Interview: Pabst

Klingt ruppig, riecht rosa

Am 29. November waren Pabst als Vorprogramm von Drangsal im UT Connewitz zu sehen. Mit uns haben sie sich vorher über die Themen unterhalten, die ihre Karriere definieren könnten: der Rock-Mythos, Parfüm und Nickelback.
Pabst
Pabst (v.l.): Tore Knipping, Erik Heise, Tilman Eggebrecht

Es heißt, unserer Generation fehlen ehrliche, abgefuckte Rockstars. Besonders jetzt, da Bands zunehmend auf sich achten und es Organisationen gibt, die sich um die psychische Gesundheit von Musikerinnen und Musikern sorgen. Das Groupie-Dasein lohnt sich kaum noch und Hotelzimmer werden auch immer öfter heil hinterlassen. Hoffnungslose Nostalgiker stellen sich die Frage: Ist das noch richtige Kunst, wenn mein Lieblingsgitarrist 30 wird?

Pabst gehören zu der Art von Band, bei der die eben erwähnte Personengruppe den Kopf schüttelt und enttäuscht die Stones ballert. Drei junge Männer, in festen Beziehungen und drogenfrei. Am Ende lassen die sich noch einen Bausparvertrag auf den Rücken tätowieren. Mein Gott, wo soll das hinführen?
Die Berliner halten viel von guter Rockmusik, aber wenig von dem Tamtam, mit dem das Genre zumindest in vergangenen Jahrzehnten in Verbindung gebracht wurde: 

Das war so die eine schreckliche Sache an Rockmusik - dieses Drumherum. Bei uns ist es so, wir stehen alle so'n bisschen dafür, dass es auch anders geht. 

- Erik, Gesang und Gitarre

2016 veröffentlichten Pabst ihre erste EP, im Juli 2018 erschien dann ihr Debütalbum „Chlorine“. Zwölf Songs zwischen Grunge und Indie-Rock, zu denen man eigentlich genüsslich Fernseher aus Fenstern schmeißen könnte. Umso schöner der Kontrast, den Pabst vereinen:

Selbsternannte Langweiler mit krachigem Sound

Genres sind ja im Endeffekt auch nur das, was man aus ihnen macht. Deshalb machen Bands wie Pabst so viel Spaß – sie wenden sich einer Stilrichtung zu, die abwechselnd für tot und florierend erklärt wird und machen das Beste aus ihrer Situation:

Ich glaube, dass ist das Beste was Rockmusik passieren konnte. Also das es nicht mehr im Mainstream so besonders wichtig ist. Bands wie, weiß ich nicht, Nickelback oder sowas, die vor zehn, zwanzig Jahren das Erfolgreichste waren, ist ja im Prinzip Rock.

- Tilman, Bass

Fazit: Pabst sind sympathische Jungs, weil sie Witze über die Chainsmokers machen und sich selbst langweilig finden. Pabst sind eine sympathische Band, weil sie keinem Szene-Kitsch hinterherjagen und Dinge, die offensichtlich dumm sind, auch klar als dumm bezeichnen. Und na ja, so einen Scheiß auf Kult und Klischee zu geben, das hat ja doch wieder was vom reinen, ehrlichen Rock-Mythos. Fresst das, Vatis.
 

Pabst über Ideen für neuen Merch, Erik als Englischlehrer und warum die Chainsmokers bessere Rockstars sind als sie: 

Pabst im Gespräch mit Musikredakteurin Ariane Seidl.
 

 

 

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Ariane Seidl
14.12.2018 - 13:19
  Kultur

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