Schulpolitik

Kommentar: Worauf verzichten?

Sächsische Schulen sollen künftig für ihre Ganztagsangebote 27 Millionen Euro vom Kultusministerium erhalten. Klingt doch nach einer guten Unterstützung - oder doch nicht? Ein Kommentar.
Sollen bald Unterrichtsstunden an Sachsens Schulen gestrichen werden?

Der Kommentar zum Nachhören: 

Ein Kommentar von Anneke Elsner
 

Es klingt fast zu schön um wahr zu sein - 27 Millionen Euro - investiert Sachsen in Bildung. Das Kultusministerium will Ganztagsangebote ausbauen, weil diese Zitat „zu einem Merkmal von Schulqualität geworden“ sind. So weit so unverdächtig. Man könnte wirklich meinen, Sachsen habe endlich den Schuss gehört und würde die marode gewordene Bildungspolitik angehen - die Betonung liegt aber auf KÖNNTE. Denn bei aller Freude über die zusätzlichen Mittel, bleibt da ein fahler Beigeschmack. Denn vor zwei Monaten haben sich Kultusminister Christian Piwarz und Finanzminister Matthias Haß in den Kopf gesetzt, die Wochenstunden in einigen Klassenstufen herunterzusetzen. So wollte man dem ständig präsenten Lehrermangel entgegenwirken. Weniger Unterricht, weniger freie Stellen.  

Nicht mit uns!

So einfach war es aber nicht. Denn dieser Vorschlag stieß beim Koalitionspartner SPD, beim Landessportbund und beim Landeselternrat auf scharfe Kritik. Denn die Kürzungen der Wochenstunden sollten vor allem Musik, Sport und Kunst betreffen - Fächer, die viel zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen und einen Ausgleich zum Schulalltag bieten. Aber das Kultusministerium wäre ja nicht das Kultusministerium, wenn es nicht eine ausgebuffte Idee entwickelt hätte. Denn laut diesem können solche musischen und sportlichen Fächer auf den - achtung, jetzt kommt‘s - Ganztagsunterricht verlegt werden. Denn da könnte man ja den Kontakt zu anderen Trägern herstellen, also zum Beispiel zu Sportvereinen. Außerdem würden die Kinder ohne Notenzwang an den Kursen teilnehmen können - außerhalb des regulären Unterrichts! ich frage mich, ob dieser humane Gedanke auch gekommen wäre, wenn Sachsen nicht permanent mit Lehrermangel in den Medien präsent wäre.

Unauffällig ist anders

Und jetzt, wo diese Rotstift-Idee langsam vor sich hin köchelt aber nicht mehr öffentlich diskutiert wird, wagt das Ministerium einen Vorstoß. Der Zusammenhang ist doch schon sehr offensichtlich. Plötzlich werden 27 Millionen Euro lockergemacht, um den Ganztagsunterricht zu stärken. Wenn die Stundenkürzungen kommen, soll so ein möglichst unauffälliger und reibungsloser Ablauf erfolgen. Ich bin mir sehr sehr sicher, dass wir in ein paar Monaten über starke Kürzungen in sächsischen Schulen berichten werden. 27 Millionen Euro sind vermutlich ein guter Preis für einen Aufschub in Sachen Lehrermangel.

 

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Anneke Elsner
04.05.2018 - 19:32