzung des ehemaligen Kunstraums, Verträge wurden aber laut Peter Sterzing noch nicht abgeschlossen.

Den Beitrag zum Westwerk von mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker gibt es hier zum Nachhören: 

Ein Beitrag von Marisa Becker über das Westwerk.
 
 

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Amelie Berboth
24.01.2017 - 19:09
  Kultur

Die Initiatoren von "westenwehrtsich" laden auf ihrer Website zu Vortrag und Diskussion am 05.02.17 ein, außerdem ist eine Demonstration am 11.02.17 geplant.