Wiedervereinigung

Kein Denkmal für Leipzig

Am 1. Juni beschloss der Bundestag nach langem Ringen endgültig den Bau der „Einheitswippe“ in Berlin. Einige SPD-Politiker sahen das als Signal an Leipzig, wo seit vielen Jahren ebenfalls über ein Einheitsdenkmal diskutiert wird.
Freiheits- und Einheitsdenkmal
Das Freiheits- und Einheitsdenkmal, wie es in Berlin mal aussehen soll

In der Stadt der Montagsdemonstrationen liegt das Projekt „Einheitsdenkmal“ seit 2014 auf Eis. Nachdem in dem Jahr bereits ein Entwurf mit 70.000 bunten Würfeln auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz beinahe entschieden war, wurde das Vorhaben kurz darauf plötzlich vom Stadtrat gestoppt. Grund war vor allem eine Diskussion über Form und Ort des Denkmals. Der favorisierte Entwurf habe die Menschen nicht überzeugt, so Oberbürgermeister Jung damals.

Auch in der Hauptstadt zogen sich die Diskussionen mehr als zehn Jahre hin. Dort hatte der Bundestag im April überraschend das Einheitsdenkmal gekippt, weil die begehbare Wippe nun 15 statt 10 Millionen Euro kosten sollte. Am 1. Juni wurde sie letztlich doch vom Bundestag beschlossen.

Eine Freiheitsstatue für Leipzig?

Das sehen einige SPD-Politiker als Chance, der Diskussion auch in Leipzig neuen Aufwind zu verschaffen. So auch der Leipziger SPD-Bundestagskandidat Jens Katzek, der einen besonders Aufsehen erregenden Vorschlag vorlegte: Eine Freiheitsstatue für Leipzig. „Eine Freiheitsstatue ist für mich das passende Symbol für die Friedliche Revolution, die in Leipzig ihren Anfang nahm“, so der 53-Jährige in einem Statement. „Dieses Denkmal mit seiner besonderen Ausstrahlung, der Geschichte und dem Hintergrund steht für einen unbändigen Drang nach Freiheit.“

Dabei plädierte er dafür „groß zu denken“, so wie es die Ideengeber des Völkerschlachtdenkmals damals auch getan hätten. „Wir sind es den Menschen von damals schuldig, ihren Mut und ihren Erfolg dauerhaft und sichtbar zu ehren. Das ist für mich auch eine Frage des Respektes vor der Leistung der Menschen von damals“, sagte er der Leipziger Volkszeitung. Ob die Statue in Leipzig eine Kopie des Originals in den USA werden solle, darauf wollte sich der Kandidat noch nicht festlegen. „Ich kann nicht sagen, ob sie 40 oder 50 Meter hoch werden soll, auch nicht, an welchem Ort sie genau stehen könnte.“ Er fände es jedoch schön, wenn eine Fackel dabei wäre.

„Das Freiheits- und Einheitsdenkmal soll endlich kommen!“, das fordert auch die Stiftung „Friedliche Revolution“ auf ihrer Website in einem Appell an den Bundestag. Diese wünscht sich dafür mehr Unterstützung vom Bund, unter anderem finanziell. Sie betont, „dass es sich dabei auch in Leipzig um ein Denkmal der Bundesrepublik Deutschland handelt und nicht, wie es in den Auseinandersetzungen manchmal scheint, um ein sächsisches oder gar städtisches Vorhaben“. Im nächsten Bundestag wird die Auseinandersetzung um die Finanzierung in die letzte Runde gehen. Jens Katzek gibt sich dabei in einer Mitteilung kampfeslustig. „Diesen Kampf zu führen, bin ich bereit“, sagt er.

mephisto 97.6 Redakteurin Theresa Hellwig mit einem Kommentar zum Einheitsdenkmal:

 
 

Kommentare

Thereasa Hellwig hat mit ihrem Kommentar recht: Leipzig ist der richtige Ort für das Freiheits- und Einheitsdenkmal - aber eben nicht der einzige. Das Problem: Derzeit ist nur Geld für Berlin da. Deshalb habe ich gesagt, dass ich im kommenden Bundestag dafür kämpfen will, dass sich dies ändert. Und ich habe dafür z.B. bereits die Verantwortliche Berichterstattin in der SPD Fraktion gewonnen. Es bleibt bei dem langen Weg - aber der Anfang ist gemacht. Jetzt heißt es dranbleiben :)

Leipzig hat ein herrliches und herrlich bescheidenes Denkmal auf dem Nikolaiplatz. Touristen, denen die Säule vorgestellt wird, erkennen am authentischen Ort, wo und wie die so genannte "friedliche Revolution" ihren Anfang nahm und fragen natürlich nach den Ursachen, die kaum in der Nikolai-Kirche zu finden sind. So muss es sein, 1000 bunte Würfel oder Klappstühle oder eine Wippe oder was auch immer für ein Kunstwerk, das in genau dieser abstrakten Form auch an die Erfindung des Gaskochers erinnern könnte, brauchen wir nicht.

Leipzig ist noch nicht reif für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal der pompösen Art, zumal es zumindest um die Einheit immer noch nicht so gut bestellt ist. Warten wir noch 50 Jahre, dann, wenn niemand mehr lebt, der 1989 um den Ring gelaufen ist, dann wird vielleicht so ein Denkmal wünschenswert.

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Verena Müller, Theresa Hellwig
02.06.2017 - 19:08