Luftfahrt

Kein „New York, New York“ ab Leipzig

Für den Leipziger Flughafen war es ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk, als im vergangenen Dezember eine pakistanische Fluglinie Direktflüge in die amerikanische Metropole ankündigte. Nun ist der Traum jedoch geplatzt.
Boeing 777 der Fluggesellschaft PIA
Eigentlich sollten die Maschinen des Typs Boeing 777 regelmäßig an den Big Apple fliegen.

Eigentlich wollte die pakistanische Staatslinie Pakistan International Airlines (PIA) künftig auf ihren Flügen von Karachi nach New York einen Zwischenstopp in Leipzig einlegen. Bisher führten die Flüge der Pakistaner für den notwendigen Tankstopp über Manchester. Um Kosten und Gebühren zu sparen, sollten die Flüge aber künftig in Leipzig zwischenlanden. Der damalige Airlinechef Bernd Hildenbrand war eigens in einem Airbus der Fluglinie nach Leipzig gekommen, um die Pläne zu verkünden.

Erst Verzögerungen dann Rückzug

Doch der Start der neuen Verbindung verzögerte sich immer wieder. Mal fehlten Genehmigungen, mal mangelte es der Airline an geeignetem Fluggerät. Nun kam die endgültige Absage aus Karachi für die geplante Flugverbindung. Die Airline steckt schon seit einigen Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Terroristische Bedrohungen, jahrelanges Missmanagement, starke Konkurrenz und eine alternde Flotte setzten dem Flagcarrier zuletzt immer mehr zu. Während vor einigen Jahren noch zahlreiche Ziele in Amerika angeflogen wurden, in denen es eine große pakistanische Community gibt, stand zuletzt nur noch New York als amerikanisches Ziel im Flugplan. Ab November ziehen sich die Pakistaner vom hart umkämpften Markt der Transatlantikverbindungen aber nun komplett zurück. Den Rückzug begründete die Fluglinie mit den anhaltenden finanziellen Verlusten auf der Strecke. Damit sind auch die geplante Zwischenlandung in Leipzig und die Direktverbindung nach New York endgültig vom Tisch.

Umstieg in London

Statt mit eigenen Flugzeugen nach Amerika will PIA künftig mit der Partnerairline American Airlines enger zusammenarbeiten. Schon seit den 1950ern fliegt PIA regelmäßig nach London. Diese Flüge sollen auch fortgesetzt werden. In der britischen Hauptstadt können Fluggäste dann in die Maschinen des amerikanischen Partners umsteigen und in Richtung USA weiterfliegen. Für Leipziger Flugreisende ändert sich jedoch nichts. Sie müssen weiterhin an den europäischen Drehkreuzen umsteigen, um einen Flug nach Amerika zu erreichen.

Verwirrung um abgestellten Airbus

Auch wenn der Rückzug der pakistanischen Fluggesellschaft wenig überraschend kommt, ist noch immer unklar, wie es mit dem am Flughafen Leipzig/Halle abgestellten Airbus der PIA weitergeht. Als Bernd Hillenbrand, der damalige Chef der Fluggesellschaft, die geplante Verbindung nach New York in Leipzig ankündigte, hatte er einen Airbus A310 im Gepäck. Seit Dezember steht der Langstreckenflieger nun ungenutzt auf dem Vorfeld. Zunächst hieß es, sei der Airbus ein Geschenk der Pakistaner gewesen. Später stellte der Flughafen aber klar, dass man die Maschine vielmehr kaufen wolle, damit die Airportfeuerwehr Notfälle daran trainieren könne. Dann teilte PIA jedoch mit, dass auch ein namentlich nicht genanntes Museum in Deutschland Interesse an dem Flugzeug bekundet hätte. Bis heute ist aus dem Kauf nichts geworden.

Korruptionsvorwürfe gegen Geschäftsführer

Der in Leipzig geparkte Airbus sorgte im April sogar mit dazu, dass der bisherige Airline-Chef Bernd Hillenbrand entlassen wurde. Gegen den einstigen Lufthansa-Chef wird seitdem wegen des Verdachts der Korruption ermittelt. Angeblich habe er neue Flugzeuge überteuert angemietet und alte Flugzeuge unter Wert verkauft. Darunter auch der Airbus, der noch immer in Leipzig steht und dessen Zukunft auch weiter ungewiss ist.

mephisto 97.6 Luftfahrtexperte Thomas Tasler mit den Einzelheiten: 

Ein Studiogespräch von Redakteur Thomas Tasler und Moderatorin Helena Schmidt
 
 

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