Amerikanische College-Clubs

Kleidung organisiert das Campus-Leben

Zeig mir dein T-Shirt und ich sag dir, wer du bist: College-Clubs strukturieren das soziale Leben an amerikanischen Universitäten und der Club-Name wird täglich zur Schau getragen. Freunde finden ist leicht, individuell sein allerdings nicht.
Die Marching Band sorgt bei offiziellen Events für Stimmung.
Die Marching Band ist bei allen Studierenden sehr beliebt.

Amerikanische Studierende tragen das Logo ihrer Universität meist stolz auf der Brust, dem Rucksack oder anderen Merchandise-Artikeln. Für die Ohio Universität ist das ein brüllender Rotluchs, eine sogenannte Bobcat. Daraus ergibt sich der Schlachtruf „Go Bobcats!“. Zu dem Schriftzug gesellt sich dann häufig noch der Name ihres College-Clubs und da ist die Auswahl groß.

„Go Bobcats!“

Vom Percussion Club, über den Harry-Potter-Reading Club, bis hin zum Wasserski-Team, gibt es insgesamt 557 verschiedene Vereine auf dem Campus im Südosten Ohios. Selbst für Eltern gibt es die Möglichkeit mit „Ohio University Mom, Dad, Grandma oder Sibling“ oder „Proud Bobcat Parent“ Aufdruck ihre Verbundenheit auszurücken.

Das Leben auf dem Campus ist dadurch klar strukturiert, denn die einzelnen Grüppchen sind durch ihre Shirts eindeutig zu erkennen. Laut Soziologe Dr. Howard Welser, ist das Bedürfnis seine Zugehörigkeit zu zeigen, tief in der amerikanischen Kultur verankert.

Amerikaner suchen Anerkennung für das, was sie machen oder für den Club, in dem sie sind. Die College-Club Struktur schafft Identität und Zugehörigkeit.

Dr. Howard Welser, Soziologe

Neben dem großen Vorteil, leicht Kommilitonen mit den gleichen Interessen zu finden, ist das Klubleben auch sehr einnehmend. "Du musst dich entscheiden, mehr als einen Club schaffst du zeitlich kaum. Du solltest dich für etwas entscheiden, wofür dein Herz schlägt, weil du da viel Zeit verbringen wirst und die anderen Mitglieder vollen Einsatz erwarten", erzählt die Studentin Breanna Grimm. 

Durch die wenige Zeit, die neben dem Vollzeitstudium bleibt, ist der Club meistens die einzige Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Der Freundeskreis auf dem Campus ist im Vergleich zu deutschen Unis deutlich homogener. Ein anderer Kritikpunkt ist die optische Abgrenzung zu Außenstehenden.

Clubmitglieder werden Freunde

Aber selbst der Soziologe kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Er wechselt die Perspektive und fokussiert sich auf die Gemeinschaft innerhalb eines Clubs.

Ich bin selbst Leiter des Kletterclubs und es ist toll so einfach Menschen mit gleichen Interessen zu treffen, die mein Talent wertschätzen und mich bestärken.

Dr. Howard Welser, Soziologe

Als Othering, also die Abgrenzung einer Gruppe durch den Ausschluss anderer, will er das System daher nicht bezeichnen. Das zeigt, wie tief die College-Club Struktur auch in der amerikanischen Kultur verankert ist. Die Struktur des Campuslebens wird dadurch bestimmt und Neu-Studierende gliedern sich übergangslos ein, indem sie das Bobcats-Logo auf der Brust tragen. 

 

 

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