Im Gespräch: Kirsten Reinhardt

Kaugummis in Dosen

Kinder haben die Angewohnheit, die ekligsten Dinge zu sammeln. In Kirsten Reinhardts neustem Kinderbuch sammelt jedoch ein 80-Jähriger Kaugummis. Bis sein Leben plötzlich auf den Kopf gestellt wird.
Buchmesse 2017
Kinderbuchautorin Kirsten Reinhardt zu Gast auf dem Roten Sofa

Ein Bahnhof im nirgendwo

Eberhart von Eberharthausen lebt in einem stillgelegten Bahnhof irgendwo im nirgendwo. Er ist achtzig Jahre alt und mit seinem Leben mehr als zufrieden. Seit zwanzig Jahren hat er seinen festgeschriebenen Tagesablauf und lebt ihn ziemlich glücklich. Bis die junge Eli vor seiner Tür steht. Sie bringt nicht nur seinen regelmäßigen Tagesablauf durcheinander, sondern auch sein Leben. Ist am Anfang die Beziehung zueinander mehr schlecht als recht, finden sie doch schnell zusammen, als Eberhart Eli seine besondere Sammlung vorstellt: gekaute Kaugummis.

Hemmschwelle-Ekel

Durch die Ich-Erzählperspektive des Grauens selber, ist die Geschichte zu Beginn sehr verwirrend. Die Autorin lässt ihren Protagonisten mit Begriffen jonglieren, die einem nichts sagen. Das erschwert das Verständnis für die Geschichte.

Auch der besondere Sammeleifer des Kaugummigrafens, kann einen zu Beginn schon einmal abschrecken und ist doch schon sehr eklig. Doch je mehr Geschichten, die zu den Kaugummis erzählt werden, desto mehr erhält der Leser Zugang zur Geschichte.

Ein Kinderbuch mit Tiefgang

Je länger man das Buch liest, desto mehr Themen versucht Kirsten Reinhardt in dem Buch unterzubringen. Und das sind erstaunlich erwachsene Themen für ein Kinderbuch. Nicht nur werden Erziehung und Mobbing angesprochen, auch über Alter und Tod wird gesprochen. Die Themen werden zwar immer noch recht spaßig, locker und mehr nebenbei angesprochen, doch sicher kommt man als Elternteil nicht drum herum, mit dem Kind darüber ins Gespräch zu kommen.

Fazit: ein doch recht "erwachsenes Kinderbuch"

Der Kaugummigraf ist Kirsten Reinhardts drittes Kinderbuch. Mit ihrer Geschichte versucht sie nicht nur Kinder, sondern auch Eltern abzuholen. 

Auf dem Roten Sofa hat die Autorin Kirsten Reinhardt verraten, warum der Graf Kaugummis sammelt und nicht etwa Münzen oder Briefmarken. Dahinter steckt, dass der "Kaugummigraf" nur die klebrigen Süßigkeiten von bekannten Personen sammelt, die in seinen Leben irgendwann einmal positive oder auch negative Rollen gespielt haben.

Welche Figur im "Kaugummigraf" sie besonders mag, erzählt Kirsten Reinhardt im Interview. Sie war auf der Leipziger Buchmesse zum Gespräch auf dem Roten Sofa mit mephisto 97.6 Redakteurin Conny Poltersdorf:

Redakteurin Conny Poltersdorf im Gespräch mit Kirsten Reinhardt
Redakteurin Conny Poltersdorf im Gespräch mit Kirsten Reinhardt
 

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Kirsten Reinhardt ist 1977 in der Lüneburger Heide geboren. Sie studierte Theaterwissenschaften und Literatur in München. Danach besuchte sie die Berliner-Journalistenschule und schrieb eine Kolumne für die taz. Ihr Debüt Fennymores Reise oder wie man Dackel im Salzmantel macht wurde 2009 als noch unveröffentlichtes Manuskript mit dem Oldenbuger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet und in fünf Sprachen übersetzt. Der Kaugummigraf ist ihr drittes Kinderbuch.