Konsumkritik

"Klingelts Geld" statt Jingle Bells

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt... Der Countdown für die Weihnachtseinkäufe hat begonnen. Warum wir gerade vor Weihnachten gerne in die Werbefalle tappen und was konsumkritische Weihnachtsmänner damit zu tun haben.
"Konsum! Macht! Glücklich?" Eines der Plakate der Aktivisten von attac
Das fragten die Aktivisten von attac am ersten Adventswochenende.

Konsum gehört in unserem Kulturkreis zur Tradition des Weihnachtsfestes. Wir kaufen Geschenke und essen was das Zeug hält. Kein Wunder also, dass gerade in der Weihnachtszeit so intensiv um den Verbraucher geworben wird. Werbung versucht schließlich, Lösungen für bestehende Bedürfnisse anzubieten. Und an Weihnachten haben wir das Bedürfnis, andere zu beschenken. Doch so einfach ist es leider nicht. "Denn Werbung versucht, neben diesem Lösungsangebot, auch neue Bedürfnisse zu wecken", erklärt die Mannheimer Konsumpsychologin Micheala Wänke. So würde die Norm, an Weihnachten zu konsumieren und zu schenken, noch verstärkt werden. „Jeder Mensch ist anfällig für Werbung“, so Wänke, vor allem der durch Werbung entstehende Wiedererkennungswert verleite im Laden zum Kauf. „Wehrlose Opfer sind wir jedoch nicht“.

Es "klingelts Geld" zum Kauf-Nix-Tag

Der konsumkritische Chor beim singen
Der konsumkritische Chor beim singen

Wehrlose Opfer des Konsums sind auch die Aktivisten der globalisierungskritischen Vereinigung attac nicht. Ganz im Gegenteil. Am Samstag des ersten Adventswochenendes sangen sie neben dem Weihnachtsmarkt am Marktplatz konsumkritische Weihnachtslieder. Aus "Jingle Bells" wurde "Klingelts Geld". Anlass für die Aktion war der internationale „Buy Nothing Day“, in Deutschland auch Kauf-Nix-Tag genannt. Dieser entstand in den USA als Gegenbewegung zum Black Friday, einem der umsatzstärksten Tage im Jahr. An diesem Freitag nach Thanksgiving startet traditionell das Weihnachtsgeschäft mit vielen Sonderangeboten und Aktionen.

Durch diesen Black Friday würde der ohnehin schon übermäßige Konsum zu Weihnachten noch pervertiert werden, so Mike Nagler von attac. Menschen würden durch Medien das Bild vermittelt bekommen, nur durch neue und teure Produkte ein schönes Fest verbringen zu können. Dabei mache Konsum gar nicht glücklich. Man solle lieber mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen.

"Zeit statt Zeug"

„Zeit statt Zeug“, das stand auch auf einem der Plakate von attac. Michaela Wänke kann Mike Naglers Annahme bestätigen: „Konsum kann nur kurzzeitig glücklich machen. An ein neues Paar Schuhe gewöhnt man sich schnell.“ Es gebe jedoch auch Produkte, die länger Freude spenden würden, von denen man lange etwas habe.

Nachhaltiger Konsum auch zu Weihnachten

Doch wo finden sich Produkte, die glücklich machen? Für Mike Nagler von attac sind Umsonstläden, Tauschbörsen und Foodsharingprojekte die Alternative, dem ewigen Konsumkreislauf zu entfliehen. Ein nachhaltiger Umgang mit Produkten sei wichtig, um Mensch und Umwelt zu schonen. Tauschen, reparieren und verschenken statt neu kaufen. Und Geben ist ja bekanntlich seeliger ist denn Nehmen.

 

Ein Beitrag von Aileen Mirasyedi über das Konsumverhalten der Menschen an Weihnachten.
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Aileen Mirasyedi
03.12.2014 - 11:11