CD der Woche

Keine kleinen Mädchen mehr

Rosa Röckchen und glitzerndes Krönchen? Nicht bei „Honeyblood“. Die schottischen Powerfrauen machen Indie-Rock. Schaffen sie mit ihrem zweiten Album den Durchbruch?
Honeyblood, CD der Woche
Honeyblood sind mit ihrem Album "Babes Never Die" die CD der Woche

Der Begriff „Feminismus“ ist heute allgegenwärtig und hoch umstritten. Auch die schottische Band Honeyblood befasst sich in ihrem neuen Album Babes Never Die mit diesem Thema. Dabei gelingt es den Mädels alte Debatten wieder spannend zu machen, indem sie diese in ehrliche Grunge-Töne packen. Die Frauen in ihren Songs dürfen neben Herzensbrecherinnen auch beste Freundinnen und emotional sein.

Neue Besetzung, neues Glück?

Gegründet haben sich Honeyblood vor vier Jahren. Ihr erstes Album veröffentlichten Shona McVicar und Stina Tweeddale 2014. Nur kurze Zeit später hatte McVicar genug von der Band und stieg nach zwei Jahren aus. Ein würdiger Ersatz war aber schnell gefunden - seit nunmehr zwei Jahren sitzt Cat Myers am Schlagzeug.
Als Vorband der Foo Fighters, Courtney Barnetts und der Palma Violets hat sich das Duo eine breite Fangemeinde erspielt. Nachdem sich die Frauen live austoben konnten, ging es für die Aufnahmen von Honeyblood nach London. Produziert von James Dring, der vor allem für seine Zusammenarbeit mit den Gorillaz bekannt ist, gibt es das zweite Album des schottischen Duos jetzt am Handel. Damit liefern Tweeddale und Myers eine Platte, die wie für die dunkle Jahreszeit gemacht ist.

Von Herzschmerz zu Feminismus

Auf dem neuen Album Babes Never Die erschallen zwölf Songs im Indie-Rock-Gewand. Punk-Einflüsse sind hier und da zu hören, doch vom einstigen Garagen-Rock der Band ist nicht mehr viel übriggeblieben. Stattdessen ist der Sound einen Hauch elektronischer geworden - künstlich klingt die Band deshalb aber noch lange nicht. Nach wie vor überzeugen Honeyblood mit authentischer, handgemachter Musik.
Auch textlich haben sich Cat Myers und Stina Tweeddale weiterentwickelt. Während ihre erste Platte nur so vor Herzschmerz und autobiografischen Geschichten strotzte, fokussiert sich das Duo in seinen Songs nun zunehmend auf starke, emanzipierte Frauen als Teil der Gesellschaft. Dabei stellen sich Honeyblood sehr deutlich gegen veraltete Frauenbilder. Schon das eher dunkel gehaltene Album-Cover zeigt ein junges, wildes Mädchen, das nicht den Eindruck erweckt, als ob es mit Barbies spielt. Honeyblood weigern sich hinzunehmen, dass kleine Mädchen immer einen Beschützer brauchen. Ganz im Gegenteil. In einem Interview mit The Guardian betonte Tweeddale, das Mädchen sehr gut auf sich selbst aufpassen könnten, sie übermenschliche Kräfte hätten und man ohnehin nie das verrückte Mädchen in sich selbst vergessen sollte. Dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Album der Band.

When I go, I’ll be the one who decides.

Babes Never Die

Bereit für starke Emotionen?

Eingeleitet wird das Album mit einem von Kate Bush inspirierten Intro, das heraufbeschwörend, mystisch und fast wie ein Zauberspruch klingt. Rockig und mit eingängiger Melodie folgt darauf der Titeltrack der Platte Babes Never Die, mit dem das Album energiegeladen beginnt.

Generell dominieren auf dem Album dynamische Songs, von denen viele schnell ins Ohr gehen. Ein Paradebeispiel dafür ist Ready For The Magic. Die erste Singleauskopplung bleibt allerdings nicht nur im Ohr, sondern auch im Kopf – besonders, wenn man das Musikvideo gesehen hat.

Ebenso einprägsam ist Sea Hearts - ein Song, in dem Honeyblood die klassische Liebeskummer-Geschichte kurzerhand auf den Kopf stellen. Bei ihnen ist es nämlich die Frau die dem Mann das Herz bricht, und nicht, wie so oft, umgekehrt.

Aber auch vor leisen Tönen schrecken Honeyblood nicht zurück. Glaubt man Stina Tweeddale, so ist Cruel der ehrlichste Song, den sie jemals geschrieben hat. Und tatsächlich zeigt die Sängerin in diesem Lied ihre zerbrechliche Seite und offenbart sich damit dem Zuhörer.

If I said I'd give you my best I'd be lying to you 'cause I'm a mess

Cruel
Aller guten Dinge sind zwei

Honeyblood beweisen mit ihrem neuen Album, dass es in einer guten Band nicht immer vier, fünf oder sechs Musiker braucht, sondern manchmal auch nur zwei Frauen reichen, die mit ihrer klaren emanzipierten Haltung den Nerv der Zeit treffen. Auf musikalischer Ebene entführen Honeyblood die Hörer in eine mystische, teilweise auch etwas gruselige Welt, der man dennoch auf jeden Fall mal einen Besuch abstatten sollte.

 

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Marie Jainta, Lucie Herrmann
08.11.2016 - 17:35
  Kultur

Honeyblood: Babes Never Die

Tracklist:

1. Intro

2. Babes Never Die *

3. Ready for the Magic *

4. Sea Hearts

5. Love Is a Disease

6. Walking at Midnight

7. Justine, Misery Queen

8. Sister Wolf

9. Hey, Stellar

10. Cruel *

11. Gangs

12. Outro

Erscheinungsdatum: 04.11.2016
Fatcat Records